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wohner zur Untätigkeit; Armut oder Auswander
ung war ihr Los. In solcher Not bedeutete die
Uhrenindustrie die Rettung des Landes. Der Juras
sier brachte für die kunstvolle Arbeit eine glück
liche Anlage mit, und keine Berufsvorschrifteu
hemmten hier den allgemeinen Wetteifer, immer
Vollkommeneres zu leisten. Anfangs war die Uhren
macherci winterlicher Nebenverdienst zur Landwirt
schaft ; eine Hand fertigte damals noch das voll
ständige komplizierte Werk an. Der reichliche Ver
dienst führte dann die meisten Arbeiter ganz zun,
neuen Beruf hinüber, und die Teilung der Arbeit
inachte es einem jeden möglich, auf seinem beson
deren Gebiet eine große Fertigkeit zu erwerben.
Neben der Hausarbeit entstand das „atelier“, in
dein sich eine Anzahl Arbeiter unter einem Chef
zu genieinschaftlicher Herstellung bestimmter Uhr
teile vereinigten. Die 70er Jahre des letzten Jahr
hunderts brachten eine bedeutende Änderung. In den
Vereinigten Staaten stellte man die Uhren fabrik
mäßig her. Die Konkurrenz der ainerikanischen Fa
brikate schädigte die schweizerische Industrie derart,
daß sie ebenfalls den mechanischen Betrieb einrich
ten mußte. Überall entstanden jetzt Uhrenfabriken,
die mit unvergleichlich genau und rasch arbeiten
den Maschinen die Bestandteile der Uhr herstellten.
Vollkommene Maschinen und die aufs Äußerste ge
triebene Arbeitsteilung (es gibt etwa 150 verschie
dene „Branchen" der Uhrenindustrie) steigerten
Menge und Güte der Produktion gewaltig. War
die Uhr einst ein Luxusgegenstand, so kann sie
jetzt durch die Massenproduktion so billig geliefert
werden, daß sie zum selbstverständlichen und un
entbehrlichen Besitz auch des Unbemittelten gehört.
Die Uhrenmacherei ist die wichtigste Industrie der Indup««.
Westschweiz. Ihr Gebiet umfaßt Genf, die Jura-
landschaften der Kantone Waadt, Neuenburg, Bern,