Full text: Leben und Lehre des Buddha

72 
VI. Die Lehre des Buddha. 
bekannt in der Sanskritform nirväna, ist das Wort, in dem die 
Lehre des Buddha gipfelt. Nirväna ist zusammengesetzt aus dem 
Präfix nis, „aus" „heraus", „weg", das vor tönenden Lauten 
zu nir wird, der Wurzel vä, „wehen" und dem Suffix des Parti- 
cipii Praeteriti Passivi na. Es bedeutet also wörtlich „ausge 
weht", „erloschen", „ausgelöscht", substantivisch „das Auslöschen", 
„das Erlöschen". In diesem wörtlichen Sinne wird es oft gebraucht, 
wie in der eben angeführten Stelle. Sodann wird es übertragen 
auf das Erlöschen des Feuers der Lust. Wer die vier edlen Wahr 
heiten kennt, wer nach ihnen handelt, wer seine Leidenschaften völlig 
gebändigt hat, der erlangt schon auf Erden den Zustand seliger 
Ruhe, das Nirväna. DerHeilige braucht nicht auf den Tod zu warten, 
um erlöst zu werden; er findet die Erlösung schon auf Erden. In 
den Theragäthäs sagt der Thera Sämlqrtya: „Ich Verlange nicht 
nach Tod, ich verlange nicht nach Leben. Ich warte auf meine 
Stunde, wie ein Knecht auf seinen Lohn. Ich verlange nicht nach 
Tod, ich verlange nicht nach Leben. Ich warte auf meine Stunde, 
voll Bewußtsein und Denken," alte Verse, die auch dem Säriputra 
zugeschrieben werden und sich teilweise auch in der brahmanischen 
Literatur finden. Die Texte heben überaus oft hervor, daß für 
den Buddhisten Nirväna zunächst und in erster Linie der Zustand 
der Sündlosigkeit und Leidlosigkeit ist. Einst kam der Wandermönch 
J ambukhädaka zu Säriputra und sprach zu ihm: „Man sagt, o 
Bruder Säriputra, Nirväna, Nirväna! Was ist denn nun, o Bruder, 
das Nirväna?" Und Säriputra antwortete: „Die Vernichtung der 
Leidenschaft, die Vernichtung der Sünde, die Vernichtung der Ver 
blendung, das, o Bruder, ist Nirväna." Auf die Frage des Jam- 
bukhädaka, ob es einen Weg zur Erlangung des Nirväna gebe, 
empfiehlt Säriputra ihm den edlen achtgliedrigen Weg. Im Dbam- 
mapada heißt es: „Wenn du dich nicht mehr aufregst, (still) wie 
eine gesprungene Glocke, daun hast du das Nirväna erreicht; du 
wirst nicht mehr üble Reden führen." Und im Suttanipäta: „Wessen 
Leidenschaften vernichtet sind, wer frei ist von Hochmut, wer den 
ganzen Pfad der Lust bewältigt, wer sich bezwungen und das Nir 
väna erreicht hat, fest au Geist, ein solcher wandelt richtig in der 
Welt." Es gibt also eine Erlösung schon bei Lebzeiten. Das ist 
wieder nichts dem Buddhismus Eigentümliches. Allen philosophischen 
Systemen Indiens ist der Gedanke gemeinsam, daß die Erlösung 
nur durch eine bestimmte Erkenntnis erreicht, dann aber auch 
nicht mehr verloren werden kann. Diese Erlösung bei Lebzeiten
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.