Full text : Graf Georg Kankrin in nationalökonomischer und finanzwirtschaftlicher Beziehung

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Armee,  wo  er  im  Hause  des  Fürsten  Barklay-de-Tolli  eine
junge  Dame,  Namens  Katharina  Murawjew,  kennen  lernte
und  später,  nämlich  1816,  heiratete.  Die  Gefühle  der  Treue
und  Liebe  hat  er  für  sie  bis  ans  Lebensende  bewahrt.
Indessen  wurden  die  Dienstverhältnisse  nach  dem
Kriege  für  Kankrin  immer  unerträglicher.  In  Petersburg
schien  man  ihn  zu  vergessen.  Er  versuchte  die  Aufmerksamkeit ­
  auf  sich  zu  lenken,  doch  scheinen  die  Versuche
keine  gute  Wirkung  gehabt  zu  haben.
Was  waren  das  für  Versuche?
Das  russische  Volk  schmachtete  damals  bekanntlich
nicht  nur  unter  den  Lasten  des  Krieges,  sondern  auch  und
zwar  ganz  besonders  unter  dem  Joche  der  Leibeigenschaft.
In  Weiss-Russland,  wo  Kankrin  um  diese  Zeit  beim  Hauptquartier ­
  wohnte,  begegnete  er  auf  jedem  Schritt  und  Tritt
dem  Elende  der  russischen  Leibeigenen.  »Der  Ackerbau
macht  nirgends  bei  uns  Fortschritte,  weil  bisher  alle  Bemühungen ­
  der  Grundbesitzer  nicht  darauf  gerichtet  waren,
die  Lage  der  Bauern  zu  verbessern,  sondern  bloss,  um  sie
zu  bedrücken.  Die  Vermehrung  der  Abgaben  des  Landbauern ­
  —  das  ist  das  einzige  Ziel  der  Grundbesitzer.«  So
hiess  es  in  der  Denkschrift, 1 )  die  Kankrin  am  24.  Febr.  1818
durch  den  Grafen  Nesselrode  Alexander  I.  übergab.  In
dieser  Denkschrift  schlug  er  Alexander  I.  den  Plan  der
langsamen  aber  endgültigen  Abschaffung  der  Leibeigenschaft ­
  vor.  Der  Plan  wurde  nicht  beachtet,  ja  er  hat  vielleicht ­
  sogar  zu  Ungunsten  Kankrins  gewirkt,  denn  es  war
schon  mit  den  liberalen  Allüren  Alexanders  I.  vorbei  und
die  Idee  der  Bauernreform  war  schon  in  massgebenden
Kreisen  so  gut  wie  begraben.  Die  Bedrückung  der  Leibeigenen ­
  war  inzwischen  sogar  noch  stärker  geworden  als
je  vorher. 2 )
*)  »Recherches  sur  l’origine  et  l’abolition  du  vasselage«  etc.  —
2 )  Semevskij,  199.
            
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