Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Vorwort.

IV
wurde,  so  erklärt  sich  das  einerseits  aus  der  schier  unübersehbaren  Fülle  der
Kriegserfindungen,  vor  allem  aber  aus  der  Überzeugung,  daß  die  übergroße ­
  Mehrzahl  derselben  sehr  bald  der  verdienten  Vergessenheit  anheimfallen
und  den  altbewährten  Waren  wieder  Platz  machen  werden.  Alle  wichtigen
Neuerungen  von  voraussichtlich  bleibendem  Werte,  in  erster  Linie,  um  nur
einige  herauszugreifen,  die  künstliche  Darstellung  von  Stickstoffverbindungen
aus  der  Luft,  von  Schwefelsäure  aus  Gips,  von  Gespinsten,  Geweben  und
Sprengstoffen  aus  Holzzellulose,  die  inländische  Gewinnung  von  Harzen  usw
haben  aber  ebenso  wie  die  brauchbaren  Ersatznahrungsmittel  gebührende  Berücksichtigung ­
  gefunden.
Mit,  Unterstützung  des  alten  Stammes  unserer  in  Wissenschaft  und  Praxis
bewährten  Mitarbeiter,  denen  sich  zu  unserer  großen  Freude  die  Firma
Schimmel  &  Co.  in  Miltitz  bei  Leipzig  anschloß,  sind  nicht  nur  alle  Aufsätze
dem  derzeitigen  Stande  der  Wissenschaft  und  Technik  entsprechend  ergänzt,
sondern  zum  Teil,  wie  besonders  die  Teerfarben  und  einige  Riechstoffe,  völlig
neu  bearbeitet  worden.
Eine  grundsätzliche  Änderung  könnte  darin  erblickt  werden,  daß  bei  den
meisten  chemischen  Verbindungen  die  chemische  Formel,  in  der  Regel  die
Strukturformel,  angeführt  worden  ist.  Wir  haben  damit  aber  nur  einem  von
zahlreichen  Lesern  aus  Chemikerkreisen  geäußerten  Wunsche  entsprochen  und
hoffen,  daß  die  übrigen  Besitzer  des  Buches  an  dieser  Bereicherung  keinen
Anstoß  nehmen  werden.  Abgesehen  hiervon  sind  noch  manche  Vorschläge  zur
Aufnahme  weiterer  Warengattungen  berücksichtigt  worden,  ohne  daß  dadurch
eine  übermäßige  Ausdehnung  des  Umfanges  herbeigeführt  worden  wäre.
Die  sehr  geschätzten  und  wertvollen  Angaben  über  die  Zollverhältnisse
konnten  leider  wegen  der  Unsicherheit  unserer  wirtschaftlichen  Zukunft  in  den
Text  nicht  mit  aufgenommen  werden;  sie  sollen  aber  sobald  als  tunlich  als
besonderer  Anhang  erscheinen.
Alles  in  allem  hoffen  die  Verfasser,  den  Wünschen  ihrer  seitherigen  Leser
aus  den  Kreisen  der  Apotheker,  Chemiker,  Drogisten  und  derjenigen
Gewerbetreibenden,  die  sich  mit  der  Verarbeitung  und  dem  Vertrieb  von
Waren  beruflich  beschäftigen,  nach  Möglichkeit  entsprochen  zu  haben.  Sie
hegen  aber  den  weiteren  Wunsch,  zu  den  alten  Freunden  neue  hinzuzuwerben!
Vor  allem  würden  sie  sich  herzlich  freuen,  wenn  das  Buch  noch  mehr  als  bisher ­
  bei  Richtern,  Rechtsanwälten  und  Verwaltungsbeamten,  die  für
ihre  Entscheidungen  sehr  oft  warenkundlicher  Kenntnisse  bedürfen  sowie  in
die  Haushaltungen  Eingang  fände.  Wohl  keine  Wissenschaft  dürfte  während
des  Krieges  so  sehr  die  Aufmerksamkeit  der  gesamten  Bevölkerung,  in  erster
Linie  der  Hausfrauen,  erregt  haben,  wie  die  Warenkunde;  und  sicher  wird  jeder
einzelne  Deutsche,  ob  Verarbeiter,  Verkäufer  oder  Verbraucher  gut  tun,  bei
den  bevorstehenden  schweren  Zeiten  den  Fragen  der  Rohstoff-  und  Nahrungsmittelbeschaffung ­
  die  sorgsamste  Beachtung  zu  schenken.
Dresden,  im  März  1919.

Prof.  Dr.  A.  Beythien.

Ernst  Dreßler.
            
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