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Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Bibliographic data

fullscreen: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

Monograph

Identifikator:
1738588467
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-115043
Document type:
Monograph
Title:
Proceedings of the South & East African combined agricultural, cotton, entomological and mycological conference held at Nairobi, August, 1926
Place of publication:
Nairobi
Publisher:
East African Standard
Year of publication:
1926
Scope:
VI, 337 Seiten
Ill.
Digitisation:
2020
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Part I. Opening speeches, agenda and programme
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905
  • Title page
  • Contents
  • Erstes Kapitel. Die Entwicklung der inneren Politik Deutschlands seit 1890
  • Zweites Kapitel. Die soziale Entwicklung Berlins von 1890 - 1905
  • Drittes Kapitel. Die Parteiorganisationen unter dem gemeinen Recht
  • Viertes Kapitel. Bemerkenswerte Konferenzen und beschließende Versammlungen der Sozialdemokratie Berlins
  • Fünftes Kapitel. Die bedeutsamsten Demonstrationsversammlungen der Berliner Arbeiterschaft
  • Sechstes Kapitel. Die Wahlen zum Deutschen Reichstag in Berlin und den Vororten
  • Siebentes Kapitel. Die Vertretung der Sozialdemokratie Groß-Berlins in den Kommunalverwaltungen
  • Achtes Kapitel. Die Sozialdemokratie in den Gewerbegerichten und den Kaufmannsgerichten Groß-Berlins
  • Neuntes Kapitel. Die Gewerkschaftsbewegung Berlins
  • Zehntes Kapitel. Die bedeutsamsten gewerkschaftlichen Kämpfe Berlins
  • Elftes Kapitel. Der große Bierboykott von 1894
  • Zwölftes Kapitel. Die gewerkschaftliche Bewegung der Handlungsgehilfen Berlins
  • Dreizehntes Kapitel. Die sozialdemokratische Frauenbewegung Berlins
  • Vierzehntes Kapitel. Die Berliner Arbeiter-Sanitätskommission und der Boykott der Charité
  • Fünfzehntes Kapitel. Die Schöpfungen der Berliner Sozialdemokratie für Bildung und Kunst
  • Sechzehntes Kapitel. Die Entwicklung der sozialdemokratischen Presse Berlins
  • Siebzehtes Kapitel. Die Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhaus
  • Achtzehntes Kapitel. Die Entwicklung der Maifeier in Berlin
  • Neunzehntes Kapitel. Die Opfer und die Bilanz des Kampfes

