Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Weinähnliche  Getränke

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Weinsäure

die  meisten  österreichischen  und  ungarischen
Landweine  gehören,  enthalten  meist  weniger
als  0,1  °/o  Zucker.  Zuckerarm  nennt  man  W,
mit  weniger,  zuckerreich  solchen  mit  mehr
als  0,50/0  Zucker.  Süßweine,  deren  Herstellung ­
  unter  „Tokaier"  näher  beschrieben  ist,  besitzen ­
  deutlich  süßen  Geschmack,  Südweine
(s.  Xeres,  Portwein  usvv.)  gleichzeitig  hohen
Alkoholgehalt.  Ausbruch-  oder  Sektweine
werden  aus  geschrumpften,  edelfaulen  Beeren
hergestellt.  (S.  Tokaier.)  Schaumweine  (s.d.)
sind  reich  an  Kohlensäure.  —  Die  deutschen
VV.  umfassen  die  Rheinweine,  völlig  vergorene, ­
  bukettreiche  Weißweine,  als  deren
edelste  Sorten  Johannisberger,  Steinberger,  Rüdesheimer
  u.  a.  gelten.  Unter  den  Frankenweinen ­
  nimmt  der  Würzburger  Steinwein,
unter  den  Pfälzer-  und  Haardtweinen  die
Wormser  Liebfrauenmilch  den  ersten  Rang  ein.
Die  Moselweine,  sehr  beliebte  leichtere  und
säuerliche  Weine,  umfassen  von  bekannteren
Sorten  den  Brauneberger,  Zeltinger  und  Pisporter.
  Geringere  Bedeutung  haben  die  Nahe-,
Ahr-  und  Neckar  weine,  die  Elsässer  und  die
norddeutschen  W.  Zu  den  meist  völlig  vergorenen ­
  österreichischen  W.gehören  die  vorzüglichen ­
  niederösterreichischen  Sorten,  weißer
Klosterneuburger,  Mödlinger  und  roter  Vöslauer, ­
  ferner  mährische,  böhmische  und  tiroler
W.  Ungarn  ist  berühmt  wegen  seiner  süßen
W.  (s.  Tokaier).  Frankreich  liefert  die  vortrefflichen ­
  roten  und  weißen  Bordeauxweine,
rote  und  weiße  Burgunder  und  Muskateller.
Die  spanischen  und  portugiesischen  Dessertweine ­
  :  Xeres,  Malaga,  Portwein,  Madeira
sind  unter  ihrem  eigenen  Namen  besprochen.
Aus  Italien  und  Griechenland  werden  hauptsächlich ­
  süße  W.;  Lacrymae  Christi,  Marsala,
Samos  ausgeführt.  In  neuerer  Zeit  scheinen
auch  W.  aus  dem  Kaplande,  Kalifornien  und
Australien  Bedeutung  zu  erlangen.  Das  Hauptweinland ­
  ist  Frankreich,  das  im  Jahre  durchschnittlich ­
  50  Millionen  Hektoliter,  und  zwar
40  hl  auf  den  Hektar,  erzeugt.  Demgegenüber
stellt  sich  der  Ertrag  in  Deutschland  nur  auf
2—2 1 / 2  Millionen  Hektoliter,  das  sind  13,6  hl  für
den  Hektar.  Von  der  stark  ansteigenden  Weineinfuhr, ­
  die  im  Jahre  1912  auf  i 1 / 2  Millionen
Hektoliter  geschätzt  wurde,  entfiel  früher  die
Hauptmenge  auf  Frankreich,  während  seit  1911
Spanien  an  die  erste  Stelle;  getreten  ist.
Weinähnliche  Getränke  im  Sinne  von  §  10  des
Weingesetzes  vom  7.  April  1909  nennt  man  alle
alkoholischen  Getränke,  die,  ohne  Wein  Vortäuschen ­
  zu  sollen,  einen  Ersatz  für  Wein
bieten  und  aus  Fruchtsäften,  Pflanzensäften  oder
Malzauszügen  hergestellt  worden  sind.  Zu  ihnen
gehören  also  in  erster  Linie  die  Obst-  und
Beerenweine  (s.  d.),  die  Malzweine  (s.Maltonweine) ­
  und  Rhabarberwein,  hingegen
nicht  Reiswein,  alkoholfreie  Getränke  und  alkoholreiche ­
  Ersatzmittel  für  Branntwein.  Aus
Traubensaft  oder  Rosinenauszügen  dürfen  W.
nicht  hergestellt  werden.  Verboten  ist  die  Verwendung ­
  der  in  §  10  aufgeführten  Stoffe,  wie
Alaun,  Konservierungsmittel,  unreiner  Stärkezucker, ­
  Farbstoffe  usw.,  bezüglich  deren  man
das  Gesetz  selbst  einsehen  möge.  Die  Bezeichnung ­
  darf  das  Wort  Wein  nur  dann  enthalten, ­

  wenn  gleichzeitig  der  Ausgangsstoff  angegeben ­
  wird,  z.  B.  Apfelwein,  nicht  aber  Gelbwein. ­

