Full text : Sozialismus und Regierung

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Anerkennung  des  Wertes  der  persönlichen  Erfahrung  für  den  Staat,
oder  etwa,  um  mich  präziser  auszudrücken,  der  Erfahrung  derjenigen
Gruppe  der  Gemeinschaft,  der  ein  Individuum  angehört.  Denn  nicht
einzelne,  sondern  Klassen  oder  Schichten  von  Individuen  werden  von
Zeit  zu  Zeit  zum  Wahlrecht  zugelassen.
Wenn  wir  also  den  Grundsatz  aufstellen,  daß  das  Ziel  der  politischen
Organisation  der  Demokratie  die  vollendete  Staatspersönlichkeit  ist,
können  wir  dann  die  Gewißheit,  dies  zu  erreichen,  dadurch  erhöhen,
daß  die  Wahlberechtigten  an  Hand  von  Kriterien,  die  über  die  bereits
erwähnten  hinausragen,  bestimmt  würden?  Sollte  z.  B.  der  Besitz  ebensogut ­
  als  die  Persönlichkeit  vertreten  sein?  Deutet  er  auf  besondere
Wertung  von  Erfahrungen?  Wäre  es  ein  Naturgesetz,  daß  hervorragende
soziale  oder  persönliche  Vortrefflichkeit  zur  Eigentumserwerbung  unbedingt ­
  nötig  sei,  so  könnten  die  Konservativen  ihre  Rolle  mit  Erfolg
behaupten.  Aber  materielle  Güter  werden  mit  allen  möglichen  Mitteln
und  aus  den  verschiedensten  Beweggründen  erworben.  So  könnte  der
Besitz  von  verkommenen  Wohnhäusern  sehr  wohl  die  Entziehung  der
Wahlfähigkeit  begründen,  während  das  Vorhandensein  der  von  südafrikanischen ­
  Minenmagnaten  aufgekauften  Villenviertel  uns  geradezu
verbietet,  den  Eigentumsbesitz  mit  besonderer  bürgerlicher  Auszeichnung ­
  zu  bedenken.  Man  kann  sowohl  durch  Ausbeutung  der  Gesellschaft ­
  als  durch  Dienste,  die  man  ihr  erweist,  Eigentum  erlangen,  und
ein  Schibboleth,  das  die  Angehörigen  der  vermögenden  Klassen  in
solche  scheidet,  deren  Besitz  den  Stempel  sozialer  Tugend  und  Redlichkeit ­
  trägt,  und  in  solche,  die  durch  Preisgebung  dieser  Eigenschaften ­
  reich  geworden  sind,  gibt  es  nicht.  Im  übrigen  sind  die  Bedingungen, ­
  unter  denen  die  gewaltige  Konkurrenz  des  Erwerbslebens
und  die  hastige  Jagd  nach  dem  Reichtum  stattfinden,  derart  beschaffen, ­
  daß  sie  die  bürgerlichen  Tugenden,  wie  sie  der  Besitz  von  irdischen
Gütern  anzuzeigen  schien,  mehr  als  bisher  in  Frage  stellen.  Nicht
allein,  daß  der  Reichtum  oft  auf  unehrliche  Weise  erworben  wird,
sein  Anhäufen,  das  auf  der  ruhelosen  Wachsamkeit  unserer  großen
Plusmacher  und  der  von  ihnen  geforderten  Vernachlässigung  des
Schicksals  anderer  beruht,  beschränkt  den  Geist  und  verkleinert  die
Interessen.  Man  hat  der  Plutokratie  in  keinem  Abschnitt  der  Weltgeschichte ­
  allzuviel  soziale  Kultur  und  bürgerliche  Rechtschaffenheit ­
  nachgerühmt.  In  unserer  eigenen  Zeit  hat  man  der  Geldaristo ­
            
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