Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

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Regierung  in  Händen  hatte,  war  in  einer  besonders  schwierigen
Lage.  Hatte  man  doch  nicht  nur  den  Kaiser  zum  Gegner.
Auch  von  den  eigenen  Bürgern  hielten  gerade  die  reichen  und
vornehmen  zur  feindlichen  Partei  und  unterstützten  diese  mit
ihren  Kapitalien.  Gegen  Paumgartner,  einen  der  Führer  dieser
Opposition,  richtete  sich  der  Hass  der  Bürger  am  meisten.
Denn  er  streckte  wie  Anton  Fugger  dem  Kaiser  die  Mittel  zur
Kriegführung  vor  und  begab  sich  bei  Ausbruch  des  Krieges
sofort  ins  Lager  des  Kaisers.  Auch  die  anderen  Kaufleute,
soweit  sie  katholisch  waren,  verliessen  die  Stadt 1 ).  Gross  war
die  Empörung  über  diese  Verräter.  Während  sich  aber  die
andern  wenigstens  durch  eine  Geldzahlung  an  die  Stadt  die
Erlaubnis  zum  Fernbleiben  erkauften,  Hess  sich  Paumgartner
dazu  nicht  herbei 2 ).  Er  trotzte  im  Vertrauen  auf  den  Kaiser,
der  ihm  und  den  Manlich  am  6.  Juli  einen  Schutzbrief  ausstellte, ­
  der  am  n.  und  13.  Juli  noch  erweitert  wurde 3 ).  Weil
Paumgartner  sich  den  Ungehorsamen  nicht  angeschlossen  habe,
so  solle  er  auch  „derselben  Empörung  genntzlich  nichts  zu
entgelten  haben“.  Da  er  und  seine  Söhne  aber  der  Stadt  Augsburg ­
  mit  Aidpflichten  und  Bürgerrecht  verbunden  seien  und
die  Stadt  sich  ganz  freventlich  in  Kiiegsrüstungen  eingelassen,
so  sagt  der  Kaiser  die  Paumgartner  kraft  seiner  kaiserlichen
Rechte  von  den  genannten  Pflichten  und  Eiden  los  und  verbietet ­
  bei  einer  Strafe  von  50  M  lötigen  Goldes,  dass  Paumgartners
  Güter  angegriffen  würden.  Die  Augsburger  waren
aber  nicht  gewillt,  die  Verletzung  der  Rechte  der  Stadt  zu
dulden.  Mehrmals  erging  an  Paumgartner  die  Aufforderung,
er  solle  in  die  Stadt  zurückkehren  und  sich  verantworten.  Dieser
entschuldigte  sich  (am  6.  und  9.  August)  mit  dringenden  Geschäften ­
  und  wies,  auf  eine  neue  Mahnung  des  Rats  hin,  in
gereizten  Worten  alle  weiteren  Zumutungen  an  ihn  zurück  und
bat,  man  solle  ihn  fernerhin  unbehelligt  lassen 4 ).  Nun  ging  die
Stadt  zu  Taten  über.  Sie  liess  Paumgartners  Güter  zu  Konzen-1
 )  Ueber  das  Verhalten  der  Kaufleute  und  kaiserlich  Gesinnten  in
der  Stadt  siehe  Roth  III  S.  360—362.
2 )  RothS.  362.  Ausser  den  von  Roth  benützten  Akten  im  Augsburger ­
  Stadtarchiv  (bes.  die  Litteraliensammlung)  hat  sich  weiteres
Material  nicht  auffinden  lassen.
3 )  Familienkodex  fol.  58  a—60  b.
4 )  Augsburger,  Stadtarchiv:  Litteraliensammlung6.  u.  9.  Aug.  1546.
Die  Schreiben  Paumgartners  sind  von  München  datiert.
            
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