Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Baumwolle

45  Baumwollensamenkuchen

fanden  Baumwollzeuge  in  Mexiko  und  Peru  im
i  Gebrauch,  die  Portugiesen  trafen  sie  bei  den
Kaffem  Südafrikas.  Nach  Europa  kamen  die
ersten  Baumwollsioffe  als  Luxusgegenstände  aus
Indien,  bis  später  die  Nordamer.kaner  den  Anbau ­
  im  größten  Maßstabe  übernahmen  und  längere ­
  Zeit  den  Markt  vollständig  beherrschten,
j  Erst  infolge  der  durch  den  amerikanischen  Bürj
  gerkrieg  verursachten  Störungen  wurden  Ost-|
  indien,  Ägypten  und  Brasilien  konkurrenzfähig,
i  aber  auch  jetzt  noch  entfallen  von  der  etwa
75  Millionen  dz  betragenden  Weltproduktion
700/0  auf  die  Vereinigten  Staaten,  hingegen  nur
i8o/ 0  auf  Ostindien,  je  3—40/0  auf  China  und
Ägypten  und  je  2  o/ 0  auf  Mittelasien  und  Südamerika. ­
  Die  geringen  in  Italien,  Spanien  und
Griechenland  gewonnenen  Mengen  sind  für  den
Weltverbrauch  ohne  Bedeutung,  während  die  in
den  deutschen  Kolonien  (Togo,  Ostafrika)  gemachten ­
  Anbauversuche  zu  den  schönsten  Hoffnungen ­
  berechtigten.  Nach  dem  Kriege  werden
sie  voraussichtlich  durch  Pflanzungen  in  der
Türkei  erweitert  werden.  —•  Die  zahlreichen
Arten  der  Baumwollenpflanze  werden  meist  in
kraut-,  Strauch-  und  baumartige  unterschieden, ­
  von  denen  erstere  die  wichtigsten  sind.  Die
krautartige  B.,  G.  herbaceum,  eine  meist
einjährige,  unter  günstigen  Umständen  auch
mehrjährige  Pflanze  von  0,5—1,5  m  Höhe  hat
3—5  lappige  Blätter  und  eine  malvenartige  blaßgelbe ­
  Blüte.  Die  dreieckige,  zugespitzte  Samenkapsel ­
  von  Nußgröße,  die  in  3—5  Fächer  gefeilt ­
  ist,  wird  bei  der  Reife  braun  und  lederartig,
springt  dann  auf  und  läßt  die  Wolle  herausquellen.
  Diese  Art  wird  in  Ostindien,  Kleina
 sien,  Europa  und  Nordamerika  angebaut  und
bisweilen  als  G.  indicum  besonders  aufgeführt.
Zu  den  strauchartigen  Baumwollgewächsen
gehören;  G.  barbadense,  der  langhaarige
Baumwollstrauch  von  Mannshöhe,  der,  in
Westindien  heimisch  und  von  dort  nach  Bourbon ­
  und  Mauritius  verpflanzt,  die  langfaserige
n ,ordamerikanische  B.  liefert;  G.  hirsutum  (zotige ­
  B.),  ein  zweijähriger  oder  ausdauernder
Strauch  mit  apfelgroßen  Kapseln  und  guter,
Se hr  feiner  Faser,  der  in  Franz.-Westindien,  Guyana ­
  und  Nordamerika  angebaut  wird;  G.  vitifoli
  um  in  Westindien,  Brasilien,  Ägypten;  G.
re ligiosum  mit  rötllchgelber  Wolle,  die  zu  dem
ächten  chinesischen  Nanking  verarbeitet  wird.
Der  4—7  m  hohe  Baumwollbaum,  G,  arbo-J.eum,
  findet  sich  in  Ostindien,  Arabien  und
^gypten  und  wird  auch  in  Spanien  und  am
Senegal  angebaut,  ebendort  die  getüpfelte  B.,
Punctatum.  Die  als  G.  barbadense  bezeichnte ­
  Art,  welche  in  Amerika  die  vorzüglichste
,  •  (Sea  Island)  liefert,  gedeiht  in  höchster  Voll-°mmenheit
  nur  auf  dem  schmalen  Küstenstriche
wischen  Georgien  und  Südkarolina.  Die  andere
georgische  B.  mit  kürzerer  Faser  heißt  Upland
oder  Georgia.  —  Die  B.  gedeiht  bereits  auf  getngerem,
  wenn  nur  etwas  sandigem  Boden,
faucht  aber  in  der  Wachstumsperiode  Regen,
eil  sonst  die  Faser  zu  kurz  ausfällt,  und  zur
Y^ lt  des  Aufspringens  der  Kapseln  trockenes
k^ctter,  weil  die  naß  gewordene  Faser  sich
e  au nt  und  verdickt.  Die  aus  gelegten  Samen
Wachsenden  Pflanzen  werden  durch  frühzeiti-°
 es  wiederholtes  Verstutzen  auf  1,5  m  Höhe  erhalten ­

