Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Zucker

504

Zuckerrüben

kohol  ausgewaschen  und  mit  Kohlensäure  zersetzt. ­
  In  ähnlicher  Weise  arbeitet  man  auch  mit
Strontian  und  Baryt.  —  Nächst  dem  Rohrund ­
  Rübenzucker  hat  der  mit  ihnen  chemisch
völlig  identische  Palmzucker  aus  dem  Safte
von  Arenga  saccharifera,  Cocos  nucifera,
Sagus  rumphii,  Borassus  flabelliformis
und  Phoenix  dactylifera  eine  gewisse  Bedeutung. ­
  Zu  seiner  Gewinnung  bohrt  man  während
oder  nach  der  Blütezeit  die  Stämme  an  und
dampft  den  Saft  mit  etwas  Kalk  bis  zur  Kristallisation ­
  ein.  Die  Palmen  gewähren,  wenn  die
Saftgewinnung  nicht  übertrieben  wird,  viele  Jahre
lang  eine  gute  Ausbeute,  einzelne  Kokospalmen
mehr  als  250  kg  Saft  oder  Gallon  mit  50  kg  Z.
Der  hauptsächlich  in  Ostindien,  auf  Zeylon  und
Java  hergestellte  Palmenzucker  wird  als  Jaggery
  (Jagara-,  Jagre-Z.)  bezeichnet.  Außerdem ­
  werden  noch  Zuckerahorn,  Mais  und  Sorgho»
namentlich  in  Nordamerika,  zur  fabrikmäßigen
Gewinnung  des  Zuckers  herangezogen.  —  Der
Z.  bildet  farblose,  monokline,  meist  hemiedrisch
ausgebildete  Kristalle,  schmeckt  stark  süß  und
löst  sich  leicht  in  Wasser.  Die  Lösungen  drehen
das  polarisierte  Licht  stark  rechts,  und  zwar  beträgt ­
  die  spez.  Drehung  66,39.  Bei  vorsichtigem
Erhitzen  schmilzt  Z.  gegen  160 0  und  erstarrt  darauf ­
  zu  einem  amorphen  Glase  (Gerstenzucker),
das  aber  nach  einiger  Zeit  von  selbst  wieder  kristallinisch ­
  und  undurchsichtig  wird.  ,  Bei  stärkerem ­
  Erhitzen  bräunt  sich  die  Masse  und  geht
unter  Entweichen  von  Kohlensäure  und  anderen
Gasen  in  Karamel  (Zuckercouleur,  gebrannter ­
  Z.)  über.  Durch  konzentrierte  Schwefelsäure
und  durch  Salzsäuregas  wird  Z.  geschwärzt.  Bei
Behandlung  mit  verdünnten  Säuren  nimmt  er  ein
Molekül  Wasser  auf  und  zerfällt  in  ein  Gemenge
gleicher  Moleküle  Traubenzucker  und  Fruchtzucker, ­
  das  nun  nicht  mehr  nach  rechts,  sondern
umgekehrt  nach  links  dreht  und  deshalb  Invert-Z.
  genannt  wird.  Rohrzucker  ist  nicht  direkt  vergärbar, ­
  wird  aber  durch  das  in  der  Plefe  enthaltene ­
  Ferment  Invertin  in  seine  beiden  Bestandteile ­
  gespalten  und  dann  völlig  vergoren.
Zur  quantitativen  Bestimmung  des  Z.  bedient ­
  man  sich  hauptsächlich  der  Polarisation,
und  zwar  des  Saccharimeters  oder  Halbschattenapparates. ­
  Bei  Beobachtung  einer
Lösung  von  26,048  g  Substanz  (Normalgewicht)
in  Wasser  zu  100  ccm  entspricht  jeder  Grad  des
Maßstabes  einem  Prozent  Z.  Außer  dem  durch
Polarisation  ermittelten  Zuckergehalte  wird  für
die  Bewertung  des  Rohrzuckers  seitens  der  Raffinerien ­
  noch  das  sog.  Rendement  berücksichtigt, ­
  indem  man  den  fünffachen  Betrag  des
Aschengehaltes  in  Abzug  bringt.  Auch  kann  für
Invertzucker  der  fünffache  Betrag  abgerechnet
werden.  Der  Grund  hierfür  ist  die  Verringerung
der  Ausbeute  durch  Asche  sowohl  als  durch
Invertzucker.  —  Der  Zucker,  als  das  allgemeine
Versüßungs-  und  Konservierungsmittel,  wird  in
ungeheuren  Mengen  hergestellt  und  verbraucht.
Im  Jahre  1914  betrug  die  Welterzeugung  rund
18,5  Millionen  Tonnen,  nämlich  10  Millionen
Tonnen  Rohrzucker  und  8,5  Millionen  Tonnen
Rübenzucker,  und  von  letzterem  entfielen  allein
auf  Deutschland  2,2  Millionen  Tonnen,  Die  hierfür ­
  erforderlichen  13  Millionen  Tonnen  Zuckerrüben ­
  wurden  auf  543  000  ha  geerntet  und  in
448  Fabriken  verarbeitet.  Der  Zuckerverbrauch

