Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Vateriafett

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Verbandstoffe

Vateriafett,  ein  Pflanzenfett  von  der  Butterbohne, ­
  Vateria  indica  L.  aus  Ostindien,  ist
wie  die  meisten  dortigen  Pflanzenfette  in  frischem ­
  Zustande  grünlich  und  weich,  bleicht  an
der  Luft  und  ähnelt  an  Konsistenz  dem  Schöpstalg. ­
  Man  verwendet  es  zur  Herstellung  von
Kerzen  und  Seifen.
Veilchenblüten  (lat.  Flores  violarum.frz.  Fleurs
de  violette,  engl.  Violet  flowers).  Die  entkelchten
  und  vorsichtig  getrockneten  Blüten  des
wohlriechenden  Veilchens  (Viola  odorata)
sind  als  Brusttee  in  Gebrauch,  offizinell  ist  auch
der  aus  frischen  Blüten  bereitete  Veilchensirup ­
  (lat.  Sirupus  violarum,  frz.  Sirop  de  violette, ­
  engl.  Sirop  of  violet),  welcher  durch  Digerieren ­
  mit  heißem  Wasser  und  Kochen  des
Auszuges  mit  Zucker  erhalten  wird.  Er  bildet
einen  schön  blauen  Sirup,  der  gegen  Hustenreiz
kleiner  Kinder  benutzt  wird  und  auch  als  empfindliches ­
  chemisches  Reagens  dient,  weil  die
Farbe  durch  Säuren  in  Rot,  durch  Alkalien  in
Grün  umgewandelt  wird.  —  Als  Parfüm  führt
man  Veilchenblütenessenz  (frz.  Extrait  de
violette,  engl.  Extract  of  violet),  einen  weingeistigen ­
  Auszug  aus  der  Veilchenpomade  oder
dem  Veilchenextrakt  (gewonnen  durch  Ausziehen ­
  der  Veilchen  mit  Petroläther  und  Abdestillieren ­
  des  Lösungsmittels),  und  Veilchenöl, ­
  ein  durch  Mazeration  von  Öl  mit  frischen
Veilchenblüten  hergestelltes  Erzeugnis  (Pomade
de  violette  und  Huile  parfumee  de  violette).
Veilchenwurzel  (Iriswurzel,  lat.  Rhizoraa
iridis  florentinae,  frz.  Racine  d’iris  oü  violette,
engl.  Iris  root)  nennt  man  den  veilchenartig
duftenden  Wurzelstock  zweier  Schwertliliengewächse, ­
  Iris  florentina  und  Iris  pallida,
  die  im  südlichen  Europa  heimisch  sind  und
in  Oberitalien  und  Südfrankreich  vielfach  angebaut ­
  werden.  Auch  aus  Mogador  in  Marokko
kommt  V.  in  den  Handel.  Der  horizontal  in  der
Erde  liegende  ästige  Wurzelstock  ist  knollig
gegliedert,  hin  und  her  gebogen,  der  Hauptkörper ­
  etwa  daumendick,  die  Außenseite  gelblich, ­
  das  Innere  eine  weiße,  harte  und  schwere,
mehlige  Masse.  Frisch  gegraben  hat  die  Wurzel
einen  unangenehmen  Geruch  und  bitteren  Geschmack, ­
  geschält  und  getrocknet  riecht  sie  hingegen ­
  angenehm  und  schmeckt  nicht  mehr
bitter.  Die  Droge  wird  in  beträchtlichen  Mengen, ­
  meist  im  ursprünglichen  Zustande,  bezogen
und  in  Deutschland  dann  mundiert,  d.  h.  geschält ­
  und  geputzt,  sortiert  und  weiter  für  den
Verkauf  vorbereitet.  Die  längsten  schlanken
Stücke  werden  als  Anhängsel  für  zahnende  Kinder ­
  zurechtgeschnitten  oder  -gefeilt,  damit  diese
zur  Erleichterung  des  Zahnens  daran  kauen
(Rhizoma  iridis  tornata  s.  mundata  pro  infantibus). ­
  Andere  Stücke  werden  teils  gröber  oder
feiner  geschnitten  oder  zu  Kügelchen  (Globulis)
zu'm  Einlegen  in  Fontanelle  gedreht,  oder  endlich ­
  aufs  feinste  gepulvert.  Die  geschnittene
Ware  dient  zur  Bereitung  von  Räucherpulvern
und  Räucheressenz,  das  Pulver  als  Zusatz  zu
Zahnpulvern,  feinen  Toiletteseifen,  Pomaden
und  Schnupftabak  sowie  endlich  zum  Bestreuen
von  Pillen.  Die  wichtigsten  Handelssorten  sind
Florentiner,  die  beste,  aus  schönen  großen
und  weißen  Wurzeln  bestehende  Ware;  Veroneser, ­
  kleinere,  weniger  aromatische  Stücke,

