Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

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Gefahren,  die  in  jenen  unruhigen  Zeiten  des  Raubrittertums
den  Handel  umgaben,  hatte  auch  unsere  Firma  manches  zu
spüren.  So  wurde  gleich  im  Jahre  des  Eintritts  Paumgartners
{1402)  ein  der  Gesellschaft  gehöriger  Warenzug  in  Böhmen
aufgehalten 1 ).  Trotz  solcher  nicht  seltenen  Ueberfälle  warfen
die  Unternehmungen  einen  recht  ansehnlichen  Gewinn  ab,
wie  aus  den  Abrechnungen,  die  Fritz  Kress  machte,  hervorgeht.
So  heisst  es  im  Jahre  1403:  „wir  hetten  gewunnen  13)4  fl  am
hundert".
Nach  dem  Tode  des  Fritz  im  Jahre  1406  übernahm  dessen
Sohn  Konrad  Kress  die  Leitung.  Paumgartners  Einfluss  muss
aber  daneben  sehr  bedeutend  gewesen  sein,  da  die  Gesellschaft
von  jetzt  an  den  Namen  „Conradten  Kressen  und  Cunraden
Paumgarttners  gesellschaft“  führte.  Andere  Teilhaber  waren
zeitweise  Paulus  Vorchtel  und  Hans  Waldstromer,  die  mit  der
Familie  Kress  verwandt  waren.  Von  Paumgartners  Seite  trat
1424  Endres  Tücher,  seit  1420  Konrad  Paumgartners  Schwiegersohn, ­
  mit  einem  Kapital  von  2000  fl  bei 2 ).  Einen  interessanten
Aufschluss  über  die  Handelsartikel  der  Gesellschaft  erhalten
wir  im  Jahre  1426.  Damals  wurden  in  der  Nähe  von  Landsberg
einer  Reihe  von  Nürnbergern  Warenzüge  aufgehalten 3 ).  Es  befanden ­
  sich  dabei  auch  solche  der  Kress-Baumgartner-Gesellschaft, ­
  nämlich  „ein  Ballen  mit  Baumwolle  beschlagen  und  mit
dem  Zeichen  X;  darin  waren  4  Säcke  Ingwer,  2  Büschel 4 )  in
Brettern  mit  einem  roten  und  einem  schwarzen  Sammat  und
mit  2  Tüchern  von  Damasko,  3  Büschel  Gold-  und  Silberfelle
in  einen  Rock  und  Mantel  gebunden“.  Das  hier  genannte
Warenzeichen  ist  das  Kress’sche.  Die  Gegenstände  kamen
wahrscheinlich  aus  Italien,  vermutlich  aber  nicht  aus  Venedig,

die  reichste  Person,  die  „Dächsin“,  ein  Vermögen  von  21  630  fl  versteuert. ­
  (Jac.  Strieder:  Zur  Genesis  d.  modern.  Kapitalismus,
Leipzig  1904,  S.  10.)
1 )  Rotha.  a.  O.  Bd.  I  S.  140,  Auch  inMüllners  Annalen  III
S.  52  ist  dieser  Ueberfall  erwähnt.  Ich  zitiere  dieses  Werk,  das  bekanntlich ­
  nur  handschriftlich  vorhanden  ist,  nach  dem  auf  der  Kgl.  Hof-  und
Staatsbibliothek  vorhandenen  Exemplar  Cgm  2074.
2 )  Chroniken  der  deutschen  Städte  Bd.  II,  Einleitung  S.  5  Anm.  3.
3 )  J.  Baader  a.  a.  O.  S.  108  ff.
*)  Büschel  =  buschförmige  Verbindung  von  Dingen,  z.  B.  Bänder.
(Schmeller,  Joh.  Andr.:  Bayerisches  Wörterbuch.  München  1869  ff.
Bd.  I  Sp.  299.)
            
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