Full text : Taxämter oder private Schätzungen?

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Die  Nichtigkeit  der  Taxe  hängt  also  im  Wesentlichen  von  der
Lösung  der  personensrage  ab.
Das  bestätigt  die  kaiserliche  Aufsichtsbehörde,  die  wir  an  dieser
Stelle  schon  oster  genannt  haben.
In  dem  zweiten  Geschäftsbericht  des  Kaiserlichen  Aufsichtsamts
für  Privatversicherung  (für  1903)  heißt  es:
„Das  Aussichtsamt  ist  der  Meinung,  daß  die  Taxftage  in  der
Hauptsache  Personenfrage  ist,  und  daß  es  nicht  allzugrotze
  Schwierigkeiten  bietet,  Personen  mit  der  nötigen
Sachkunde  zu  gewinnen,  ftaben  es  doch  große  und  angeehene
  Anstalten  aus  Grund  sorgfältigster  Auswahl  ihrer  Sachvertändigen
  dahin  gebracht,  daß  sie  während  mehrerer
Jahrzehnte  so  gut  wie  gar  keine  Verluste  an  Kapital ­
  oder  Zinsen  aus  dem  ft  ppo  theke  n  ges  ch  ä  fte  zu
beklagen  hatten.  Woraus  es  vor  allem  aber  ankommt,  das
ist/  daß  gewissenhafte  und  unbeteiligte,  d.  h.  vom  Darlehnsgeber
sowohl  wie  vom  Darlehnsucher  unabhängige,  am  Zustandekommen
der  einzelnen  Darlehnsgeschäste  weder  direkt  noch  indirekt  interessierte ­
  Taxatoren  gewählt  werden."
In  dem  gleichen  Geschäftsbericht  heißt  es  an  anderer  Stelle
allerdings  u.  a.  auch:
„Lebensversicherungsunternehmungen  kleineren  und  mittleren
Umfanges,  welche  außerhalb  Berlins  domiziliert,  hier  eine  eigene
.und  ausreichende  Organisation  für  das  .hppothekengeschäft  nicht
unterhalten  konnten,  dennoch  aber  hier  Beleihungen  vorgenommen ­
  Haben,  sind  in  mehreren  der  Aufsichtsbehörde  bekannt  gewordenen ­
  Fällen  in  die  ftand  völlig  unzuverlässiger  Vermittler ­
  und  Taxatoren  geraten  und  durch  deren  Grundstücksabschätzungen ­
  zu  höchst  bedenklichen  und  verlustbringenden  Ueberbeleihungen
  bestimmt  worden."
Diese  letzteren  Ausführungen  bestätigen  nur  die  erstangezogenen.
Ts  handelt  sich  bei  den  hier  in  Betracht  kommenden  Uebelständen
deren  Ursachen  man  in  vielen  Fällen  an  ganz  falscher  Stelle  sucht,
ausschließlich  darum,  daß  einzelne  Beleihungsinstitute  nicht  die
entsprechende  Auswahl  unter  ihren  Taxatoren  treffen  und,  wenn
wir  uns  einmal  vulgär  ausdrücken  sollen,  jeden  ftinz  und  Kunz
taxieren  lassen,  ohne  ihn  auf  fterz  und  Nieren  geprüft  zu  haben.  Besonders ­
  scharf  tritt  das  hervor,  wenn  das  gleiche  Kaiserliche  Aussichtsamt ­
  für  Privatversicherung  in  seinem  Geschäftsbericht  für  das  Jahr
1905,  gelegentlich  eines  statistischen  Vergleiches  der  Kaufpreise  mit
den  Taxen  konstatiert,  daß  sich  hinsichtlich  der  privaten  Taxen  bei
den  einzelnen  Gesellschaften  eine  weitgehende  Uebereinstimmung  der
Uesultate  des  Jahres  1905  mit  denen  des  Jahres  1904  in  dem  Sinne
zeige,  daß  gleichmäßig  in  beiden  Jahren  bei  demselben  Teile
der  Gesellschaften  die  Kaufpreise  sich  fast  drrrchgehends  mit  den  von
ihnen  erhobenen  privaten  Taxen  annähernd  deckten,  während  anderseits ­
  bei  manchen  Gesellschaften  wiederum  die  Kaufpreise  fast
durchgehends  nicht  unerheblich  hinter  den  Taxen  zurückblieben.
            
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