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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

342 Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft. 
betrugen sie in Griechenland und Italien seinerzeit nicht leicht irgendwo mehr als die 
Hälfte der Freien, wozu freilich noch mannigfach Halbfreie, Metöken, Freigelassene 
kamen. Die Leibeigenen schätzt Grimm schon für das 8.—10. Jahrhundert auf die 
Hälfte der Bevölkerung, später haben sie wohl vielfach vier Fünftel derselben ausgemacht. 
Dabei darf freilich nicht übersehen werden, daß diese Leibeigenen als Klasse mit den 
Sklaven gar nicht vergleichbar sind. Ein großer Teil von ihnen stand viel höher, 
repräsentierte trotz seiner Lasten und Pflichten eine Art Mittelstand, ging später in 
diesen über. Nur die tiefer stehenden Leibeigenen, die, welche mit der Freiheit befitzlos 
wurden, können mit den Sklaven in Vergleich gezogen werden. 
117. Die Entstehung des neueren sreien Arbeiterstandes. Das 
große Problem unserer Tage ist die Entstehung eines breiten Standes mechanischer Lohn⸗ 
arbeiter, die auf Grund freier Verträge ganz oder überwiegend von einem Geldlohn leben, 
den sie durch ihre Arbeit in den Unternehmungen, Familien oder in wechselnder Stel— 
lung verdienen. Wir fragen: wie kommt es, daß mit dem Siege der persönlichen Frei— 
heit nicht bloß in den Ländern der alten Kultur, sondern auch in den europäischen 
Kolonien mit ihrem Bodenüberfluß die alte Zweiteilung der Gesellschaft sich erhielt: in 
eine leitende Minorität, die überwiegend geiftige, und in eine ausführende Majorität, 
die überwiegend mechanische Arbeit versieht? Wer alle Menschen für gleich, das Princip 
der persönlichen Freiheit für ein magisches Mittel zur raschesten Entwickelung aller Körper⸗ 
und Geistesgaben aller Menschen hält, wer die Vorstellung hat, eine allgemeine Besitz⸗ 
ausgleichung hätte, mit der Erteilung der persönlichen Freiheit verknüpft, für immer die 
Klafsengegensätze beseitigt, wer, von den Wundern der heutigen Technik berauscht, annimmt, 
es wäre wirtschaftlicher Überfluß für alle Menschen bei richtiger Verteilung und demo— 
kratischer Organisation von Staat und Volkswirtschaft vorhanden, der kann natürlich 
die große historische Thatsache des modernen Arbeitsverhältnisses nicht richtig verstehen. 
Wer die Dinge historisch auffaßt, wird die Wucht der überlieferten Klassen- und Be— 
fsitzverhältnifse, die Bevölkerungsbewegung, die Notwendigkeit herrschaftlicher Organi⸗ 
sationsformen bei der Entstehung der modernen Institution des freien Arbeitsvertrags 
mit in Rechnung ziehen und begreifen, daß allerdings seine Ausbildung besser und 
schlechter gelingen konnte, da und dort verschiedene Resultate erzeugte; er wird ver— 
stehen, daß er, obwohl von Anfang an ein großer principieller Forischritt, doch erst 
sangsam und durch mancherlei Reformen zu einer befriedigenden Einrichtung werden 
lonnte; der wird es für eine kindliche Täuschung erklären, wenn die Lehre aufgestellt 
wird, ausschließlich boöse, brutale Menschen oder das Gespenst des blutaussaugenden 
Kapitalismus hätten es dahin gebracht, daß einige wenige sich der Arbeitsmittel und 
des Bodens bemächtigt und so die Masse der Bevölkerung enterbt, zu befitzlosen mecha— 
nischen Arbeitern gemacht hätten. 
Schon die Nachwirkung der Leibeigenschaft, in den Kolonien die der Sklaverei, die 
großen Schwierigkeiten der Durchführung der allgemeinen Schulpflicht, die Unmöglich⸗ 
keit, bei der Aufhebung der seudalen Agrarverfassung alle Hörigen mit Besitz auszustatten, 
schuf, wie wir schon sahen, bhreite Schichten wirtschaftlich, technisch und geistis niedrig 
stehender Menschen, welche mit der Freiheit auf irgend eine mechauische Lohnacbeit an— 
zewiesen waren. Sie besaßen nicht die Fähigkeit, auf dem Boden der neuen Technik 
soliert oder genossenschaftlich gewerbliche oder agrarische Betriebe zu schaffen; auch wo 
Bodenüberfluß war, wie in den Kolonien, zogen fie Lohnarbeit dem Leben des Squatters 
im Urwald vor. Die große Menge kleiner Handwerker und Hausindustrieller war 
,benfalls nicht recht fähig, fich aktiv an der neuen Organisation des wirtschaftlichen 
Lebens zu beteiligen. Wo sie verkümmerten, waren sie wie die besitzlosen ländlichen 
Taglöhner auf Arbeit bei der nicht zu großen Zahl von Unternehmern angewiesen, welche 
nach ihren persönlichen Eigenschaften und ihrem Besitz den technischen und organisa— 
torischen Fortschritt in die Hand nehmen konnten. Die gesamten westeuropäischen Staaten 
waren 1750 —1850 nach langer Stagnation wieder in eine Phase des wirtschaftlichen 
Aufschwunges gekommen; aber die überlieferten Klassenabstufungen waren nicht plötzlich 
zu beseitigen. 'Die Bepölkerung blieb nach Rasse, Abstammung, Lebenshaltung, Arbeits—
	        

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