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eine Nebeldecke über dem Mittelland, so löst er sie,
vom Alpcnrand nordwärts vorrückend, in kurzer
Zeit auf. Bisweilen vermag er nicht vollständig
durchzudringen; dann ist es bis in die Mitte des
Hügellandes hell, während am Jurafuß noch die
Nebel stehen. Bei der trockenen Luft befällt den
Menschen ein Gefühl der Mattigkeit; der Föhn
„liegt ihm in den Gliedern". In gewissen Alpen
tälern steigert sich die körperliche und geistige Ab
spannung zu einem krankhaften Zustande, zur
„Föhnsucht".
Lokalwinde. Höhenrücken drängen häufig die
untern Luftströmungen aus der ursprünglichen Rich
tung und zwingen sie, der Talfurche zu folgen.
Die großen abgeschlossenen Felsmulden der Alpen
sind relativ windstill; von den Winden des Mittel-
landes werden sie kauni berührt. So kann es vor
kommen, daß heftige Südweststürme am Wallis und
Engadin spurlos vorübergehen.
In den Alpentälern entsteht bei ruhigem Wetter
eine regelmäßig wechselnde Luftströmung, der
Berg- und T a l w i n d. Tagsüber erhitzen sich die
Felswände in der Sonne und die Luft strömt tal-
einwärts enipor. Gewöhnlich setzt der Talwind in
der Mitte des Vormittags ein; er trägt die Feuch
tigkeit der Tiefe zu den Berggipfeln hinauf, die sich
allmählich in Wolkenballen hüllen. Nach Sonnen
untergang sinkt die erkaltete Luft und fließt als
Bergwind talauswärts; dann enthüllen sich die
Berge und sind häufig bei Tagesanbruch vollstän
dig klar. Der Talwind ist weit stärker als die
nächtliche Gegenströmung; vielerorts hat er seine
Richtung in den Baumkronen abgebildet, die vom
Luftzug angeblasen und, Windfahnen gleich, talein-
wärts verzogen erscheinen. Auf den Seen am Alpen
rand lassen die Schiffer ihre Segelbarken durch den
regelmäßig wechselnden Wind treiben; bleibt er aus,
Flüätger, Schweiz 3
Lokativs,ide
Berg- imfc
Talwind