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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

Entstehung und Wesen der Hausindustrie. 425 
noch immer zahlreichen, besonders auf dem Lande, im Gebirge verbreiteten kleinen 
Produzenten, die oft hausierend durch Familienglieder gewerbliche Produkte an anderen 
Orten vertreiben, zur Hausindustrie rechnen soll, ist eine untergeordnete Frage. Ihre 
Zahl ist nicht sehr groß. 
Das Wesentliche der Entstehung dieser Betriebsform ist, daß eine alte hergebrachte 
Technik und Produktionsweise durch Handel und Verkehr einen besseren Absatz erhielt, 
daß ein häuslicher oder handwerksmäßiger Körper einen kaufmännischen Kopf bekam. 
Zwei sociale Klassen, häusliche Produzenten und kaufmännische Vermittler sind auf⸗— 
einander angewiesen: hier Kleinmeister, Bauern, Weiber und Kinder, vielfach bisher Be— 
schäftigungslose, die ohne viel Kapital, ohne viel Arbeitsteilung mit beschränktem 
Gesichtskreis froh sind, mit häuslicher, herkömmlicher Technik etwas zu verdienen und 
dabei in den gewohnten Lebensgeleisen zu bleiben; dort kühne Haufierer, spekulative 
Fuhrleute, kluge und reichere Meister, welche die Produkte ihrer Mitmeister aufkaufen 
und die Jahrmärkte beziehen, hauptsächlich aber lokale Krämer und Kaufleute aus den 
größeren Städten, kurz lauter intelligente und wagende Leute, die mit einem gewissen 
Kapital, hauptsächlich aber durch ihre Marktkenntnis, ihre Zahlungsfähigkeit, ihren Kredit 
und ihre Verbindungen den Absatz schaffen; es sind Perfönlichkeiten, die man im 17. Jahr— 
hundert als die nützlichsten Glieder der Gesellschaft feiert, welche Tausenden Nahrung geben. 
Sie machen die großen Gewinne, steigen empor, werden reich; sie heißen Verleger, weil 
sie Vorschuß, Verlag geben können. Schon weil stets zur Verlegerstellung nur wenige, 
zur Stellung des Heimarbeiters sehr viele brauchbar find, zeigen alle Hausindustrien 
dieselbe sociale Struktur, die je nach dem Überfluß der Arbeitskräfle, ihrer Bildung, ihrem 
Besitz, ihrer örtlichen Zerstreuung, je nach der rechtlichen und sittlichen Ordnung der 
Hausindustrie, je nach der Weite und Schroffheit des Abstandes zwischen Verleger und 
Heimarbeiter, teils ein Bild glücklicher, socialer Organisation, teils ein solches harter, 
wucherischer Ausbeutung bietet. 
Die Hausindustrien sind nicht mehr, wie das Handwerk, lokal überall und gleich— 
mäßig angesiedelt; sie erblühen in einzelnen Städten, Gegenden, Thälern und Gebirgen, 
wo sie guͤnstige Vorbedingungen finden, und vertreiben von da ihre Waren. Eine 
lokale Verkehrs- und Absatzorganisation ist auf eine Anzahl Meilen nötig für das 
Zusammenwirken von Verlegern und Heimarbeitern, eine solche auf Dutzende und 
Hunderte von Meilen für den Warenvertrieb. Im Mittelpunkt sitzen die großen Ver— 
legergeschäfte mit ihren Comptoiren und Warenlagern; sie haben teilweise bereits 
technische Hülfsanstalten, um die Produkte fertig machen, färben, appretieren, zusammen— 
setzen zu lassen, oft Zweigniederlassungen an anderen Orten und Weltteilen. Sie bestellen 
oder kaufen teilweise die Waren nicht bei denen, die sie herstellen, sondern beziehen sie 
von kleinen Verlegern, wie in Remscheid. Oft haben sie reisende Commis, oft Annahme— 
und Abgabestellen in den umliegenden Dörfern; häufig besorgen von ihnen abhängige 
oder selbständige Faktoren (Fercher), Zwischenmeister die Vermittelung zwischen ihnen 
und den Heimarbeitern. Diese sind vielfach harte, wucherische Persönlichkeiten, welche 
die Heimarbeiter ausbeuten, ihnen den Rohstoff zu teuer anrechnen, am Verdienst oder 
Lohn so viel wie möglich abziehen. Das in den Verlegergeschäften angelegte Kapital 
ist wesentlich umlaufendes: Geldkapital, um die Heimarbeiter zu lohnen und fertige 
Waren zu kaufen, Rohstoff, um ihn an die Arbeiter auszugeben. Das Geschäft ist ein 
überwiegend kaufmännisches, beruht ursprünglich ausschließlich auf Wareneinkauf und 
⸗vertrieb, erzeugt also an sich keine näheren persönlichen Bande zwischen den Kontra— 
henten, also auch keine Verpflichtung dauernder Beschäftigung, regelmäßiger Abnahme 
der von den Heimarbeitern hergestellten Waren. Wo Zwischenglieder vermitteln, kennt 
der große Verleger die Dutzende oder Hunderte von Heimarbeitern, die er beschäftigt, 
ar nicht. 
⸗ Dennoch haben sich früher und teilweise auch heute noch patriarchalische Beziehungen 
zwischen Verleger und Heimarbeiter gebildet, die auf eine möglichst gleichmäßige Be— 
schäftigung hinwirkten; bis zur Einsührung der Gewerbefreiheit haben die staatlichen 
Reglements und die Staatsverwaltung mit Energie auf dieses Ziel hingearbeitet. In
	        

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