Full text : Die Eisenindustrie in Südrußland

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charakterisiert  durch  die  Verminderung  der  Nachfrage  nach  Eisenartikeln. ­
  Folge  davon  waren  die  Bestrebungen  der  Werke,  zur
Produktion  des  Marktsortiments  überzugehen,  was  auf  dem  schon
überfüllten  Markte  ein  großes  Überangebot  und  dementsprechend
ein  rapides  Sinken  der  Marktpreise  verursachte.
Die  Schärfe  der  Krisis  ist  ersichtlich  aus  der  Zahl  der  Werke,
die  damals  liquidierten.  Nach  der  amtlichen  Statistik  mußten  seit
der  Periode  1901—1904  von  den  77  in  Rußland  existierenden  Eisen-Aktiengesellschaften
  18  Gesellschaften  mit  einem  Aktienkapital  von
55000000  Rbl.  liquidieren 1 .  Den  Hauptverlust  erlitt  Südrußland,
da  hier,  von  anderen  Ursachen  abgesehen,  mehr  als  in  den  übrigen
Gebieten  die  Spekulation  herrschte  und  eine  Reihe  von  Scheinaktiengesellschaften ­
  vorhanden  war.  Besonders  schwer  wurden  von
der  Krisis  die  belgischen  Aktiengesellschaften  betroffen.  Nach
Lauwicks  Berechnung  sind  die  Verluste  der  belgischen  Aktiengesellschaften ­
  auf  viele  Dutzend  von  Millionen  veranschlagt.  Von  den
30  belgischen  Aktiengesellschaften  liquidierten  acht,  fünf  befanden
sich  unter  Administration 1  2 ,  drei  Unternehmungen  wurden  stillgesetzt,
viele  Werke  führten  endlich  eine  Scheinexistenz.  Die  Zahlen  erhöhen ­
  sich  noch,  bei  Berücksichtigung  anderer,  nicht  nur  belgischer
Unternehmungen.
3.  Die  Wirkung  der  Krisis  auf  einzelne  Gattungen  von
Eisenwerken.
Zunächst  kommen  die  Hüttenwerke  in  Betracht.  Die  Werke
welche  man  als  Hüttenwerke  bezeichnen  kann,  sind  folgende:
Gdanzewsk-Werk  (K.-R.-A.-G.),  Olchowaja,  Kramatorowskaja,  Almasnaja, ­
  Belaja.  Außerdem  sind  auch  große  Lieferanten  von  Roheisen
die  Donez-Jurjewka-  und  Hughes-Werke.
Die  Hüttenwerke  mußten  damals  ihre  Tätigkeit  am  meisten
einschränken,  so  daß  bei  sechs  der  genannten  Werke  nur  vier  Hochöfen ­
  im  Betriebe  waren,  während  neun  Stillständen.  Auch  die  zwei
kombinierten  Unternehmungen,  das  Hughes-Werk  und  die  Donez-Jurjewka,
  mußten  ihre  Tätigkeit  auf  diesem  Gebiete  um  mehr  als
das  Doppelte  vermindern.  Diesen  ungünstigen  Verhältnissen  fielen
drei  Hüttenwerke  zum  Opfer:  Kertsch,  Belaja  und  Almasnaja.  Drei
andere  erlitten,  obwohl  sie  die  Krisis  überstanden,  während  dieser
Zeit  große  Verluste.  Die  unmittelbare  Ursache  der  schwierigen
Konjunktur  für  die  Hüttenwerke  war  die  Abnahme  der  Roheisenpreise. ­
  Die  Hütten  hatte  eine  scharfe  Konkurrenz  seitens  der
1  Kaffenhaus,  a.  a.  O.,  S.  70.
2  Unter  Administration  versteht  man  nach  russischem  Gesetze  die  Übernahme ­
  und  Weiterführung  einer  Unternehmung  durch  die  Hauptkreditoren,  bis
die  Schulden  bezahlt  sind.
            
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