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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

Kapitel I. Die Hedonisten. 
615 
sondern daß der Zins der Preis für die Zeit ist; oder, anders 
ansgedrückt, der Wertunterschied zwischen einem heutigen Gute 
und demselben, aber zukünftigen Gute. Er ist die Tatsache 
eines Austausches, des Tausches eines gegenwärtigen gegen ein zu 
künftiges Gut. Denn 100 Fr., die in einem Jahre zahlbar sind, 
sind nicht dasselbe wie 100 Fr., die heute gezahlt werden: die 
Gleichwertigkeit wird nur wieder hergestellt, indem man auf die 
Wagschale, die in einem Jahre die 100 Fr. erhalten soll, einen Wert 
zuschuß legt, der Zins heißt, oder indem man von der Wagschale, 
die heute die 100 Fr. trägt, einen Bruchteil hinweg nimmt, der Dis 
kont genannt wird J ). 
Was das Lohngesetz anlangt, nach dem der Lohn sich nach der 
Produktivität des „Grenzarbeiters“ regelt, so ist es so wenig opti 
mistisch, daß es, worauf wir schon hingewiesen haben, eher das 
eherne Lohngesetz bestätigt, denn es besagt, daß der an letzter Stelle 
angestellte Arbeiter — der, nach welchem der Unternehmer weiter 
keinen mehr anstellt, weil jeder mehr angenommene ihm Verlust 
bringen würde — nur gerade den Gegenwert seiner Unterhaltsmittel 
erzeugt und erhält. 
Kurz die hedonistische Schule hat keine Verteilungstheorie und 
will auch keine haben: sie kennt keine Anteilhaber am Gesamt 
produkt, sondern nur produktive Dienste, deren Wert sie berechnet. 
Die Kenntnis des Teiles, der in Wirklichkeit dem Kapital oder der 
Arbeit in jeder erzeugten Einheit zufällt, ist eins; etwas anderes 
ist die Untersuchung, ob Kapitalisten oder Arbeiter ungerecht be 
handelt werden. 
Übrigens liegt der beste Beweis dafür, daß die Hedonisten 
keineswegs das Laisser-faire befürworten, in der von ihren Führern 
eingenommenen Haltung. Allerdings hat sich die österreichische 
Schule ziemlich gleichgültig demgegenüber gezeigt, was man soziale 
oder Arbeiterfrage nennt 2 )- Doch es war sicherlich ihr Recht, sich 
*) Diese Theorie wird nicht von allen hedonistischen Yolkswirtschaftlern ange 
nommen, besonders nicht von Waleas, der sie in der vierten Ausgabe seiner Eoo- 
nomie pure kritisiert. In neueren Werken haben sich A. Landey in Interet 
Hu Capital (1904) und Professor Ievinu Fisher in The rate of interest (1907) 
bemüht, diese Theorie nicht gerade zu zerstören, aber doch sie durch eine noch tiefer 
gehende Analyse der Gefühle zu verändern, die in jedem Individuum die Schätzung 
seines zukünftigen Einkommens bestimmen. — Diese Schätzung (time preference) 
ls t übrigens je nach der Vermögenslage eines jeden und noch anderer Umstände 
verschieden. 
*) Wir haben dies eben hinsichtlich der Theorie Böhm-Bawerk’s festgestellt. 
Übrigens behält auch hierin die hedonistische Schule eine der Methoden der 
klassischen Schule bei, auf die Coüecelle-Seneuii. und Chehbdliez mit Nachdruck 
hingewiesen hatten: die Notwendigkeit, die Wissenschaft unbedingt von der Kunst, 
die reine Ökonomik von der angewandten Ökonomie getrennt zu halten. Wie Pareto
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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