Weinbeeröl  (Kognaköi,  Önanthäther,  lat.
Aether  oenanthicus,  Oleum  vitis  viniferae,  frz.
Ether  oenanthique,  engl.  Oenanthic  ether)  wird
aus  abgepreßter  Weinhefe  (Drusen,  Geläger)
hergestellt,  indem  man  diese  mit  Wasser  zu
einem  Brei  anrührt  und  der  Destillation  im
Wasserdampfstrome  unterwirft.  Das  übergegangene ­
  Öl  wird  nochmals  rektifiziert  und  bildet
nun  eine  farblose  oder  gelbliche,  bisweilen
durch  Kupfergehalt  auch  grüne  Flüssigkeit  von
starkem  und  betäubendem  Weingeruch.  Es  verleiht ­
  Spiritus  in  stärkster  Verdünnung  den  Geruch ­
  und  Geschmack  des  Kognaks,  zu  dessen
Nachmachung  es  Verwendung  findet.  Da  aus
5000  kg  Weinhefe  nur  2—3  kg  W.  erhalten  werden, ­
  ist  es  sehr  teuer  und  wird  bisweilen  durch
sog.  künstliches  W.  ersetzt.  Der  gebräuchlichste ­
  Rohstoff  zur  Darstellung  des  letzteren
ist  das  Kokosfett,  das  nach  dem  Verseifen  beim
Destillieren  mit  Schwefelsäure  und  Alkohol  eine
nach  W.  riechende  Flüssigkeit  liefert.  Außerdem ­
  wird  der  durch  Oxydation  von  Rautenöl
dargestellte  Pelargonsäureäth  y  lester  als
Kognakessenz  benutzt.
Weinhaltige  Getränke  sind  solche  Getränke,
die  Wein  enthalten,  ohne  Unterschied,  ob  diese
Tatsache  in  der  Benennung  hervorgehoben  wird
oder  nicht,  also  z.  B.  aromatisierte  oder  Gewürzweine, ­
  Maitrank,  Wermutwein,
Punschessenzen,  Arzneiweine  usw.  Die  zu
ihrer  Herstellung  benutzten  Weine  müssen  den
Vorschriften  des  Weingesetzes  entsprechen,
auch  dürfen  sie,  wenn  ihre  Bezeichnung  die
Verwendung  von  Wein  andeutet,  die  im  §  10
verbotenen  Stoffe  nicht  enthalten.  Die  übrigen
Anforderungen  sind  in  besonderen  Aufsätzen
besprochen.
Weinsäure  (Weinsteinsäure,Razemsäure,
Tartersäure,  lat.  Acidum  tartaricum,  frz.
Acide  tartrique,  engl.  Tartaric  Acid).  Obgleich
diese  organische  Säure  zu  den  verbreitetsten
Säuren  des  Pflanzenreichs  gehört  und  sich
in  vielen  Früchten  und  Blättern  teils  frei,  teils
an  Kalk  oder  Kali  gebunden  vorfindet,  so  wird
sie  doch  nur  aus  dem  Weinstein  im  großen  abgeschieden, ­
  da  man  sie  aus  diesem  nicht  allein
in  größter  Ausbeute,  sondern  wegen  der  Abwesenheit ­
  anderer  organischer  Säuren  auch  am
leichtesten  rein  erhält.  Zu  ihrer  Gewinnung  erhitzt ­
  man  den  Weinstein  mit  Wasser,  neutralisiert ­
  mit  Kreide,  fügt  Chlorkalzium  hinzu  und
zersetzt  den  abfiltrierten  weinsauren  Kalk  durch
eine  genau  hinreichende  Menge  Schwefelsäure.
Die  Lösung  der  freigewordenen  W.  wird  von
dem  gleichzeitig  entstandenen  Gips  getrennt,
zur  Kristallisation  verdampft  und  durch  mehrmaliges ­
  Umkristallisieren  gereinigt.  Je  nachdem
größeren  oder  geringeren  Grade  der  Reinigung
unterscheidet  man  im  Handel  roheW.  für  technischen ­
  Gebrauch  und  reine  W.  (lat.  Acidum
tartaricum  purum)  für  inneren  Gebrauch,  namentlich, ­
  für  medizinische  Zwecke.  Letztere  Sorte
muß  frei  von  der  der  Rohware  häufig  noch  anhängenden ­
  Schwefelsäure  und  von  Blei  sein,
das  von  den  Eindampf-  und  Kristallisationspfannen ­
  stammt.  Reine  W„  C 3 H2(OH) 2 (COOH)2.
            
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