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Völkerrecht und Landesrecht

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Bibliographic data

fullscreen: Völkerrecht und Landesrecht

Monograph

Identifikator:
189206295X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-239471
Document type:
Monograph
Author:
Triepel, Heinrich http://d-nb.info/gnd/117417920
Title:
Völkerrecht und Landesrecht
Place of publication:
Tübingen
Publisher:
Mohr Siebeck
Year of publication:
1907
Scope:
XII, 452 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Kapitel. Völkerrecht und Landesrecht als Gegensätze
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Völkerrecht und Landesrecht
  • Title page
  • Contents
  • Erstes Kapitel. Völkerrecht und Landesrecht als Gegensätze
  • Zweites Kapitel. Das Verhältniss der Rechtssätze
  • Drittes Kapitel. Das Verhältniss der Rechtsquellen
  • Sachregister

Full text

— 197 — 
Wie verhält es sich aber mit dem Landesgewohnheits- 
rechte? Ich muss auch hier der Versuchung widerstehen, in eine 
Erörterung der so viel umstrittenen Natur dieses Rechts einzu- 
‚reten. Ich bin sehr geneigt, in ihm, soweit es überhaupt Recht 
und nicht blosse Sitte ist, ein staatliches, d. h. auf der Autorität 
des Staatswillens beruhendes und nur in der Form der Bildung 
seines Inhalts vom Gesetzesrechte verschiedenes Recht zu sehen. 
Wäre dies der Fall, so könnte sein Verhältniss zum Völkerrechte 
zweifellos kein anderes sein als das des Gesetzesrechts. Aber 
auch wenn man das nicht zugeben mag, wird man doch auf 
keinem Wege dazu gelangen, aus einer landesrechtlichen Ge- 
wohnheit Völkerrecht hervorgehen zu lassen, so lange man 
daran festhält, dass Völkerrecht nur ein die Staaten 
als solche bindendes Recht bedeutet. Zugegeben, dass 
ein durch irgendwelche gleiche Interessen‘ zusammengehaltener 
Theil der Gesellschaft ohne Zuthun der Staatsgewalt aus sich 
heraus Recht erzeugen könne. Wie sollte dies ein Recht sein, 
das für mehrere Staaten Kraft besässe? Nun liesse sich, wie ich 
sbenfalls einmal einräumen will, ein Gewohnheitsrecht denken, 
das einer Rechtsbildung in einem über die Grenzen eines Staates 
binausgehenden Gesellschaftskreise entspränge, z. B. ein „allge- 
meines“ Gewohnheitsrecht der Kaufleute, Seefahrer, Versicherungs- 
zesellschaften u. s. w. Aber das wäre doch noch längst kein 
Völkerrecht, Solange nicht auf dem Wege besonderer Völ- 
kerrechtsbildung den einzelnen Staaten zur Pflicht gemacht 
worden ist, die Beachtung solchen „allgemeinen“ Individual- 
rechts, sei es durch Gesetze entsprechenden Inhalts, sei es durch 
irgendwie geformte Anweisung an ihre Gerichte zu sichern, so 
lange hat jenes Individualgewohnheitsrecht mit dem Völkerrechte 
nichts zu schaffen.') Aber auch dann hat, wie ich im Anschlusse 
1) Umgekehrt ersetzt auch das sog. Völkergewohnheitsrecht nicht die 
Aktion der Landesrechtsquelle. Klöppel, Die leitenden Grundsätze des inter- 
nationalen Privatrechts. Böhm’s Zeitschr. I S. 46f. sagt: „Gerade in der hier 
‘Taglichen Beziehung (nämlich hinsichtlich der Anwendung fremden Rechts 
Jurch den Landesrichter, der sich dabei im Mangel gesetzlicher Anweisung 
an das sogenannte Gewohnheitsrecht zu halten habe) ist die völkerrecht- 
liche Gewohnheit, die als solche allerdings nur Staat gegen Staat binden 
Würde, nothwendig zugleich Gewohnheitsrecht jedes einzelnen 
Staats der Völkerrechtsgemeinschaft, da sie nur mittels der Rechtsprechungs- 
Drgane aller dieser Staaten sich bethätigen kann‘“. Das lässt einen gewiss
	        

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Völkerrecht Und Landesrecht. Mohr Siebeck, 1907.
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