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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

426 Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft. 
manchen Hausindustrien waren die Verleger entweder allein zu Zünften vereint, oder 
waren sie Zunftgenossen der Heimarbeiter, mußten z. B. in Lyon zehn Jahre Lehrlings— 
aund Gesellenzeit am Webstuhl durchgemacht haben. Diente das da und dort auch zu 
Verabredungen und Maßnahmen im egoistischen Interesse der Verleger, im ganzen 
suchten die Regierungen durch die Organisation und durch die Reglements die Schleuder— 
konkurrenz zu hindern, unanständige Elemente aus dem Kreis der Verleger fern zu 
halten, den Verlegern mancherlei Pflichten gegenüber den Heimarbeitern aufzuerlegen. 
Man köonnte diese früher weit verbreitete Organisation der Hausindustrie ein Mittelding 
zwischen Zunft, Gewerkverein und Kartell nennen. Soweit mit ihnen und durch sie eine 
kartellartige Konkurrenzregulierung entstand, wirkte sie mannigfach wohlthätig; jedem 
zu monopolistischen Treiben der Verleger traten die Regierungen entgegen; oft wurde 
ein UÜberangebot von Arbeitskräften so verhindert. Hauptsächlich dem leicht wucherischen 
Treiben der vermittelnden Faktoren, Garnhändler ꝛc. suchten die Reglements durch 
stonzessionszwang entgegenzutreten; oft mit, oft ohne Erfolg. 
Diese staatlichen Reglements der Hausindustrie sind meist nach Anhörung aller 
Beteiligten von den Regierungen erlassen worden; sie waren für die Hausindustrie, was 
das Zunftrecht für die Handwerke war, was die Arbeiterschutzgesetzgebung für die heutige 
Broßindustrie ist. Wo die Hausindustrie erblühen sollte, mußte zuerst häufig das 
bestehende hindernde Zunftrecht mit seinen veralteten technischen und Betriebsvorschriften 
beseitigt werden; aber dieser gewerbefreiheitlichen Strömung folgte rasch das Bedürfnis 
neuer Ordnung, einer Ordnung, die mehrere Gewerbe, Stadt und Land, ganze Gegenden 
umfaßte, das technische und wirtschaftliche Zusammenwirken so vieler zerstreuter Einzel— 
kräfte und gute reelle Produktion einheitlicher Waren garantierte, die Verleger vor 
Veruntreuung, die Heimarbeiter vor Übervorteilung, Druck und Ausbeutung schützte. 
Als die Großindustrie aber aufkam und die Gewerbefreiheit fiegte, mußten naturgemäß 
die meisten Reglements fallen, weil alle ihre Bestimmungen nur auf die Haus- oder 
Werkstattarbeit zugeschnitten waren, und man diesen zu Liebe die Technik höher stehender 
Fabriken nicht verbieten konnte; einige der Reglements waren auch längst veraltet; viele 
aber hatten sehr segensreich gewirkt, hauptsächlich die Heimarbeiter wesentlich gehoben. 
Die wirklich traurigen Zeiten für die Heimarbeiter begannen allerwärts erst nach ihrer 
Aufhebung im 19. Jahrhundert. 
Ihre wirtschaftliche Lage und ihr Einkommen waren früher und sind heute von 
ihrer Bildung, ihrem Besitz, ihrer stärkeren oder schwächeren Stellung im Konkurrenz- 
kampfe gegenüber den Verlegern und Faktoren abhängig. Wo die Heimarbeiter noch 
nicht verschuldet sind, wo sie auf dem Lande über ein Häuschen und ein Ackerstückchen 
zum Kartoffelbau verfügen, sind sie natürlich in ganz anderer Lage als befitzlose Mieter, 
die verhungern, wenn der Faktor nicht Beschäftigung brinat. Wo die Heimarbeiter 
jelbst noch eine Unternehmerstellung, eventuell anderen Verdienst haben, ihre Arbeit 
oder ihre Waren auch selbst verkaufen, z. B. auf Jahrmärkten vertreiben können, ist ihre 
Lage ebenfalls noch besser, als wo ihre zerstreute Lage, ihre Marktunkenntnis, ihre 
Unfähigkeit zu anderer Arbeit sie ganz vom Verleger abhängig macht. Je höher ihre 
technische Kunst steht, desto weniger haben sie bei jeder Haussekonjunktur zu fürchten, 
daß alle möglichen Kräfte sich ihrer Beschäftigung zuwenden. Wo sie, wie in den aus 
dem Handwerk entstandenen Hausindustrien, noch Werkzeuge eigen haben, den Rohstoff 
einkaufen, ein fertiges Produkt verkaufen (Kaufsystem), ist ihre Lage natürlich im Durch⸗ 
schnitt befser, weil unabhängiger, als wo sie für den Webstuhl teure Miete zahlen, den 
Rohstoff geliefert und angerechnet bekommen, das fertige Produkt gegen Lohn abliefern 
Lohnsystem). Letzteres ist neuerdings das Häufigere: hier verlegt der Verleger die 
Heimarbeiter in der That mit dem Rohstoff, dieser ist Lohnarbeiter desselben, obwohl 
er in seiner Wohnung arbeitet. Wo der Verleger dieses System geschaffen hat, die 
Heimarbeiter nach seinen Mustern seinen Rohstoff verarbeiten, da kanu man allenfalls 
die Hausindustrie decentralifierten Großbetrieb nennen; besser scheint es, diesen Begriff 
auf die gewerblichen Betriebe zu beschräͤnken, welche den Arbeiter aus seiner Wohnung 
und Werkstatt in die des Arbeitgebers versetzen.
	        

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