Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Kautschuk

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Kautschuk

meist  verunreinigt  und  von  geringerer  Festigkeit ­
  und  Elastizität  als  die  Parasorte.  Er  kommt
selten  nach  Deutschland  und  wird  meist  nach
England  und  Amerika  ausgeführt.  Steigende  Bedeutung ­
  gewinnt  neuerdings  der  afrikanische
K.,  der  besonders  in  Portugiesisch-  und  Deutsch-Ostafrika,
  Sierra  Leone,  Madagaskar  und  im
Kongostaate  von  verschiedenen  Landolphia-  und
Kickxia-Arten  gewonnen  wird.  Mehr  und  mehr
geht  man  auch  zur  Anlegung  von  Kulturen
über,  wodurch  besonders  in  Zeylon  die  Herstellungskosten ­
  wesentlich  verringert  worden
sind.  —  Die  Gesamtmenge  des  auf  der  Erde
gewonnenen  Kautschuks  wurde  1862  zu  4000  t
angegeben,  1903  belief  sie  sich  auf  63500  t,  wovon ­
  fast  die  Hälfte  auf  Brasilien  entfiel,  und
1910  auf  76000  t.  Infolge  der  Anlegung  zahlreicher ­
  Kulturen,  die  Anfang  1911  bereits
400000  ha  umfaßten,  stieg  die  Erzeugung  im
Jahre  1915  auf  mehr  als  100000t  und  wurde  für
1916  auf  130—150000  t  geschätzt.  Die  deutschen
Kolonien,  deren  Pflanzungen  eine  schöne  Entwicklung ­
  zeigten,  lieferten  vor  dem  Kriege  bereits ­
  gegen  3000  t.  —  Der  K.,  der  sich  neben
Eiweiß,  Harz,  Zucker  und  Mineralstöffen  in
Form  einer  wäßrigen  Emulsion  in  dem  Milchsäfte ­
  (Latex)  vorfindet,  ist  ein  zu  den  Polyterpenen ­
  gerechneter  Kohlenwasserstoff  von  der
empirischen  Formel  C 10 H 16 ,  aber  sehr  hohem
Molekül.  Er  bildet  den  Hauptbestandteil  des
Rohkautschuks,  neben  dem  kleinere  oder  größere
Mengen  von  Eiweiß,  Harzen  und  anderen  Verunreinigungen ­
  (im  Para-K.  nur  1—40/0,  in  minderwertigen ­
  Sorten  bis  zu  400/0)  Vorkommen.
Je  nach  der  Sorte  zeigt  der  Rohkautschuk  eine
rötliche,  bräunlichgelbe  bis  schwarze  Farbe,
einen  eigentümlichen  Geruch  und  eine  hohe
Elastizität.  Das  spez.  Gew.  liegt  bei  0,92  bis
0,96.  Bei  niedrigen  Temperaturen  hart  und
spröde,  wird  der  K.  bei  120 0  klebrig  und  schmilzt
bei  180 0  zu  einer  Schrhiere,  die  erst  nach  jahrelanger ­
  Lagerung  wieder  fest  wird.  Bei  200  bis
300 0  geht  er  in  ein  dunkelbraunes  Öl  über,  das
als  Schutzmittel  gegen  Rost  dient,  und  verbrennt
bei  noch  stärkerem  Erhitzen  an  der  Luft  mit
rußender  Flamme  und  unangenehmem  Geruch.
Die  eigentliche  Kautschuksubstanz  ist  in  Wasser,
Alkohol  und  Azeton  unlöslich,  doch  entziehen
die  beiden  letzteren  dem  Rohkautschuk  die
Harze.  Von  den  übrigen  Lösungsmitteln,  die
den  K.  entweder  in  eine  wirkliche  Lösung  oder
doch  durch  Erweichung  und  Quellung  in  eine
homogene  Flüssigkeit  überführen,  sind  Äther,
Benzin,  Benzol,  Chloroform,  Schwefelkohlenstoff, ­
  Terpentinöl  und  Tetrachlorkohlenstoff  von
größter  technischer  Bedeutung.  Ein  ausgezeichnetes ­
  Lösungsmittel  ifet  auch  das  durch  trockne
Destillation  von  K.  gewonnene  Kautschuköi
(Kautschukin).  Gegen  chemische  Reagenfien
ist  K.  ziemlich  beständig,  er  wird  aber  von  konzentrierter ­
  Schwefelsäure  und  Salpetersäure  zerstört, ­
  durch  starke  Laugen  in  eine  klebrige  Modifikation ­
  umgewandelt  und  auch  durch  Tangere
Einwirkung  von  Luft  und  Licht  (Ozon)  verdorben. ­
  Mit  salpetriger  Säure  entstehen  Nitrosite,
  die  ebenso  wie  die  Additionsprodukte  mit
schwefliger  Säure  und  Halogenen  (Tetrabromid)
zur  quantitativen  Bestimmung  benutzt  werden.
—  Zur  technischen  Verwendung  wird  der

