Bankulöl
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Bariumverbindungen
arbeiten, diesen in Stücke von Bambusrohr
füllen und so eine Art von Kerzen gewinnen.
Bankulöl (K ukuiöl, Javaöl, Aleuritesöl,
frz. Huile de bancoul, engl. Kekune-oil, Candle
nuts-oil), das fette Öl der Bankulnüsse (s. d.),
ist, im kalt gepreßten Zustande klar, schwach
gelblich und von angenehmem Geruch und Ge
schmack. Warm gepreßt hat es eine bräunliche
Farbe, dickflüssige Beschaffenheit und widrigen
Geruch und Geschmack und wirkt ähnlich, dem
Rizinusöl abführend. Das kalt gepreßte Öl hat
ein spez. Gew. von 0,923, das warm gepreßte
ein solches von 0,913. Das B. gehört zu den
trocknenden Ölen, weil es bei einer Jodzahl von
184—195 zu 30 0/0 aus dem Glyzeride der Lein
ölsäure besteht, und eignet sich daher zur Be
reitung von Druckerschwärze und Ölfirnis als
Ersatz des Leinöls, ebenso auch zur Seifen
fabrikation. Man bezieht es von Guadeloupe,
Martinique, Tahiti und Rüunion, ein großer Teil
wird auch aus eingeführten Nüssen in Hamburg
und Itzehoe gewonnen. Die Preßrückstände,
Kandlenußkuchen, sind sehr stickstoffreich
und eignen sich daher zu Viehfutter, voraus
gesetzt, daß das Öl, wegen seiner abführenden
Eigenschaften, möglichst entfernt worden ist.
Barbafimaorinde (lat, Cortex barbatimao, frz.
Ecorce de Barbatimao, engl, Barbatimao-bark).
Unter diesem Namen erhält man verschiedene
gerbstoffhaltige Rinden aus Brasilien, die zum
Gerben sowie bisweilen als adstringierendes Heil
mittel angewandt werden. Am häufigsten findet
sich die Rinde von Pithecolobium Avaremo
te mo, flache dunkelviolette Baststücke, die
stellenweise mit ausgeschwitztem Gummi be
deckt sind.
Barellas Magenpulver besteht im wesentlichen
aus Natriumbikarbonat.
Bariumverbindungen. Das Barium, ein dem
Kalzium und Strontium verwandtes metallisches
Element vom Atomgewicht Ba = 137,4 findet
sich nicht im freien Zustande in der Natur,
weil es wie das Kalium Wasser zersetzt und
Sauerstoff aufnimmt, ist aber in Form seiner
Verbindungen, besonders als Karbonat (s. Wi-
therit) und als Sulfat (s. Schwerspat) ziemlich
verbreitet. Es kann nach der zuerst von seinem
Entdecker Davy im Jahre 1808 angewandten
Methode durch Elektrolyse von Bariumsalzen
oder durch Behandlung derselben mit Natrium
hergestellt werden, bildet aber für sich keinen
Handelsartikel. In seinen Verbindungen, welche
mit Ausnahme des Sulfats giftig sind, wird das
Ba daran erkannt, daß es die Flamme des Bun
senbrenners grün färbt und eine Reihe charak
teristischer Spektrallinien erzeugt; in seinen Lö
sungen ruft Schwefelsäure einen in Salzsäure
unlöslichen weißen Niederschlag hervor. Von
den zahlreichen Verbindungen, welche auch als
Barytverbindungen bezeichnet werden, seien
nur folgende technisch wichtigeren angeführt:
Bariumchlorat (Chlorsaurer Baryt, lat. Baryta
chlorica, Baryum chloricum, frz. Chlorate de ba-
ryte, engl. Chlorate of barium), Ba(C10 3 ) 2 -|-H 2 0,
entsteht bei der Einwirkung von Chlor auf heiße
Bariumhydroxydlösung oder; bei der Elektro
lyse eines Gemisches von Bariumchlorid und
-karbonat mit Wasser und wird von dem bei
gemengten Bariumchlorid durch Umkristallisie