Full text

7* 
f Arbeiter! Parteigenossen! 
.D Seit Zwei Jahren macht sich eine furchtbare Krisis 
-A im Wirtschaftsleben bemerkbar, deren tfnöe noch nicht 
» abzusehen ist. Hunderttausende von Arbeitern bemühen 
^ sich vergeblich um Arbeit, um sich und ihre Familie vor 
^ dem Verhungern zn schützen. In sinnloser Weis" wurde. 
wie das im Wesen der privatkapitalistischen Pr^ouktionß- 
g* weise liegt, in den Jahren des Aufschwungs ins Blaue 
^ hinein gearbeitet. Menschen und Maschinen wurden bis an 
3 die Grenze des möglichen ausgenutzt. Die MLllwrien- 
O Profite steckte» die Unternehmer in die 
H Taschen, die Arbeiter gingen leer aus. 
Au8 Furcht, ihr Prosit könnte ihnen durch Lohnforderungen 
£ geschmälert werden, suchten die Unternehmer Sturm zu 
siS laufen gegen das Koalitionsrecht derselben Arbeiter, auf 
v» die sie heute durch Lohnkürzungen die Folgen der Krisis 
w abwälzen. 
Klingt es nicht wie Hohn, wenn man unter den 
I? heutigen Verhältnissen von einer gesicherten Existenz der 
s* Arbeiter spricht? Welcher Arbeiter ist denn davor geschützt. 
**L ^ )on morgen auf die Straße gesetzt und dem Untergange 
preisgegeben zu werden? Aber nicht nur die privaten 
ig- Unternehmer, nein, auch die Gemeinden, die den Privaten 
!tr mit gutem Beispiel vorangehen sollten, der Staat und 
iS das Reich, deren Betriebe Musterbetriebe sein sollten — 
A. sie alle predigen und bethätigen daS nackte Unternehmer- 
o interesse Und die wenigen Ausnahmen, die wirklich ein 
'Äö ^^2 für die Arbeiter haben, stehen den heutigen Zuständen 
.Z ohnmächtig gegenüber. Dem» diese Zustände sind eine 
o Folgcerscheinnng ber kapitalistischen Wirtschafts- 
^ ordnnng, sie werden erst mit dieser verschwinden, 
•g- Pflästerchen. wie sie weltfremde Ideologen und Ethiker 
« empfehlen, köniwn das Uebel wohl verkleistern, aber nicht 
t* heilen 
Ü . Hub um das Mag des Elends voll zu machen, um 
2 die Leiden des arbeitenden Volkes bis zur Unerträglichkeit 
A »n steigern, sich selbst aber noch mehr zu bereichern, haben 
die Unternehmer, unterstützt von Junkern und Pfuffen. 
*-* durch fortgesetzte Gewaltstreiche, trotz des zähen Wider- 
,8 standeS der Arbeitervertreter im Deutsche» Reichstage, den 
Wucher-tarif dem Volke als Weihnachtsgabe dargebracht 
£ Im Kampfe gegen Brot- und Flcischwucher hat 
„S? ~ abgesehen von einzelnen Ideologen und Eingängern — 
^ nur eure Partei ihren Mann gcstauden. die 
xA Sozialdemokratie. Die reaktionäre Mehrheit des 
Reichstages aber hat sich nicht gescheut, den Fluch der 
L Volksausbeutung auf sich zu laden, und die angeblichen 
VolkSfrennde unter Führung des freisinnige« Helden 
*2 Eugen Richter haben der Reafnon hilfreiche Hand 
geleistet und sind zv Verrätern an de? Sache des Volkes 
geworden. 
Arbeitskollegen! Mit einem Schlage hat 
Euch die gesetzgebende Körperschaft des Deutsche» 
Reiches die geringen Lohnerhöhungen, die Ihr 
vielleicht in der Zeit der Prosperität nach heißen, 
aufopfernden Kampfe» errungen habt, wieder ent 
rissen. Die parlamentarischen Kämpfe der letzten Monate 
sollten auch dem Jndiffcrcüteslen die Augen öffnen und 
ihn lehren, sein Recht zu gebrauchen. Die Erfahrung 
lehrt, daß Ihr vereinzelt nichts seid und nur in fest- 
geschlossenen Reihen etwas erreichen könnt. Aus dieser 
Erkenntnis heraus schließt Ihr Euch pflichtgemäß (Suren 
gewerkschaftlichen Organisationen an. um den Ausbeutungs 
gelüsten der Unternehiner wenigstens einigermaßen entgegen- 
treten zu können. Aber die gewerkschaftliche Bewegung 
allein genügt nicht zur Befreiung der Arbeiterklasse aus 
den Fesseln des Kapitalismus. Ihr »nützt Euch auch 
politisch organisieren, damit Ihr Einfluß ans die 
Gesetzgebung gewinnt und erfolgreich gegen Aus 
beutung und Vergewaltigung ankämpfen könnt. 
Ihr bildet die ungeheure Mehrheit des Volkes und keine 
Macht ist im stände. Euch Eure Rechte auf die Dauer 
vorzuenthalten, sofern Ihr sic nur entschlossen Und ziel 
bewußt gebraucht. 
Politische und gewerkschaftliche Bewegung 
müssen Hand in Hand gehen. Was nützt Euch das 
Koalitiousrecht. wenn eö nur auf dem Papier steht, aber 
seine praktische Ausübung durch gekünstelte Gesetzes- 
auSIegung vereitelt wird, ohne daß sich im Parlament 
ein flammender Protest gegen eine solche Entrechtung 
erhebt Was nützen Euch Lohnaufbesserungen, wenn sie 
doppelt und dreifach wett gemacht werden durch eine 
Klassengesetzgebung, der daS Interesse der Besitzenden als 
höchstes und einziges Gesetz vor Augen schwebt. Erinnert 
Ihr Euch nicht mehr der 12 000 Mark-Affaire. die aufs 
deutlichste gezeigt hat. daß die Regierimgsverlretcr nichts 
sind als die Handlanger der Kapitalistenklique. 
Noch einmal rufen wir Euch zu: organisiert Euch 
nicht nur gewerkschaftlich, sondern auch politisch. 
Welcher. Partei Ihr Euch anzuschließen habt, darüber 
kann kein Zweifel bestehen. Die wahre Vertretung der 
Arbeiterinteressen bietet einzig und allein die Sozial 
demokratie. Alle anderen Parteien sind im Grunde ihres 
Herzens arbeiterfeindlich, wohl betteln die Herren bei den 
Wahlen um Eure Stimmen, aber wenn sie gewählt sind, 
dann keimen sie Euch nicht mehr und in den Stunden 
der Entscheidung lassen sie Euch im Stich. Laßt Euch 
nicht von denen bethören, die. sei es in Unkenntnis der 
thatsächlichen Vorgänge, sei es um Euch wieder zu Sklaven 
zu machen, die Aufforderring zur Abkehr von der Sozial 
demokratie an Euch richten. Von jeher hat nur die Sozial- 
46 und 47. Propagandaflugblatt zum Eintritt in die Wahlvereine
	        

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Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 Bis 1905. J.H.W. Dietz Nachfolger, 1924.
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