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Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

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Bibliographic data

fullscreen: Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

Multivolume work

Identifikator:
1896404200
Document type:
Multivolume work
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1896404294
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236881
Document type:
Volume
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Volume count:
Bd. 2
Place of publication:
Leipzig [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904
Scope:
1184 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
II. Zivilrecht (Fortsetzung)
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft
  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)
  • Title page
  • Contents
  • II. Zivilrecht (Fortsetzung)
  • III. Strafrecht
  • IV. Öffentliches Recht
  • Namen- und Sachregister

Full text

192 
II. Zivilrecht. 
hüten, wenn er die Aufforderung nicht stillschweigend hingehen ließ, sondern die ge— 
cichtliche Entscheidung anrief: dann kam es zum Prozeß, und die Sache wurde in ge— 
wöhnlicher Weise erledigt. Dieses Verfahren hat Durantis in seinem Speculum und 
haben auch die Postglossatoren übernommen, und es ist von da in die italienische und 
in die deutsche Praxis übergegangen. 
So wurde es nun auch von verschiedenen modernen Prozeßgesetzen“ aus— 
gebildet, so auch von der deutschen 8.P.O. Dem französischen Rechte ist es fremd ge— 
Zlieben; eigenartig hat es sich in England entwickelt?. 
Der Kläger hat hier also ein Gebot zu begehren; dieses Gebot nennt man heut— 
zutage Zahlungsbefehl. Der Zahlungsbefehl hat nicht eiwa den Charakter eines Urteils, 
auch nicht eines bedingten Urteils, denn er präjudiziert der weiteren gerichtlichen Ent— 
scheidung nicht?. Vielmehr ist er ein Beschluß, welcher eine gewisse Rechtslage herbei— 
fuͤhrt; die Rechtslage nämlich, daß unter bestimmten Umständen der Beklagte dem Ge— 
hole entsprechend verurteilt werden kann. Diese Umstände sind, daß er in der be— 
stimmten Frist — im Zweifel ist es eine Woche (früher waren es zwei Wochen) — 
keinen Widerspruch entgegengesetzt hat, und daß der Richter den Klageanspruch als zum 
Mahnverfahren geeignet erachtet. Der Zahlungsbefehl ist daher ein Beschluß eigener Art, 
entsprechend der Eigenart des ganzen Verfahrens; er ist ein Beschluß mit Zwangswirkung, 
insofern, als er den Beklagten bei schweren Folgen zwingt, aus seiner Zurückhaltung 
herauszugehen und sich zu erklären: dies ist aber völlig germanisch, denn der deutsche 
Richter kann nach unserer Auffassung die Volksgenossen aufrütteln, wie noch unten 
S. 200 f.) auszuführen sein wird. 
Ursprünglich führte das Mahnverfahren. nur zur Vollstreckung, nicht zur Fest⸗ 
ttellung; auf Grund des Nichtwiderspruchs wurde vollstreckt; über die Schuld konnte 
anderwärts gestritten werden. Ein gewisser Umschwung vollzog sich in Deutschland, als 
Schriftsteller des Kammergerichtsprozesses die Theorie des mandatum eum und sine 
Inabula aufstellten, wobei man eine gewisse Sachprüfung des Richters verlangte, auch 
im Fall des Widerspruchs ein besonderes Verfahren eintreten ließ“. So bildete sich der 
Gedanke, daß im Fall des Nichtwiderspruchs nicht bloß Vollstreckung, sondern auch Fest— 
tellung eintrete, und diese Gestaltung hat im neuen Recht überwogen?; sie findet sich 
in Partikulargefetzen des 19. Jahrhunderts, z. B. in der badischen 8.P. O., und so auch 
in dem Reichszivilprozeß. Diese Entwicklung hat es nötig gemacht, daß eine besondere 
richterliche Tätigkeit eingeschoben wurde, der Vollstreckungsbefehl (seinerzeit in Baden 
Liquiderkenntnis genannt), der die richterliche Feststellung brachte und den Charakter 
eines Urteils annahm. Von ihm aus erst sollte auch die Vollstreckung möglich sein. 
Nach unserer 8.P.O. ist das Verfahren statthaft bei Ansprüchen auf Geld oder 
vertretbare Sachen und zwar auf eine bestimmte Summe oder Quantität (also nicht 
ewa auf einen Betrag nach Ermessen eines Dritten oder nach Ermessen des Richters). 
Der Anspruch kann auch ein Anspruch zu Gunsten eines Dritten sein, und auch jemand, 
der nicht für sich, sondern für einen Dritten anspruchsberechtigt ist, kann sich des Mahn— 
berfahrens bedienen, vorausgesetzt, daß die Person des Leistungsempfängers individuell 
zestimmt wird und nicht erst durch Wahl oder Ermessen bestimmt werden muß. 
Obuůgatorisch braucht der Anspruch nicht zu sein, er kann auch auf einem Wertrecht 
Grundfschuld, Hypothek) beruhen (K 688 f. 3. P. O.). 
Nach den Irrgängen des gemeinrechtlichen NMandatum evm clausula, welches damit, daß 
es eine Bescheinigung des Antrags verlangte, die ganze Einrichtung entstellte; wobei man sich in 
Hchster geschichtlicher Naivität auf das Interdiktverfahren als seine Quelle berief. Es waren die 
Zeiten des tiefsten Niedergangs unserer Prozeßentwicklung. Was insbesondere hierüber Hieronymus 
Bayer u. a. geschrieben art ift mehr als schülerhaft. 
2 Völlig gus deutschrechtlichen Ideen heraus; über diesen writ of special indorsement voul. 
Brozeßrechtliche Forschungen S. 186f. 
Brodʒeßrechtliche uns. 181. 
Reichsabsch. 1594 8 80, Ihcger 81. 
über die Eniwicklung in Mreußen vgl. Koch, Preuß. Zivilprozeß S. 728 f.
	        

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Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung. Gaertner, 1902.
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