und  Mogador,  welche  den  vorigen  ähnelt.  —
Außer  den  Wurzeln  findet  auch  der  alkoholische
Auszug  (Veilchenwurzeltinktur  oder  -essenz)
  als  Riechstoff  ausgedehnte  Verwendung.
Die  Wurzel  enthält  Weichharz,  Gerbstoff  und
viel  Stärkemehl,  ferner  ein  Glykosid  Iridin  und
0,1—0,20/0  ätherisches  Öl  (Veilchenwurzelöl,
lat.  Oleum  iridis,  frz.  Essence  d’iris,  engl.  Oil
of  orrjs),  das  sich  mit  Wasser  abdestülieren  läßt.
Das  Irisöl  bildet  eine  feste,  auf  dem  Wasser
schwimmende  Masse  und  besteht  zu  85  0/0  aus
Myristinsäure.  Der  Träger  des  Geruchs  ist  das
Iron,  ein  Keton  der  Formel  C 13 H 20 O.  Außerdem ­
  sind  in  dem  öl  nachgewiesen  worden:
Myristinsäuremethylester,  Benzaldehyd,  Dezylaldehyd,
  Nonylaldehyd,  Naphthalin  und  Ölsäure.
Veratrin  (lat.  Veratrinum,  frz.  Wratrine,  engl-Veratrine),
  eine  scharfe,  sehr  giftige,  stickstoffhaltige ­
  organische  Base  (Alkaloid),  findet  sich
neben  Sabadillin  in  den  Sabadillsamen,
hingegen  nicht,  wie  man  früher  annahm,  in  der
weißen  Nieswurz,  die  nur  Jervin  enthält-Das
  weiße,  unter  der  Lupe  kristallinisch  erscheinende ­
  Pulver  ist  an  sich  geruchlos,  bewirkt
aber,  in  Form  des  kleinsten  Stäubchens  in  die
Nase  gebracht,  äußerst  heftiges,  lang  anhaltendes ­
  Niesen  und  muß  daher  sehr  vorsichtig  aufbewahrt ­
  und  verarbeitet  werden.  In  kaltem
Wasser  ist  das  V.  fast  unlöslich,  in  heißem  nur
sehr  wenig,  dagegen  Jeicht  in  Alkohol  und  in
Äther  löslich.  Man  verwendet  es  besonders  mit
Fett  verrieben  in  der  Medizin  als  örtliches  Reizmittel. ­

Verbandstoffe.  Die  medizinischen  Verbandmaterialien ­
  zerfallen  in  aseptische  oder  sterilei
antiseptische  und  nicht  aseptische.  Unter  asep'
tischen  oder  sterilen  faßt  man  diejenigen
Stoffe  zusammen,  welche  durch  ein  besonderes
Verfahren,  meist  durch  überhitzten  strömenden
Wasserdampf  unter  Druck,  selbst  keimfrei  ge'
macht  sind,  dabei  aber  keine  keimtötenden  Bestandteile ­
  enthalten.  Unter  antiseptischen  versteht ­
  man  alle  diejenigen,  welche,  mit  keimtötenden ­
  Chemikalien  versetzt,  in  der  Chirurg! 6
und  medizinischen  Praxis  verwandt  werden.  Di 6
hauptsächlich  benutzten  Antiseptika  sind:  Jodoform, ­
  Sublimat,  Salizylsäure,  Karbolsäure,  Borsäure ­
  und  neuerdings  Kollargol,  ein  wasserlösliches ­
  Silberpräparat.  Nicht  aseptisch  sind
alle  übrigen  zur  Verwendung  kommenden  Stoff 6 -
Die  medizinische  Verbandwatte  (Dr.  von
Bruns  Scharpie-Baumwolle)  bildet  blenden 6
weiße,  geruch-  und  geschmacklose,  vollständig
neutrale,  sehr  hygroskopische  Tafeln  oder  Vlies 6
aus  zarten,  ziemlich  parallel  verlaufenden,  bis
3  cm  langen,  knötchenfreien  Baumwollfasern,
die  leicht,  ohne  Geruch  und  unter  Hinterlassung
einer  weißen  Asche  verbrennen  und  auf  Wasser
geworfen,  sich  schnell  vollsaugen  und  dann
untersinken.  Zur  Herstellung  der  medizinischen
Verbandwatte  wird  die  Baumwolle,  wie  sl ®
nach  der  Ernte  aus  Amerika  und  Ägypten  zfj
uns  kommt,  nur  zu  einem  sehr  geringen  Te jl
benutzt,  die  weitaus  größte  Menge  liefern  di 6
Abgänge  aus  den  Spinnereien,  die  Kämmling®
oder  Peigneusen,  Die  Rohbaumwolle  muß  zunächst ­
  entfettet  und  gebleicht  werden  und  ha £
zu  diesem  Zwecke  mehrere  chemische  Behandlungen ­
  durchzumachen.  Dem  Entfetten  durch
            
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