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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

Die Gefahr einer Auflösung der Familienwirtschaft. 251 
Unterricht, Bildung, Erziehung und was alles sonst noch. Nicht bloß die erwachsenen 
Töchter sind im Hause nicht mehr notwendig, selbst Frau und Kinder gehen viel mehr 
als früher nach Arbeit außer dem Hause; sie thun es teils durch die Not, teils durch 
den Selbständigkeitsdrang getrieben; die jungen Leute verdienen vom 12. oder 14. Jahre 
an selbständig, sie wollen sich die elterliche Zucht nicht mehr gefallen lassen, wohnen 
für sich in Schlafstellen, wollen für ihr Geld auch ihr Leben genießen. Wo die modernsten 
Verhältnisse walten, da sind die Kinder am frühreifsten, da heiraten einzelne junge 
Leute, ohne Vater und Mutter zu fragen, da sind die Familienbande am losesten. Die 
Schließung der Ehe wird andererseits immer schwieriger; die Zahl der Ehelosen nimmt 
zu; die Zahl der Jahre, welche vom Verlassen des Elternhauses bis zur eigenen Ehe 
verstreichen, wird größer, schon weil Lehr-, Bildungs-, Reisezeit, das Herumsuchen nach 
einer Existenz es so mit sich bringen, man gewöhnt sich an Freiheiten aller Art, an 
Genüsse, die in der Familie nicht möglich sind, an außerehelichen Verkehr; das Familien— 
leben erscheint den so Gewöhnten oft nur noch als eine lästige Fessel, die man mindestens 
jederzeit will wieder abstreifen können; man fordert unbedingte Scheidungsfreiheit und 
beruft sich darauf, wie in allen Großstädten die Ehescheidungen zunehmen, wie in Nord— 
amerika heute teilweise jährlich schon auf O—10 Eheschließungen eine Ehescheidung komme. 
Indem man im Anschluß an die Theorien des 18. Jahrhunderts die Gleichheit 
von Mann und Frau predigt, fordert man die ganz gleiche Erziehung beider Geschlechter, 
die Zulafsung der Frauen zu allen Berufen, betrachtet die Beseitigung gewisser Arbeits- 
schranken für die Frauen, wie sie mit dem Zunftwesen fielen, nur als eine erste dürftige 
Abschlagszahlung. Man erhofft die Beseitigung der Geld-, Konventions- und Ver— 
sorgungsehen, wenn die Frauen alle Berufe erlernen und ergreifen dürfen; man hofft, 
daß, wenn die Frau durch eigenen Erwerb auf sich selbst stehe, der stets kündbare Ehe— 
bund erst ein wirklich freier werde, und den bisher schon so eingeschränkten Familien— 
haushalt glaubt man als ein Rumpelstück aus der Vorväter kümmerlicher Zeit bald 
vollends ganz über Bord werfen zu können. 
Wenigstens der Socialismus träumt von einem Leben der durch die Ehe Ver— 
bundenen in Hotels und Logierhäusern; alle gebärenden Frauen will er in öffentliche 
Gebärhäufer, alle Kinder in Kinderbewahranstalten, die Halberwachsenen in Lehrwerkstätten, 
Pensionate und öffentliche Schulen, die zugleich verpflegen, schicken; für alle Kranken 
sollen die Krankenhäuser, für alle Alten die Invalidenhäufer sorgen. So brauchen die 
arbeitenden Erwachsenen nichts als ein Wohn- und Schlafzimmer einerseits, Klubs, 
Speisehäuser, öffentliche Vergnügungsorte, Bibliotheken, Theater, Arbeits-und Produktions- 
xäume andererseits. Der Familienhaushalt ist angeblich verschwunden. 
Daß einer oberflächlichen Betrachtung unserer heutigen technischen und socialen 
Entwickelung derartige Ziele als die notwendigen und heilsamen Endergebnisse erscheinen 
können, wer wollte es leugnen? Und wer wollte, wenn er die großen Veränderungen 
früherer Epochen, den ungeheuren Wandel der heutigen Technik und das chaotische 
Ringen unserer sittlichen Vorstellungen und socialen Einrichtungen betrachtet, sicher 
sagen, Derartiges sei unmöglich? Aber bei ruhiger, näherer Betrachtung erscheinen uns 
doch diese Ideale und Zukunftspläne als starke Übertreibungen, ja Verirrungen, als 
einseitig logische Schlüsse aus partiellen Bewegungstendenzen, die historisch notwendig 
wieder entgegengesetzten Strömungen weichen oder vielmehr mit anderen notwendigen 
Tendenzen sich vertragen müssen. 
Die Familie soll verschwinden zu Gunsten des Staates und des Individuums? 
Glaubte man, als der Staat im 18. Jahrhunderte den alten Korporationen zu Leibe 
ging, nicht dasselbe von der Gemeinde und allen Genossenschaften und Vereinen? 1I 
n'y a que l'stat et l'individu, dekretierte die französische Revolution, und heute sucht 
überall eine entwickelte Gesetzgebung die Kreise, die Gemeinden, die Vereine, die Genossen— 
schaften zu fördern. Die höhere Kultur schafft immer kompliziertere Formen und erhält 
daneben doch an ihrer Stelle jede für bestimmte Zwecke als brauchbar gefundene typische 
Lebensform. Sollte sie plötzlich die seit Jahrtausenden ausgebildete wichtigste, kräftigste, 
noch heute für 99 0/0 aller Menschen unentbehrliche ausstoßen?
	        

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