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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

438 Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft. 
die Freizügigkeit, bald auch die Lohnkämpfe, die Sitte, rücksichtslos überflüssige Arbeits— 
kräfte zu entlassen, erzeugten in steigendem Maße die Auflösung der alten menschlichen 
Beziehungen zwischen Arbeitgeber und tnehmer, zumal in den Groß- und Fabrikstädten. 
Das patriarchalische Verhältnis wurde durch das rein geschäftliche Vertragsverhältnis 
abgelöst. Die sympathischen Gefühle in der oberen Schicht, die der hingebenden Treue 
und Unterordnung in der unteren wurden seltener. Die Härte der Disciplin mußte 
mit der Größe der Geschäfte wachsen und zerstörte die alten Beziehungen. Andererseits 
wuchs das Selbstbewußtsein der Arbeiter mit der Schulbildung, mit dem Vereinsrecht 
und der Vereinsbildung, dem Wahlrecht, der ganzen politisch-liberalen und radikalen 
Atmosphäre der Zeit; Gefühle der Bitterkeit über geringen Lohn und demütigende 
Behandlung entstanden in breiten Schichten des Arbeiterstandes. Die Arbeiter wollten 
keine Wohlthaten mehr, sondern ihr gutes Recht, das sie in besserem Lohn, kürzerer 
Arbeitszeit, in ihrer Organifation, in ihrem Mitreden beim Arbeitsvertrag sahen. 
Betonte man ihnen gegenüber die Vorzüge des patriarchalischen Systems, erklärte man 
gar, der Unternehmer habe in der Fabrik dasselbe Hausrecht wie der Familienvater im 
Haufe, so fanden die Arbeiter nicht mit Unrecht, daß die Zeiten sich geändert, daß eine 
Fabrik mit 1000 Arbeitern keine Familienstube sei, daß für viele Arbeitgeber das Lob 
des patriarchalischen Systems nur eine unwahre Phrase sei. 
Immer werden auch heute alle kleinen Geschaͤfte gewisse patriarchalische Züge 
behalten, weil sie in der Natur der Sache liegen, weun Menschen im engssen Kreise sich 
täglich menschlich berühren. Und auch aus den großen Unternehmungen wird das 
System nicht ganz verschwinden. Auf dem platten Lande, auf jedem isoliert liegenden 
Gutshof, im Gebirge, auf allen einsam liegenden Großbetrieben, überall, wo sehr hoch 
stehende, edle und humane Unternehmer einer wenig entwickelten Arbeiterschaft gegen— 
über stehen, wo Arbeitgeber und Arbeiter noch Nachbarn sind, sich genau persoönlich 
kennen, in einem kleinen Gemeindeverbande durch die Aufgaben der Kirche, Schule, 
Armen- und Krankenpflege täglich menschlich zusammengeführt werden, da wird auch 
heute viel von der patriarchalischen Verfassung des Großbetriebes sich erhalten, da wird 
eine andere Verfassung gar nicht möglich sein, da wird das patriarchalische System gut 
wirken, d. h. die Arbeiter moralisch, intellektuell, technisch und wirtschaftlich heben und 
erziehen, das Zusammenarbeiten von beiden socialen Schichten fördern und erleichtern. 
Wo aber diese Bedingungen verschwunden sind oder nie vorhanden waren, wie 
in den meisten Industriegegenden und in den großen Städten, wo das demokratische 
Selbstbewußtfein der Arbeiter durch geistige und wirtschaftliche Hebung gestiegen ist, 
wo die Unternehmer durch allerlei Geschäfte überhäuft oder vornehme Kavaliere geworden 
ind, welche dem Sport leben, Rennställe halten, den größeren Teil des Jahres in der 
Hauptstadt oder an der Riviera leben, da muß es verschwinden, da müssen andere 
rechtliche Beziehungen entstehen, andere psychologische Faktoren in Thätigkeit treten. 
Die Verfassung des Großbetriebes, die nun entsteht, ist mit dem Schlagwort des 
freien Arbeitsvertrages und der privatrechtlichen Gleichheit der Kontrahenten freilich 
aoch nicht charakterisiert. Ebenso wenig ist die Verweisung auf den socialen Kampf 
wischen Unternehmer und Arbeiter, so wenig sich dieser vermeiden läßt, mehr als ein 
Verlegenheitstrost; denn es fragt sich eben, zu was man durch den Kampf komme. Und 
die socialdemokratische Hoffnung, daß die Arbeiter siegen, die Unternehmer beherrschen 
oder beseitigen, alle Großbetriebe sich in socialistische oder staatliche Organisationen ver— 
wandeln werden, ist eine pfychologische Utopie. Es handelt sich darum, welche sociale 
und rechtliche Ordnung die Großbetriebe unter der Voraussetzung der heutigen wenn 
auch gemilderten Klassengegensätze erhalten werden, also unter der Voraussetzung, daß 
die höhere Klasse im ganzen die technische und kaufmännische Leitung, die untere die 
ausführende Arbeit behalte, daß eine herrschaftliche Organisation vorherrschend bleibe, 
und das Eigentum der Besitzenden in der Form des Privat- oder Aktienkapitals nicht 
verschwinde, sondern nur auf eine größere Zahl von Interessenten sich verteile. 
Wer davon ausgeht, daß mit diesen Voraussetzungen in den nächsten Generationen 
zu rechnen sei, aber zugleich die Schattenseiten und Gefahren der jetzigen Großbetriebs—
	        

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Begriff. Psychologische Und Sittliche Grundlage. Literatur Und Methode. Land, Leute Und Technik. Die Gesellschaftliche Verfassung Der Volkswirtschaft. Duncker & Humblot, 1901.
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