Paraffin
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Paraffinöl
und der gewonnene Teer, eine braune butterartige
Masse, oder bei höherer Temperatur ein
klares hellbraunes Öl, in gußeisernen Blasen von
20 dz Fassungsraum, meist unter Minderdruck,
nochmals destilliert. Die zuerst übergehenden
Stoffe sind paraffinarm und bilden das Rohöl,
das auf Photogen und Solaröl verarbeitet
wird; die zuletzt übergehenden, die sog. Paraffinmasse,
enthalten neben schweren Ölen
(Paraffinöl, Schmieröl), die Hauptmasse des
festen P. Zur Entfernung von Harz, Kreosotöl
u. dgl. unterwirft man die Paraffinmasse einer
Raffination mit konz. Schwefelsäure, Natronlauge
und warmem Wasser und überläßt sie
in großen kühl stehenden Bassins mehrere
Wochen der Ruhe. Die in glänzenden gelbweißen
Blättern auskristallisierende Paraffinbutter
wird durch Filterpressen geschickt, wobei
ein großer Teil des Öles (Paraffinöl) abläuft,
während die Schuppen, das Rohparaffin,
Zurückbleiben. Das letztere wird mit io—150/0
Braunkohlenbenzin zusammengeschmolzen, nach
dem Erstarren in hydraulischen Pressen stark
abgepreßt und das Verfahren mehrmals wiederholt,
bis die Masse fast weiß ist. Schließlich
kocht man das P. zur Entfernung des Benzins
mit Wasser aus, entfärbt es völlig durch Erhitzen
mit Knochenkohle oder feinem Ton und
gießt es dann für den Handel in Blöcke. Von
den Nebenprodukten der Paraffingewinnung
haben die flüssigen Bestandteile des Rohöls,
Photogen und Solaröl, die durch eine Raffination
mit Schwefelsäure und Natronlauge sowie
durch fraktionierte Destillation des Rohöls
gewonnen werden, die größte Bedeutung. Das
Photogen, zu dem man alle Fraktionen mit
einem spez. Gew. unter 0,825 rechnet, bildet
eine farblose oder schwach gelbliche Flüssigkeit
von unangenehm rettichartigem Geruch.
Seine niedrig siedenden Anteile vom spez. Gew.
0,77-—0,81, das Braunkohlenbenzin, dienen, wie
erwähnt, zur Reinigung des P., während die
höher siedenden mit spez. Gew. von 0,810—0,825
als eigentliches Photogen, Ligroin oder deutsches
Petroleum zur Beleuchtung oder als Fleckwasser
Verwendung finden. Das gelbliche, ziemlich
dickflüssige Solaröl (spez. Gew. 0,825 bis
0,835) wird als billiger Ersatz des amerikanischen
Petroleums benutzt, dem es an Leuchtkraft
nahe kommt. Das zum Brennen untaugliche
dicke Öl, das vom P. abgepreßt wird,
kommt als Paraffinöl zu Schmierzwecken
oder zur Ölgasbereitung in den Handel. Die
Ausbeute an Teer beträgt etwa 5 0/0 der verarbeiteten
Braunkohlen. In der Zeit vor dem
Kriege wurden in Deutschland jährlich aus
65000 t Teer 7500 t P. und 36000 t Paraffinöl
gewonnen. — Die Darstellung auä dem bituminösen
Schiefer, der besonders in Ungarn und
im Banat vorkommt . sowie aus den hoch
siedenden Anteilen des Rohpetroleums erfolgt
in ähnlicher Weise. Das aus letzterem durch
Auskristallisieren gewonnene P. wird als Belmontin,
ein durch Destillation erhaltenes
Weichparaffin von zarter, salbenartiger Konsistenz
als Vaseline oder Paraffinsalbe bezeichnet.