  und  nach  jeder  Ernte  kurz  über  dem
Boden  abgeschnitten.  Mit  den  neuen  Trieben
verfährt  man  in  gleicher  Weise,  doch  wird  nach
zwei  oder  drei  Jahren  eine  neue  Pflanzung  angelegt, ­
  da  der  Ertrag  sich  mit  jeder  Wiederholung ­
  verringert.  Sobald  die  Kapseln  sich  öffnen, ­
  wird  die  B.,  um  ein  Verderben  zu  verhindern, ­
  sofort  gezupft,  früher  mit  der  Hand,
jetzt  mit  Maschinen,  nach  mehrtägigem  Liegen
an  der  Sonne  mit  Hilfe  besonderer  Egreniermaschinen ­
  von  dem  Samen  getrennt  und
schließlich  zu  Ballen  gepreßt.  Die  reife  Faser
bildet  ein  einzelliges,  flaches,  schlauchartiges
Band,  (las  unter  dem  Mikroskop  charakteristische, ­
  korkzieherartige  Windungen  zeigt  und  an
einem  Ende  zugespitzt,  am  anderen  Ende  abgerissen ­
  erscheint.  Unreif  geerntete  Fasern,  die
nicht  hohl  und  nicht  schraubenartig  gedreht
sind  und  keine  Färbung  annehmen  (tote  B.),
verschlechtern  die  Ware.  Im  übrigen  kommen
für  die  Bewertung  besonders  Länge,  Feinheit,
Festigkeit,  Weichheit,  Farbe  und  Glanz  in  Betracht. ­
  Am  geschätztesten  ist  Seidenglanz  und
Farblosigkeit,  danach  kommen  die  bläulichen
und  rötlichen,  zuletzt  die  gelblichen  und  bräunlichen ­
  Sorten.  Wichtig  ist  auch  die  Abwesenheit ­
  von  Knötchen  und  Verunreinigungen.
Nach  der  Länge  der  büschelartig  zu  Stapeln
zusammenliegenden  Fasern  unterscheidet  man
langstapelige  und  kurzstapelige  B.  Die  am
höchsten  geschätzte  langstapelige  B.  mit  30  bis
36  mm  Länge,  aus  der  die  feinsten  Garnnummern ­
  hergestellt  werden,  kommt  fast  nur
aus  Amerika.  —  Die  Handelssorten  werden  nach
der  Herkunft  und  außerdem  nach  Klassen,  in
England  z.  B.  fine,  good,  good  fair,  tniddling
fair,  good  middling,  middling,  low  middling,
good  ordinary;  ordinary,  inferior;  in  Hamburg
als  A,  AB,  B,  BC,  C,  CD,  D,  DE,  E,  EF  bezeichnet. ­
  Als  hauptsächlichste  Sorten  von  den
feinsten  bis  zu  den  geringsten  s  nd  anzuführen:
länge  Georgia  (Sea  Island),  ägyptische  Mako
und  Bourbon,  Pernambuko,  Louis  ana,  Kayenne,
Neuorleans,  kurze  Georgia  (Upland),  Surate,
Bengal  und  Alexandriner.  Die  deutsche  Einfuhr, ­
  meist  über  Bremen  und  Plamburg,  hat  sich
von  1,5  Mill.  dz  im  Jahre  1880  auf  5  Mill.  dz
im  Jahre  1912  gehoben,  davon  rund  4  Mill.  aus
Amerika,  0,3  Mill.  aus  Ägypten  und  0,7  MdI.  aus
Indien.  Abgesehen  von  der  Textilindustrie  dient
B.  zur  Herstellung  von  Verbandwatte,  Kollodium ­
  und  Sprengstoffen  (hierfür  jetzt  durch
Holzzellulose  ersetzt).  Die  Früchte  liefern
Baumwollsamenöl  und  Ölkuchen  (s.d.),  die  Wurzelrinde ­
  (lat.  Cortex  gossypii  Radicis,  frz.
Ecorce  de  Racine  de  Coton,  engl.  Cotton  root
bark),  weißliche,  außen  gelbrote  bandförmige
Stücke,  ein  Fluidextrakt,  das  gegen  Erkrankungen ­
  des  Uterus,  in  Amerika  auch  als  Abortivmittel ­
  Anwendung  findet.
Baumwollensamenkuchen  (lat.  Placenta  Seminis
  Gossypii,  frz.  Tourteaux  de  coton,  engl.  Cotton-Cake), ­
  die  bei  der  Darstellung  des  Baumwollensamenöls ­
  zurückbleibenden  Preßrückstände.
unterscheidet  man  in  solche  von  ungeschälten
und  von  geschälten  Samen  und  benutzt  die
letzteren  als  wertvolles,  an  Eiweiß  und  Phosphaten
reiches  Viehfutter,  während  die  ersteren  wegen
der  anhaftenden  Haare  hierzu  nicht  geeignet  sind
            
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