wird im Geiste eines oder weniger Menschen konzipiert. Sie fällt nicht
vom Himmel herab, sondern entsprießt den Verhältnissen. Um poli
tisch wirkungsvoll zu werden, erhält sie in einer Partei Form und Be
stimmtheit. Hier wird sie gehegt und gepflegt und bekommt schließ
lich in Gestalt eines Programmes einen festen Körper. Hierdurch ver
schafft ihr die Partei Anerkennung in den Gesetzen und ist darauf be
dacht, daß sie das ganze Gesellschaftsleben durchdringe. Hat sie dann
ihren praktischen Zweck erfüllt, so gebiert sie eine neue Idee: sie gehört
der Geschichte an. Soll sie aber weiter richtunggebend sein, so führt sie
auf falsche Bahnen. Auch die Geschichte der Parteien vollzieht sich
nicht anders.
Hieraus ergibt sich als Korollarium die Berechtigung für das Dasein
der politischen Parteien. Weitgreifende, umspannende Ideen können
von isolierten Individuen nicht gefördert werden. Hierzu bedarf es der
Vereinigung von Individuen, die ein gemeinsames Ziel aufstellen und
es gemeinsam zu erreichen streben. Jede Partei hat verschiedene
Lebensperioden. Eine von ihnen zeigt uns nach ihrem Ablauf die
Parteiorganisation, wie sie mehr durch Tradition als durch ein Lebens-
prinzip zusammengehalten wird. An dieser Phase darf jedoch das
System der Regierung durch Parteien nicht beurteilt werden. Um der
Propagierung einer Idee Schwungkraft zu verleihen und sie zu syste
matisieren und um den Programmforderungen, zu denen der neue Ge
danke sich verdichtet hat, Anhänger zu gewinnen, muß eine Partei
gegründet werden. Sie vereinigt die Personen, die denselben Glauben
haben und ein gemeinsames Ziel verfolgen. Den einzelnen Willen be
aufsichtigt sie, so daß er im Effekt ein sozialer wird. Gegen das in der
Politik auftretende persönliche Interesse bildet sie ein Gegengewicht,
und von verschiedenen möglichen Methoden der Staatskunst wählt sie
diejenige, die am allgemeinsten Zustimmung findet. Sie schärft jene
Mäßigung und Selbstbeherrschung ein, die das Wesen der Ordnung
und eine Bedingung organischen Fortschrittes sind.
Für den Sozialisten erhält diese Art der Betrachtungsweise eine be
sondere Bedeutung; denn sie bestimmt die Natur der Beziehungen, die
zwischen dem Sozialismus und den politischen Parteien herrschen sollen.
Der Sozialismus ist ein Aufriß von der zukünftigen Gesellschaft, wenn
sie ein weiteres Stadium ihrer Entwicklung vollendet hat; eine poli
tische Partei verkörpert dagegen ein praktisches Aktionsprogramm,
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