betrug  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  19,6  kg
gegen  33  kg  in  England.
Zuckercouleur  (Karamel,  lat.  Tinctura  sacchari
  tosti,  Saccharum  tostum,  frz.  und  engl.
Couleur)  nennt  man  einen  zum  Braunfärben  von
Nahrungs-  und  Genußmitteln  bestimmten  Sirup,
der  im  wesentlichen  aus  den  bei  höherer  Temperatur ­
  gebildeten  Zersetzungsprodukten  von  Zuckerarten ­
  besteht.  Zu  ihrer  Darstellung  schmilzt  man
Rohrzucker,  Traubenzucker  oder  Stärkesirup,  letzteren ­
  meist  unter  Zusatz  von  4  °/o  Soda  oder  Ammoniumkarbonat, ­
  in  eisernen  Kesseln  bei  etwa
200 0 ,  wobei  der  Zucker  sich  in  eine  glasige
dunkelbraune  Masse  verwandelt,  die  nach  dem
Erkalten  in  dem  halben  Gewicht  Wasser  gelöst
wird.  Z.  löst  sich  in  Wasser  mit  dunkelbraunen,
bei  stärkerer  Verdünnung  in  den  verschiedensten
Farbtönen  bis  zum  Goldgelb  und  gibt  in  ihren
besseren  Sorten  (aus  Rübenzucker)  auch  mit  Alkohol ­
  verschiedener  Grade  klare  Lösungen.  Die
beste  Sorte,  Rum-  oder  Spirituscouleur,  löst
sich  noch  klar  in  90—95  0/0  igem  Alkohol  und  darf
jedenfalls  mit  80%  igem  Alkohol  keine  Trübung
geben.  Bier-  oder  Essigcouleur  bleibt  mit
7S°/oigem  Alkohol  klar.  Z.  wird  entweder  als
Sirup  in  Fässern  von  6—8  Zentner  Inhalt,  oder
neuerdings  auch  in  Form  Tester  Tafeln  in  den
Handel  gebracht  und  dient  zum  Färben  von
Wein.  Bier,  Branntwein,  Kaffee-Ersatz  und  zahlreichen ­
  anderen  Genußmitteln.
Zuckerrüben  (Zu'ckerrunkel,  frz.  Betterave
sacchariföre,  Betterave  blanche  ä  Sucre,  Blanche  de
silüsie,engl.Sugarbeet-rave)isteinedurchVerede-  4
lung  gewonnene  Abart  (Beta  vulgaris  rapacea
  saccharifera)  der  Runkelrübe  (Dickwurz, ­
  Mangold,  Beißkohl,  römischer  Spi.
nat,  Eurgunderrübe,  Rungkraut),  die  als
Gemüse-  und  Futter-,  Garten-  und  Feldpflanze,
in  der  Hauptform  Mangold,  B.  vulgaris  var.
Cicla,  mit  den  Abarten  Schnittkohl  und  rote
Rübe,  und  B.  vulgaris  var.  rapacea,  Futterund
  Zuckerrunkel,  angebaut  wird.  Die  Vervollkommnung ­
  der  Rübe  zu  den  Zwecken  der
Zuckergewinnung  gelang  erst  in  Quedlinburg
vom  Jahre  1824  an,  und  seitdem  kennt  man  die
Z.  als  besondere  Art  in  mehreren  Spielarten.
Von  letzteren  sind  folgende  als  die  besten  anzuführen: ­
  die  bimförmige,  schlesische  weiße
Z.  mit  festem  Fleisch  und  grünem  Kopf,  die  am
besten  auf  trockenem,  leichtem  Boden  fortkommt. ­
  die  für  schweren  Boden  geeignete  Quedlinburger
  Z.  mit  spindelförmiger  Gestalt  und
rosafarbigem  Kopf,  die  kleinere,  weiße,  weiß-  und
festfleischige  Imperial-  oder  Knauersche  Z.
mit  stumpfen  Kopf  und  schlank  bimförmiger
Gestalt,  die  sibirische  Z.,  die  mährische  oder
Castelnaudory,  die  französische  oder  belgische ­
  (Vilmorins  Z.),  die  tellerförmige
Wiener,  die  Czabayer  Imperial,  die  Wanzlebener,
  die  Schlanstädter,  die  Bestahornsche
  und  die  olivenförmige  Erfurter  (Büchnersche).
  —  Gute  Z.  müssen  einen  möglichst
großen  Gehalt  an  Zucker,  der  bis  zu  18  und  2o°l°
ansteigen  kann,  haben,  hingegen  möglichst  wenig
Nichtzucker,  d.  h.  Eiweißstoffe,  Salze  und  andere
die  Verarbeitung  störende  Stoffe  enthalten.  Weh
tere  Anforderungen  an  gute  Zuckerrüben  sind,
daß  sie  hauptsächlich  im  Boden  wachsen,  weh
der  an  dem  Lichte  grün  werdende  Kopf  nicht
auf  Zucker  verarbeitet  werden  kann.  Auch  so!R n
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.