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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

696 
Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit. 
Was nun schließlich die Behauptung der Volkswirtschaftler an 
langt, daß die Tauschwirtschaft schon alles an Solidarität darstellt, 
was wünschenswert und mit der Gerechtigkeit vereinbar ist, so treten 
alle Schulen, deren Geschichte wir in diesem Buche verfolgt haben, 
dieser Behauptung entgegen, sogar ohne die Tochter der klassischen 
Schule, die mathematische Schule, auszunehmen. Die Tausch 
handlungen zwischen einem Esau und einem Jakob, zwischen der 
Kongogesellschaft und den Schwarzen, den Unternehmern und den 
Heimarbeiterinnen sind vom hedonistischen Gesichtspunkt aus untadelig 
(siehe oben S. 613—614). Niemand aber wird wagen, diese brutalen 
Tauschhandlungen, die, wie Peoudhon beredt sagt, auf dem Wieder 
vergeltungsrecht, — Auge um Auge, Zahn um Zahn — beruhen, als 
eine Verwirklichung der Solidarität hinzustellen. 
Trotz seiner anscheinend mathematischen Gleichwertigkeit, und 
obschon er als Symbol die Wage führt, vermittelt der Austausch den 
Austauschenden niemals gleiche Teile, weil sie selbst niemals auf 
dem Fuße völliger Gleichheit zueinander stehen, selbst wenn nicht 
irgend ein Brennus sein Schwert in eine der Wagschalen wirft. 
Was kann man hiergegen tun, wird man fragen? Wohl oder übel 
muß man sich damit abfinden. Solange die Beziehungen zwischen 
den Menschen einzig durch den Tausch und seine Unterarten, wie 
Verkauf, Darlehen, Pacht, Lohnkontrakt bestimmt sind, ist das aller 
dings der Fall; es wird aber sofort anders, wenn diese Beziehungen 
sich durch das Mittel der Assoziation bilden, sei das nun die beruf 
liche, die mutualistische oder die kooperative 1 ). 
So zahlt der Arbeiter Beiträge an seine Gewerkschaft, um sie 
mächtig zu machen: er rechnet natürlich darauf, durch sie zu höherem 
Lohn zu gelangen, aber zwischen dem Gewerkschaftsbeitrag und dem 
möglichen Gewinn gibt es keine notwendige Beziehung. In gleicher 
Weise steuert das Mitglied einer Versicherung auf Gegenseitigkeit 
zu seiner Gesellschaft bei, um sich Sicherheit gegen Gefahren und 
Schäden zu verschaffen: er rechnet zwar darauf, daß die Gesellschaft 
seinen Arzt bezahlt, wenn er krank wird, aber viele zahlen ihr ganzes 
Leben hindurch, ohne die Hilfe der Gesellschaft in Anspruch zu 
nehmen, und viele erhalten bedeutend mehr, als sie eingezahlt haben: 
*) Die Assoziation hat sogar bei Gewinnabsicht einen moralischen Wert, der 
dem des Tausches überlegen ist; 1. indem sie nicht nur wie der Tausch eine Geld 
zahlung bedingt, sondern ein gewisses persönliches Opfer unserer Zeit, unserer 
Mühe und unserer Unabhängigkeit, wäre es auch nur die Verpflichtung, den Ver 
sammlungen beiznwohnen und die Statuten zu beachten; 
2. indem sie nicht nur wie der Tausch eine einzelne augenblickliche und ein 
für alle Male ausgeführte Handlung bedingt, sondern ein unbegrenztes Zusammen 
arbeiten der Beteiligten.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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