Aber ganz abgesehen davon, daß bereits im folgenden
Jahre, während dessen das Dreischichtensystem weiter
bestand, eine die Steigerung überholende Senkung der Lohn-.
quote eintrat, muß grundsätzlich der Wert dieser Vergleiche
von Beziehungszahlen zwischen Lohnkostenund
Produktpreisen für eine exakte Ergründung bestimmter
Zusammenhänge von Arbeitszeit und Arbeitslohn in Frage
gestellt werden. Hierbei wird das völlig unberechenbare
Hineinspielen der Konjunktur und anderer wirtschaftlicher
Geschehnisse außer acht gelassen, das berücksichtigt werden
müßte. So könnte der Lohnaufwand, ceteris paribus, theore-
tisch bei verschiedenen Arbeitszeitverhältnissen ganz gleich
bleiben, sein prozentualer Anteil dagegen erhebliche Unter-
schiede aufweisen, weil die Preise des Produktes sich ver-
ändert haben. Daher sind solche Vergleiche von Beziehungs-
zahlen zwischen Lohnkosten und Produktpreisen für unsere
Untersuchung der Zusammenhänge von Arbeitszeit und
Produktivität nur unter allem Vorbehalt heranzuziehen, da
aus ihnen selbst oder ihren Unterlagen meist nicht er-
kennbar wird, wieweit die Veränderung des Lohnanteils
auf eine Bewegung der Verkaufspreise zurückzuführen ist
oder nicht. In unserem Falle geht es auch deshalb nicht
an, diese Lohnquoten, die die „Wirtschaftskurve der Frank-
furter Zeitung“ bringt, mit dem auf Grund unserer Unter-
suchung bestimmten Lohnanteil in Vergleich zu stellen,
weil es sich dort um den Lohnanteil, gemessen am Preise
der Produkteinheit handelt, hier aber um den Lohnanteil,
gemessen am Betrag der Gesamtselbstkosten der Pro-
dukteinheit.
Nun läßt sich wohl auf Grund der Feststellung der
Betriebsleitung, daß der Lohnaufwand gegenüber der
Friedenszeit um rund 150 °%, gestiegen sei, schematisch ein
Lohnanteil an den Selbstkosten von 5,3°% für 1913 er-
rechnen, aber wie weit dieser dem Lohnanteil, gemessen
am damaligen Preise des Roheisens nahesteht oder nicht,
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