Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

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denen  die  bei  Paumgartner  aufgenommenen  ja  nur  einen  kleinen
Teil  bilden.  Bevor  wir  die  weiteren  Geldgeschäfte,  die  unsere
Firma  mit  den  Habsburgern  machte,  besprechen,  wollen  wir
einen  Blick  werfen  auf  die  Entwicklung  des  Tiroler  Bergbaus
und  insbesondere  die  grossartigen  Unternehmungen  Hans
Paumgartners  auf  diesem  Gebiet  ins  Auge  fassen.
Zu  Ausgang  des  15.  Jahrhunderts  und  im  ersten  Jahrzehnt
des  16.  lag  der  Tiroler  Bergbau  noch  ganz  in  den  Händen  einheimischer ­
  Gewerken 1 ).  Allmählich  trat  jedoch  hierin  ein
Aenderung  ein.  Die  schwäbischen  Kaufleute  erkannten
nämlich,  dass  sie  das  Finanzwesen  des  Landes  erst  dann  völlig
beherrschen  würden,  wenn  sie  sich  dort  selbst  festgesetzt  und
Bergwerksbesitzer  geworden  wären.  Unabhängig  von  fremden
Kräften  konnten  sie  dann  das  Silber,  das  sie  für  ihre  Darlehen
erhielten,  selbst  zutage  fördern  und  die  Produktion  steigern.
Hans  Paumgartner  d.  J.  griff  daher  mit  aller  Energie  hier
ein  und  suchte  Einfluss  aut  die  Montanindustrie  zu  gewinnen.
Wir  erinnern  uns,  dass  schon  sein  Vater  einzelne  Gruben  besessen ­
  hatte.  Als  er  selbständig  geworden  war,  strebte  der  Sohn
danach,  diesen  Besitz  zu  vergrössern.  Seit  dem  Jahre  1518
begann  er  mit  dem  Ankauf  von  Bergwerken  in  grossem  Massstab. ­
  Aus  seinen  darüber  geführten  Aufzeichnungen  ergibt
sich,  dass  er  in  den  Jahren  1518  bis  1535  allein  am  Falkenstein
für  44  497  fl  20  kr  ]/ 2  f  Grubenanteile  kaufte  (also  für  ca.  eine
halbe  Million  Mark  nach  jetzigem  Geld) 2 ).  Dazu  kamen  noch
kleinere  Käufe  an  anderen  Orten.  Alle  diese  Erwerbungen
geschahen  auf  Kosten  der  kleineren  Gewerken,  die  sich  mit
ihren  geringen  Betriebskapitalien  gegen  die  Augsburger  Geldleute ­
  nicht  behaupten  konnten.  Nicht  selten  kamen  die  Kaufleute
  auch  dadurch  in  den  Besitz  von  Bergwerken,  dass  sie
den  immer  schwerer  um  ihre  Existenz  kämpfenden  Gewerken
Geld  vorstreckten,  und  sich  dafür  ihre  Gruben  verschreiben
liessen,  die  dann  beim  wirtschaftlichen  Zusammenbruch  der

')  Ueber  den  Tiroler  Bergbau  handelt:  Max  v.  Wolfstrigl-Wolfskron:
  Die  Tiroler  Erzbergbaue  1301—1665,  Innsbruck  1903.
2 )  Hans  Paumgartner  hat  in  dem  schon  mehrmals  erwähnten
Familienkodex  über  seine  Bergwerksunternehmungen  auf  Bl.  334  a  bis
369  a  genaue  Rechnung  geführt  und  besonders  seine  Ankäufe  genau
verzeichnet  mit  Angabe  des  früheren  Besitzers  und  Namens  einer  jeden
einzelnen  Grube.
            
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