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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

200 
Erstes Buch. Land, Leute und Technik. 
eine große Rolle spielt, wie in Agypten und anderwärts; da wird der Ackerbau zu 
einer ganze Stämme und Staaten einheitlich verbindenden Einrichtung. Die Ausbildung 
der Feldmeßkunst, die Versteinung der Felder wird bei jeder definitiven Landzuteilung 
und allem geregelten Ackerbau eine wichtige genossenschaftliche oder Staatsaufgabe. 
Man hat gesagt, der Hackbau erzeuge Dörfer, der Ackerbau Städte. Jedenfalls 
ging Ackerbau und Stadtbau vielfach im Altertum Hand in Hand, was wir in dem 
Kapitel über Siedelung noch sehen werden; die Ackerbauern der fruchtbaren Stromländer 
schufen große Verteidigungswerke, in welche ganze Völkerschaften sich retten konnten. 
Das Friedensbedürfnis der Ackerbauer ist ein viel größeres als das der Hackbauern 
und der Nomaden und wächst mit dem Obst- und Weinbau, mit dem steigenden Wert 
aller Anlagen. Der Krieg mit den Nachbarn wurde ein anderer. Neben dem möglichen 
Schutz durch Mauern, Wasser, Kanäle sucht der Ackerbauer durch Schutzwaffen, Leder— 
und Metallkleidung, Schilde und Helme, aber auch durch bessere und kompliziertere 
Kriegsverfassung sich gegen seine Feinde zu sichern. 
Das ganze geordnete gesellschaftliche Leben der Kulturvölker steht mit dem Ackerbau 
in Zusammenhang. Die Alten, sagt Roscher, haben der Landbaugöttin Demeter die 
Einführung der Ehe und der Gesetze beigelegt. Schäffle thut den Ausspruch: „die 
Einzel- und die Volksseele kam erst mit dem Übergang zum Ackerbau zu böherer Ber— 
nunftsentwickelung.“ 
Man hat neuerdings darauf hingewiesen, daß man oft die wirtschaftlichen, socialen 
und geistigen Folgen des Ackerbaues überschätzt habe, daß nur eine gewisse Entwickelung 
des Ackerbaues, nämlich die mit Seßhaftigkeit, Hausbau ?⁊c. verknüpfte, diese Folgen 
habe. Das ist richtig. Wir haben dem teilweise durch die Scheidung von Hackbau und 
Ackerbau Rechnung getragen. Im übrigen könnten wir nur durch eine eingehende 
wirtschaftsgeschichtliche Scheidung der verschiedenen Stufen des Ackerbaues genauer 
feststellen, wann und wo diese günstigen Folgen eintraten. Dazu ist hier nicht der Raum. 
Nur die wichtigsten Phasen des agrarischen Entwickelungsprozesses, wie er sich in Europa 
abspielte, seien hier zum Schlusse angedeutet. 
Die Weidewirtschaft oder wilde Feldgraswirtschaft benutzt den Wald 
und die Weiden nur zur Viehernährung, bricht an geeigneter Stelle kleine Stücke der 
Weide zur Beackerung auf, baut da Buchweizen, Hirse, Gerste, Roggen zwei oder drei 
Jahre hintereinander ohne Düngung, bis der Boden erschöpft ist; oft genügt als Saat, 
was bei der Ernte ausfällt. Der erschöpfte Boden wird verlafsen, fliegt wieder als 
Weide oder Wald an, anderer wird in Angriff genommen. 
An eine solche Wirtschaft haben wir auch für die ungetrennten Indogermanen zu 
denken, die Gerste bauten, Joch oder Pflug und feste Holzhäuser hatten. Auf der 
Wanderung trat dann die Viehwirtschaft mehr in den Vordergrund, aber der Ackerbau 
hörte nicht auf; wir treffen sogar bei dem europäischen Zweige der Indogermanen den 
Weizen- und Spelzbau, bei den Germanen den Pflug mit eiserner Schar, was nicht 
ausschließt, daß die Sueben zu Cäsars Zeit, in Vorwärlsbewegung begriffen, keine festen 
Wohnsitze hatten, erst in den nun folgenden Jahrhunderten zur definitiven Seßhaftigkeit, 
zu der Dorf-, Hufen- und Gewannenverfafsung übergingen. 
So entstanden hier aus der wilden Feldgraswirtschaft und Brennwirtschaft nach 
und nach die Feldsysteme mit ewiger Weide. Unter der Brennwirtschaft 
verstehen wir eine solche, welche einzelne Stücke Moor oder Wald zum Zwecke des 
Anbaues niederbrennt und eine Anzahl Jahre bebaut. Eine solche war in Deutschland, 
Skandinavien, Frankreich bis ins Mittelalter weit verbreitet, erforderte wegen der Brand— 
gefahren Vorsicht und gesellschaftliche Ordnung und Überwachung. Im Gegensatz zu 
diesem Herumgehen des Baulandes in der Flur, im Gut, in der Gegend steht die Ein, 
Zwei-, Dreifelderwirtschaft, welche als ewiges Ackerland in der Nähe der Wohnungen 
ursprünglich 10 — 20 Prozente der Flur aussondert, den Rest als Wald und ewige 
Weide benützt. Die Einfelderwirtschaft bebaut jährlich mit Düngung dieselben Flächen, 
die Zwei- und Dreifelderwirtschaft bebaut abwechselnd jährlich die Haͤlfte, ein oder zwei 
Drittel des Ackerlandes und läßt das übrige als Brache ausruhen und als Viehweide
	        

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