Full text : Graf Georg Kankrin in nationalökonomischer und finanzwirtschaftlicher Beziehung

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ganzen  Erde  dienen« 1 )  definiert.  Der  Nationalreichtum  dagegen ­
  ist  »der  Grad  des  Anteils,  den  eine  Nation  am  Weltreichtum ­
  hat«. 1 )  Diese  Zweiteilung  des  Reichtumsbegriffes,
mit  welcher  sich  unser  Autor  A.  Smith  gegenüber  so  rühmt 2 )
und  auf  welche  er  so  großes  Gewicht  zu  legen  scheint,
ist  eben  das  Neue,  mit  dem  er  die  nationalökonomische
Wissenschaft  bereichert  zu  haben  glaubt. 3 )  Diese  Zweiteilung ­
  nebst  der  schon  oben  erwähnten  sog.  »Produktion«
des  Genies  und  der  Privation,  mit  der  er  die  Unzulänglichkeit ­
  der  physiokratischen  Lehre  von  der  alleinigen  Produktivität ­
  des  Ackerbaues  verbessert  zu  haben  meint, 4 )  wird
wohl  unserem  Autor  auch  den  Anlaß  gegeben  haben,  sein
erstes  Hauptwerk  »Weltreichtum«  mit  dem  Untertitel:  »Versuch ­
  neuer  Ansichten  der  politischen  Ökonomie«  zu  versehen. ­
  Diesen  seinen  »neuen  Ansichten«  maß  augenscheinlich
Kankrin  eine  sehr  große  Bedeutung  bei.  »Ganz  verschiedenartige ­
  Systeme  —  sagt  er  diesbezüglich  im  Vorworte  zum
»Weltreichtum«  —  fallen  in  eines  zusammen,  Widersprüche
heben  sich  auf,  neue  Ansichten  gehen  hervor«. 5 )  Allein
unser  Autor  hat  sich  in  seinen  Hoffnungen  völlig  getäuscht,
denn  diese  angeblich  »neuen  Ansichten«  laufen  nur  auf  alte
und  zwar  merkantilistische  Gedanken  aus.
Denn  wie  denkt  sich  Kankrin  das  Verhältnis  zwischen
Weltreichtum  und  Nationalreichtum?
Der  Nationalreichtum  sucht  sich  nämlich  zu  vermehren
und  möglichst  größeren  Anteil  am  Weltreichtum  zu  erlangen.
Und  dies  durch  die,  von  Kankrin  so  genannte  Privation
(im  »Weltreichtum«)  oder  die  »Produktion«  des  Raubes  und
der  Übervorteilung  (in  der  »Ökonomie«),  »Wenn  nämlich  —
sagt  Kankrin  —  ein  Volk  Mittel  findet,  durch  Genie,  Spekulationen, ­
  Handelsmonopole,  Kolonialsysteme,  wie  Landgüter
behandelte  Nebenvölker  (Ostindien)  zum  Nachteil  des  billig
verdienten  Anteils  der  betroffenen  Völker  an  der  Summe
1)  Weltr.  2.  —  2 )  Weltr.  1/2.  —  «)  Vergl.  Weltr.  VIII.  —  4 )  Weltr.  33.
'6)  Weltr.  VIII.
            
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