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Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

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Bibliographic data

fullscreen: Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

Multivolume work

Identifikator:
1896404200
Document type:
Multivolume work
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1896404294
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236881
Document type:
Volume
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Volume count:
Bd. 2
Place of publication:
Leipzig [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904
Scope:
1184 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
IV. Öffentliches Recht
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft
  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)
  • Title page
  • Contents
  • II. Zivilrecht (Fortsetzung)
  • III. Strafrecht
  • IV. Öffentliches Recht
  • Namen- und Sachregister

Full text

1. G. Anschütz, Deutsches Staatsrecht. 
521 
gewicht jedes Einzelstaates im Bundesrate nach seiner Größe und politischen Bedeutung 
abgewogen sein soll — zur Geltung. J 
Wahrhafte Sonderrechte, Privilegien im Rechtssinne kennt die Reichsverfassung 
nur in Gestalt einmal der „Reservatrechte“ (Art. 78 Abs. 2 R.V.) uͤnd sodanß 
der ganz singulären vertrags mäßigen Sonderrechte. 
1. Mit dem — von der R.V. selbst nicht angewandten — Ausdruck „Reservat— 
rechte“ bezeichnet der Sprachgebrauch der staatsrechtlichen Literatur und des politischen 
Lebens diejenigen Staatenrechte, welche Art. 78 Abs. 2 R.V. mit der Wendung „be⸗— 
stimmte Rechte einzelner Bundesstaaten in deren Verhältnis zur Ge— 
samtheit“ umschreibt, und denen dort ein erhöhter Schutz gewährt ist durch die An— 
ordnung, daß die Verfassungsvorschriften, auf welchen dergleichen Rechte beruhen, nicht 
im Wege des gewöhnlichen Verfassungsänderungsverfahrens (Art. 78 Abs. 1), sondern 
nur durch ein „mit Zustimmung des berechtigten Bundesstaates“ erlassenes verfassungs⸗ 
inderndes Reichsgesetz abgeändert werden können. Im Hinblick auf die Tragweite dieser 
besonderen Erschwerung gewisser Verfassungsänderungen ist es von großer praktischer Be— 
deutung, festzustellen, welche Rechte und Verfassungsvorschriften Art. 78 Abs. 2meint. 
Die Frage ist bestritten. Während die eine Meinung (szuerst aufgestellt von dem 
sächsischen Minister Frhr. v. Friesen, in der Literatur vertreten durch Laband und 
o. Seydel; !vgl. G. Meyer, Staatsr. 8 164 Anm. 19) den Schutz des Art. 78 
Abs. 2 auf sämtliche objektive Ungleichheiten im Bestande der Staatenrechte erstrecken und 
insbesondere auch das Recht jedes Einzelstaates auf die ihm durch Art. 6 R. V. verliehene 
Stimmenzahl im Bundesrate hierher beziehen will, haben andere —G. Meyer, Haenel, 
Zorn, Jellinek (vgl. die näheren Angaben bei G. Meyer a. a. O.) — sich im 
wesentlichen dahin geeinigt, daß Art. 78 Abs. 2 nur solche Vorschriften der Reichs- 
perfassung (dieser selbst, nicht anderer Reichsgesetze!) im Sinne habe, welche Privi— 
legierungen im Gebiete der negativen Staatenrechte (oben S. 519, erste Gruppe) ge— 
währen, welche m. a. W. durch singuläre Erweiterungen der reichsfreien Sphäre für ge— 
wisse Einzelstaaten Exemtionen von der gemeingültigen Reichskompetenz! begründen. 
Dieser leßteren Meinung dürfte beizupflichten sein. Und zwar aus Gründen, die sich 
einerseits aus der Entstehungsgeschichte, anderseits aus dem Wortlaut und dem allgemeinen 
Charakter der Bestimmung des Art. 78 Abs. 2 R.V. ergeben. 
Die Entstehungsgeschichte des Art. 78 Abs. 2 R.V. geht auf die November— 
berträge, genauer bis auf das Schlußprotokoll zu dem mit Baden und Hessen ge— 
schlossenen Vertrage vom 15. November 1870 (oben S. 808) zurück. Der norddeutschen 
Bundesverfassung war eine gleich oder ähnlichlautende Vorschrift fremd, eine Tatsache, 
die sich jedenfalls dann zwanglos und einfach erklärt, wenn man annimmt, daß sich Art. 78, 
Abs. 2Nauf Rechte beziehe, welche der Norddeutsche Bund nicht oder doch nur in ver— 
schwindendem Maße kannte, d. h. eben auf die Privilegierungen der reichsfreien Sphäre, 
die Crxemtionen. Die einzige Exemtion, welche der Text der nordd. B.V. (Art. 34) 
bewilligt, ist das Recht der Hansestädte auf Ausschluß vom Bundeszollgebiete; eine all⸗ 
gemeine Schutzvorschrift fur Exemtionen nach Art des nachmaligen Art.'78 Abs. 2 
wäre daher damals gegenstandslos gewesen (die hanseatische Exemtion war durch die 
auch in die R. V. übergegangene Besimmung geschützt, daß sie so lange bestehen solle, 
bis die freien Städte selbst ihre Aufhebung beantragen würden). Erst mit der Er— 
weiterung des Norddeutschen Bundes zum Reiche erschienen, durchweg als Zugeständnisse 
an die neu eintretenden süddeutschen Staaten, ganz besonders an Bayern, Exemtionen 
in größerer Anzahl und Bedeutung: die Südstaaten“, reserbierten“ sich bei ihrem Eintritt 
in das Reich gewisse, normalerweise dem Reiche anheimfallende Stücke ihrer Kompetenz: 
RKeservate, welche ihnen von seiten der Reichsgewalt als Ausnahme— und Sonderrechte 
bewilligt wurden. Nur auf diese Exemtionen bezieht sich die zuerst, wie erwähnt, in 
dem badisch-hessischen Schlußprotokoll' auftauchende. vann' als Art. 78 Abs. 2 n “den 
Oben 8 11, III.
	        

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Encyklopädie Der Rechtswissenschaft. Duncker & Humblot [u.a.], 1904.
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