Rohkautschuk  zunächst  einem  Reinigungsverfahren ­
  unterworfen,  indem  man  ihn  in  siedendem
Wasser  erweicht,  darauf  mit  ständig  naßgehaltenen ­
  Schneidemaschinen  in  100—200  g
schwere  Brocken  zerteilt  und  letztere  sorgfältig
mit  Hilfe  von  Riffelwalzen  wäscht..  Die  schließlich ­
  erhaltenen  dünnen  Lappen,  sog.  „Felle“,
werden  sorgfältig  bei  50—6o°  getrocknet.  Der
bei  dieser  Reinigung  eintretende  Gewichtsverlust ­
  („Waschverlust“),  der  bei  bestem  Para-K.
gegen  10  o/ 0  ausmacht,  im  allgemeinen  aber  20  0/0
beträgt,  kann  bei  geringeren  Sorten  bis  zu  50  o/ ft
ansteigen.  Die  reinen  Felle  werden  entweder
für  sich  allein  in  Walzwerken  und  nachfolgendem ­
  hohen  Druck  in  Blöcke  gepreßt  und  in
Platten  zerschnitten  (Patentgummi),  oder
durch  Verkneten  des  erweichten  K.  mit  Schwefel,
Ton,  Zinkoxyd,  Talk,  Glätte,  Schwefelantimon,
Kienruß  usw.  in  eine  sog.  gemischte  Masse
übergeführt,  die  dann  durch  Pressung  ebenfalls
Platten  liefert.  Aus  den  Platten  von  Patentgummi
oder  gemischter  Masse  werden  die  meisten  Gebrauchsgegenstände ­
  hergestellt,  indem  man  sie
zunächst  in  die  gewünschte  Form  (Scheiben
für  Spielwaren,  Klappen  usw.)  zurechtschneidet
und  dann  die  Vereinigung  der  Ränder  durch
Aneinanderpressen,  bisweilen  unter  Verwendung
von  Kautschuklösung  als  Klebemittel  herbeiführt.
Aus  Patentgummi  entstehen  so  z.  B.  Milchsauger, ­
  Gummischläuche.  Gemischte  Platten
werden  ebenfalls  zunächst  zerschnitten  und  dann
in  Formen  hohem  Druck  ausgesetzt,  wobei  bisweilen, ­
  wenn  die  Gegenstände  hohl  und  prall
bleiben  sollen  (Gummibälle)  etwas  kohlensaures ­
  Ammonium  hineingebracht  wird.  Für
Gummischuhe,  Mäntel  von  Fahrradreifen,  wasserund
  luftdichte  Stoffe  wird  der  Einlagestoff  entweder ­
  durch  Aufwalzen  der  Kautschukmasse
oder  Aufstreichen  einer  Kautschuklösung  mit
dem  gewünschten  Überzüge  versehen.  Gummischuhe ­
  werden  auch  durch  Eintauchen  der  mit
abgepaßten  Futterstoffen  belegten  Formen  in
Kautschuklösungen,  darauffolgendes  Belegen
mit  zurecht  geschnittenen  Kautschukplatten  und
anschließende  Vulkanisation  hergestellt.  Gummischläuche ­
  erhält  man  entweder  durch  schraubenförmiges ­
  Aufwickeln  der  Kautschukstreifen
auf  eine  eiserne  Achse  und  nachfolgendes  Verkleben ­
  der  Ränder  oder  auch  Ausspritzen  der
erweichten  Masse  aus  einem  mit  Kern  versehenen ­
  Mundstück.  Elastische  Gewebe  werden
aus  langen,  mit  Maschinen  zurechtgeschnittenen
vierkantigen  Fäden,  die  mit  Baumwolle  oder
Seide  umsponnen  und  dann  gestreckt  sind,  hergestellt. ­
  Der  so  erhaltene  gereinigte  Kautschuk ­
  findet  wie  auch  der  Rohkautschuk  nur
beschränkte  Verwendung  als  Radiergummi  sowie ­
  zur  Herstellung  von  Heftpflastern  und
Kautschuklösungen  für  Klebezwecke.  Für  die
meisten  Verwendungen  muß  er  erst  der  Vulkanisation ­
  unterworfen  werden.  Dieses  hauptsächlich ­
  von  Goodyear  erfundene  Verfahren
besteht  in  der  Einverleibung  von  Schwefel  bei
höherer  oder  von  Schwefelchlorür  bei  gewöhnlicher ­
  Temperatur  und  verleiht  dem  K.  mehrere
für  seinen  Gebrauch  höchst  günstige  Eigenschaften. ­
  Im  Gegensatz  zum  gewöhnlichen  K.
wird  der  vulkanisierte  weder  bei  niederen  Temperaturen ­
  spröde,  noch  bei  höheren  klebrig.
            
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