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Erstes Buch. Die Begründer.
jeden solchen Anerbietens; und auf diese Weise erhalten wir voneinander
den weitaus größten Teil der guten Dienste, deren wir benötigen. Nicht
von dem Wollen des Fleischers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unsere
Mahlzeit, sondern von ihrer Bedachtnahme auf ihr eigenes Interesse.
Wir wenden uns nicht an ihre Humanität, sondern an ihren Egoismus,
und sprechen ihnen nie von unseren Bedürfnissen, sondern von ihren
Vorteilen“ 1 ).
So entwickelt sich der Güteraustausch, und mit dem Austausch die
Arbeitsteilung. Denn „die Gewißheit, alle überschüssigen Erzeugnisse seiner
Arbeit, die über seinen eigenen Verbrauch hinausgehen, für solche Er
zeugnisse Anderer, wie er sie gerade braucht, austauschen zu können,
spornt einen jeden an, sich einer besonderen Beschäftigung zu widmen,
und seine eigentümliche Befähigung für diese oder jene Art von Tätigkeit
auszubilden und zur Vollkommenheit zu bringen“ 2 ). Die Arbeitsteilung
ist das Ergebnis eines allen Menschen gemeinsamen Triebes, des Tausch
triebes, und dieser hat sich unter den gleichzeitigen und zusammen wirken
den Einfluß des persönlichen Interesses Aller und eines jeden spontan
entwickelt.
Nach der Arbeitsteilung kommt das Geld. Vielleicht hat keine Ein
richtung den Güteraustausch so sehr erleichtert und infolgedessen den
Reichtum vermehrt, wie das Geld. Alle nationalökonomischen Abhand
lungen nach Smith haben, fast in den gleichen Ausdrücken wie er, seine
Vorteile gegenüber dem primitiven Tausch ausgeführt. Wie ist nun dieses
Geld entstanden? Aus einem Akt der öffentlichen Gewalt oder aus dem
bewußten Willen des Volkes ? Keineswegs. Ein kollektiver Instinkt hat
es erschaffen. Die Menschen haben schnell genug die Nachteile des pri
mitiven Tausches gemerkt; um sie zu vermeiden: „wird jeder kluge Mensch
zu allen Zeiten der Gesellschaft nach der ersten Einführung der Arbeits
teilung natürlich bemüht gewesen sein, seine Einrichtungen so zu treffen,
daß er außer dem besonderen Produkte seines eigenen Fleißes jederzeit
noch eine gewisse Menge von dieser oder jener Ware in Bereitschaft hatte,
von der er voraussehen konnte, daß wahrscheinlich wenig Menschen ihren
Eintausch gegen das Produkt ihres eigenen Fleißes zurückweisen würden“ 3 )-
Und so ist auch das Geld seinerseits aus der gleichzeitigen, wenn auch
nicht bewußt vereinbarten Handlungsweise einer großen Anzahl von
Personen entstanden, die ihren persönlichen Antrieben gehorchten. Die
öffentliche Gewalt hat sich erst viel später eingemischt — als das Metall'
x) Völkerreichtum I, S. 8-9, B. I, Kap. II. Diese ganze Steüe findet ^
beinahe wörtlich in den Vorlesungen A. Smith’s und stammt aus Mandevilee « F aD
von den Bienen.
*) Ebenda, S. 9.
’) Völkerreichtum I, S. 13, B. I, Kap. IV.