Das wertvollste Ausgangsmaferial, der
Ozokerit, der 50—80% beste Paraffinmasse
liefert, wird meist ohne Destillation durch Behandlung
mit rauchender Schwefelsäure und I
Entfärbung mit Tierkohle gereinigt und liefert
dann ein schwer schmelzbares P., das Zeresin. I
— P. bildet im gereinigten Zustande eine durch- I
scheinende, geruch- und geschmacklose Masse |
von bläulichweißer Farbe, die beim Kneten in
der Hand erweicht, sich aber nur wenig fettig
anfühlt. In Wasser ist es unlöslich, kochender
Alkohol löst etwa 3 0/0, in Äther, Schwefel- I
kohlenstoff, Benzin und fetten Ölen löst es sich
bei gelindem Erwärmen fast in jedem Verhältnis
auf. Mit Wachs, Walrat, Fetten und Harzen j
kann es leicht zusammengeschmolzen und ge- I
mischt werden. Konzentrierte Schwefel- und
Salpetersäure sowie ätzende Alkalien sind ohne
jede Einwirkung, von Chlorgas wird es nur in
geschmolzenem Zustande unter Bildung einer
zähen harzigen Masse (Chlorparaffin) an- I
gegriffen. Beim Erhitzen mit Schwefel ent- I
wickelt das P. Schwefelwasserstoff und zersetzt
sich dabei vollständig unter Abscheidung von
Kohle. Bei gewöhnlicher Temperatur läßt es I
sich nicht anzünden, erst nach dem Erhitzen I
auf 160—170 0 verbrennt es mit leuchtender I
Flamme. Zwischen 3^0—400 0 geht das P. zum
größten Teil unzersetzt über. Der Schmelz- I
punkt, das spez. Gew. und die Härte, die mit- 1
einander steigen und fallen, unterliegen großen I
Schwankungen. Nach ihrer Höhe unterscheidet I
man in der Regel Weichparaffin (Schmelz- I
punkt 44—48°, spez. Gew. 0,88—0,89) und I
Hartparaffin (Schmelzpunkt 52—56°, spez.
Gew. 0,828—0,915), oder wie bei den Braunkohlendestillaten
Weichparaffin (Schmelzpunkt
38—42°), Mittelparaffin (47—50°) und Hart- I
paraffin (53—55°), doch kommen auch Hart- 1
paraffine mit Schmelzpunkten bis zu 70° vor. I
Über 70—8o° liegende Schmelzpunkte und spez. I
Gewichte von 0,918—0,930 deuten auf Zeresin I
hin. Je höher der Schmelzpunkt, um so wert- |
voller ist das P. Die Hauptmenge dient zur I
Herstellung von Kerzen. Außerdem benutzt 1
man es zum Imprägnieren vieler Stoffe, ent- I
weder um sie wasserdicht oder durchscheinend I
zu machen (wasserdichte Gewebe, Pauspapier), 1
oder um sie vor Witterungs- bzw. chemischen I
Einflüssen zu schützen (Marmorstatuen, Holzfässer,
Korke). In der Zündholzindustrie wer- I
den die Hölzer mit P. getränkt, in Laboratorien
findet es zur Füllung von Paraffinbädern und
zum luftdichten Verschluß von Flaschen und
Apparaten Verwendung. — Das Paraffinum
solidum des D.A. B. ist mit Schwefelsäure gereinigter
Ozokerit und sollte daher Zeresin
heißen.
Paraffinöl nennt man das beim Auspressen
der Paraffinmasse (s. d.) ablaufende schwere Öl,
das je nach dem Ausgangsmaterial verschiedene
Eigenschaften zeigt. P. aus Braunkohlen- J
teer besitzt meist neben dunkler Farbe einen
unangenehmen Geruch und wird gewöhnlich
zur Bereitung von Leuchtgas benutzt, während
das weniger übelriechende P. des Ölschiefers
auch als Schmieröl Verwendung finden kann-Das
P. oder Ozokeritöl des D.A.B. (Paraffinum
liquidum) wird aus den über 300 0
siedenden Bestandteilen des Petroleums (namentlich
von Baku) durch Behandlung mit rauchen- :
der Schwefelsäure, Natronlauge und Tierkohl®