ren getrennt. Es bildet farblose, in Wasser leicht
lösliche prismatische Kristalle, welche durch
starke Reibung oder Schlag explodierbar sind,
und findet in der Feuerwerkerei als Grünfeuer
sowie in der Sprengtechnik Anwendung. — Ba
riumchlorid (Chlorbarium, salzsaurer Ba
ryt, Bariumchlorhydrat, lat. Baryum chloratum,
Baryta chlorata s. muriatica s. hydrochlorata,
frz. Hydrochlorate de baryte, engl. Chloride of
barium), kristallisiert mit 2 Molekülen Wasser
(BaCl 2 -j-2H 2 0) in Form farbloser, durchsichti
ger Tafeln und löst sich leicht in Wasser zu
einer unangenehm scharf schmeckenden gifti
gen Flüssigkeit. Es wird dargestellt durch Zu
sammenschmelzen von Schwerspat mit Kohle
und Chlorkalzium oder durch Auflösen von Wi-
therit in Salzsäure und nachfolgendes Umkri
stallisieren. B. dient in der chemischen Analyse
als Reagens auf Schwefelsäure und findet in
der Technik ausgedehnte Anwendung zur Reini
gung von Kesselspeisewasser und zur Herstel
lung von Permanentweiß. Man erkennt es dar
an, daß die Lösung mit Schwefelsäure einen
weißen Niederschlag von Ba-Sulfat und mit Sil
bernitrat eine käsigeFällung von Chlorsilber gibt.
— Bariumchromat (lat. Baryum chromicum,
frz. Chromate de baryte, engl. Chromateof barium)
entsteht beim Fällen von Barytsalzlösungen mit
Kaliumchromat als ein schwerer gelber Nieder
schlag, BaCr0 4 , der eine wertvolle, licht-, luft-
und wasserbeständige Malerfarbe (Barytgelb,
Gelbin, gelber Ultramarin, Jaune de
Steinbuhl) liefert. —■ Bariumhydroxyd (Ba
riumoxydhydrat, Ätzbaryt, Barythydrat,
kaustischer Baryt, lat, Baryta caustica s.hy-
drata, frz. Hydrate de baryte, engl. Barytic hy-
dräte), Ba(OH) 2 , ein weißes, in Wasser lösliches
Pulver, welches aus heißer Lösung mit 8 Mole
külen Wasser kristallisiert, wird entweder durch
Glühen von Schwerspat mit Kohle und Kochen
der in Wasser gelösten Schmelze mit Zink
oder Kupferoxyd oder durch Glühen von Wi-
therit im Wasserdampfstrome gewonnen. Es
wurde früher bei der Entzuckerung der Rüben
melasse benutzt, findet jetzt aber nur noch als
chemisches Reagens Anwendung. Wegen seiner
Neigung, Kohlensäure anzuziehen, muß es vor
Luft geschützt aufbewahrt werden. — Barium
karbonat (Kohlensaurer Baryt, lat. Baryum
carbonicum, frz. Carbonate de baryte, engl. Carbo-
nate of barium), BaC0 3 , bildet in der Natur das
Mineral Witherit (s. d.), welches in Form derber
Stücke oder als ein schweres Pulver von weißer
bis grauer oder gelblicher Farbe in den Handel
kommt. Auf chemischem Wege wird es durch
Glühen von Schwerspat mit Kohle und Behand
lung der aufgelösten Schmelze mit Kohlensäure
dargestellt. B. bildet das Ausgangsmaterial zur
Darstellung von Blanc fixe und anderen Ba-
Verbindungen und wird außerdem als Ratten
gift benutzt. Die Versendung erfolgt in Fässern
von 300 kg. — Bariummanganat (Mangan-
saurer Baryt, lat.Baryum manganicum), BaMn0 4 ,
bildet das in der Tapetenherstellung und als An
strichfarbe benutzte Mangangrün oder Kas
seler Grün (Rosenstiehls Grün, Vertige
de roses) und wird durch Glühen von Barium
hydroxyd und -nitrat mit Braunstein oder durch
Überleiten von Luft über ein erhitztes Gemisch