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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

Die mittelalterliche Dorfgenossenschaft und ihre Wirtschaft. 289 
Privateigentume sich nähernd, blieb sie doch unter einem Agrarrechte, das mehr die 
Gesamt- als die Einzelinteressen im Auge hatte, auf Erhaltung prästationsfähiger 
Bauernnahrungen zielte. 
Die Genossenschaft hatte keine gemeinsame Kasse; was sie etwa an Bußen ein— 
nahm, verteilte oder vertrank sie gemeinsam. Was sie an Lasten aufzubringen hatte, 
legte sie auf die einzelnen um. Sie hatte ursprünglich keine Organe, die über ihr als 
felbständige Spitze, als Personifikation der Korporation standen; Vorsteher, Schöffen, 
Gemeindeversammlung wurden erst langsam und nach und nach seit dem 15. —18. Jahr— 
hundert zu einer solchen. Aber der genossenschaftliche Geist war um so stärker; er erhielt 
durch die Feldgemeinschaft täglich und stündlich neue Nahrung. Jeder einzelne Hufner 
mußte wirtschaften wie der andere; eine Stärke der Sitte, der Gebundenheit, des Gemein— 
gefühls bildete sich aus, welche die Dorfgenossen bis heute vielfach wie eine große Familie 
mit gleichen Vorzügen und Fehlern erscheinen läßt. Das Eindringen neuer perjsönlicher 
Elemente war lange ebenso erschwert wie der freie Tausch- und Geschäftsverkehr nach 
außen. Die Veräußerung des Grundbesitzes an Nichtgenoössen war durch Näbherrechte 
der Verwandten und Dorfgenofsen gehemmt. 
Die Ausbildung erst der territorialen, dann der großen nationalen Staatsgewalten, 
sowie die der Geldwirtschaft gab den Anstoß zur Umbildung dieser älteren Dorfgenossen— 
schaft in die neuere Einwohner- und Ortsgemeinde, in welcher die einzelnen bäuerlichen 
Familien auf sich stehen, mehr und mehr für den Verkauf produzieren. Es ist eine 
Umbildung, welche in vier bis fünf Jahrhunderten langsam durch alle möglichen kleinen 
Anderungen der Staats- und Gemeindeverfassung, der Verwaltung und des Wirtschafts— 
lebens sich vollzog. Wir kommen auf die moderne Ortsgemeinde unten. Hier ist nur 
zu erwähnen, daß von der alten Verfassung mit ihrer Feldgemeinschaft auch heute noch 
in vielen europäischen Staaten erhebliche Reste bestehen. Wo die Gemeinde noch Wald 
und Weide besitzt, die Ackerstücke der Dorfgenossen noch in alter Gemengelage durch— 
einander liegen, wo damit der faktische — wenn nicht der rechtliche — Flurzwang noch 
besteht, da ist trotz aller Zunahme des individuellen Eigentums, trotz aller Einschrän— 
kung der alten Gemeinschaft noch ein gut Stück der alten Zustände vorhanden. Aber 
allerdings sind sie überall in voller Auflösung begriffen. Die Teilung der Allmende 
und Gemeinheiten an die einzelnen, die Güterzusammenlegung und die Feldwegregu— 
lierung haben den Betrieb der einzelnen Bauern mehr oder weniger auf sich selbst ge— 
stellt. Es lag darin eine naturgemäße Entwickelung. Die Ausbildung der Sonder— 
wirtschaft des Bauern, der selbständig werden, gewinnen, vorwärts kommen will, war 
jetzt so notwendig und heilsam wie einstens die genossenschaftliche Zucht, die ihn genötigt 
hatte, zu wirtschaften, zu pflügen, zu ernten, wie die anderen Genossen es thaten. In dem 
Maße, wie die Geldwirtschaft in die Dörfer eindrang, der Bauer anfing, mehr als bis— 
her für den Markt zu produzieren, mußte sein wirtschaftlicher Erwerbstrieb sich ent— 
wickeln; die alten genossenschaftlichen Traditionen schrumpften zu einer starren Sitte 
zusammen, die zunächst neue Blüten nicht treiben konnte. Rein auf das Herkömmliche 
beschränkt, hatte der Bauer des 16. —18. Jahrhunderts kein Verständnis für genossen— 
schaftliche Be- oder Entwässerung, für etwaige gemeinsame Unternehmungen; er war 
jeder Majorisierung abhold. Erst die Schule der Geldwirtschaft, die moderne Umbildung 
der Dorfverfassung, die Schaffung neuer, besserer Dorforgane, die Fortschritte der Technik 
und des Marktes, die Hebung der ganzen Intelligenz brachten es endlich in unserem 
Jahrhundert so weit, daß der ganz selbständig gewordene Bauer, der das Rechnen ge— 
lernt hatte, Verständnis für Molkerei-⸗, Maschinen-, An- und Verkaufs-, Darlehns— 
genossenschaften, für Güterzusammenlegung und gemeinsame Meliorationen bekam, daß 
das zur Ortsgemeinde gewordene Dorf auch die modernen Aufgaben des Wege-, Schul-, 
Armenwesens und Ahnliches übernehmen konnte. 
Der pfychologische Umbildungsprozeß von dem alten genossenschaftlichen, ohne 
Erwerbstrieb wirtschaftenden, dann der Grundherrschaft unterworfenen, von ihr vielfach 
gedrückten und dadurch stumpf gewordenen Bauern zum schlauen Egoisten und dann zum 
rechnenden Kleinunternehmer, zum freien Grundbesitzer der neuen Zeit und nun wieder 
Schmoller, Grundriß der Volkswirtschaftslehre. J. 4-6. Aufl. 9
	        

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Begriff. Psychologische Und Sittliche Grundlage. Literatur Und Methode. Land, Leute Und Technik. Die Gesellschaftliche Verfassung Der Volkswirtschaft. Duncker & Humblot, 1901.
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