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Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

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Bibliographic data

fullscreen: Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

Multivolume work

Identifikator:
1896404200
Document type:
Multivolume work
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1896404294
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236881
Document type:
Volume
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Volume count:
Bd. 2
Place of publication:
Leipzig [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904
Scope:
1184 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
IV. Öffentliches Recht
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft
  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)
  • Title page
  • Contents
  • II. Zivilrecht (Fortsetzung)
  • III. Strafrecht
  • IV. Öffentliches Recht
  • Namen- und Sachregister

Full text

380 IV. ffentliches Recht. 
hoheit ermöglichte. Wird erst die Überzeugung davon allgemein werden, daß Verschieden⸗ 
heit des Glaubens, des Kultus und auch der kirchlichen Einrichtungen, weit entfernt, ein 
nationales Unglück zu sein, im Rahmen eines konfessionell neutralen, starken Staats in 
Wahrheit eine Quelle gegenfeitiger Förderung und kultureller Überlegenheit zu sein 
vermag, so werden im laufenden Jahrhundert auch die konfessionelle Verbitterung und 
andere, unvermeidliche, aber üble Folgen siegreich überwunden werden, welche die kirchen⸗ 
volitischen Kämpfe der Vergangenheit zurüuckgelasfen haben. 
Gerlach, Das Verhaältnis des preußischen Staates zu der katholischen Kirche?, 1867; Duhr, 
Aktenstücke zur Geschichte der Jesuitenmissionen in Deutschland (141872) 19083; Friedberg, 
Die Grundlagen der preußischen Kirchenpolitik unter Friedrich Wilhelm IV. 1882; Finke, Zur Er— 
nerung an Kardinal Melchior von Diepenbrock (1798- 1878), 1888 auch in Z. des westfäl. Gesch.⸗ 
Vereins; Hinf chius, Die Stellung der deutschen Staatsregierungen gegenüber den Beschlüssen des 
vatikanischen Konzils, 1871 Friedberg, DTas deutsche Reich und die katholische Kirche, in Holtzen⸗ 
dorffs Jahrbuch fur Gesetzgebung J, 18717 Gareis, Irrlehren über den Kulturkampf, 1876; Hahn, 
Beschichte des Kulturkampfs, 1881; Schulte, Geschichte des Kulturkampfs in Preußen, 1882; 
Siegfried, Aktenstücke betr. den preußischen Kulturkainpf, 1882 b. Baxr, Staat und katholische 
dirche in Preußen, 18883; Bachem, Preußen und die katholische Kirche“, 1875; Wendt, Darstellung 
der —— 8 in ihrer Gültigkeit nach dem Friedensschluß, 1887; Mejer, Zur Naturgeschichte 
des Centrums, 1882* Braum, Die Kirchenpolitik der deutschen Katholiken (seit 1848), 1899 
8 43. Die Spiritualifierung des Kirchenrechts. 
Die kirchenrechtliche Arbeit des 19. Jahrhunderts erschöpfte sich auch auf katholischem 
Gebiet keineswegs in der bloßen Reproduktion. Im einzelnen fehlte es ja nicht an Rück⸗ 
fällen ins Mittelalter. So, wenn Pius IX. am 22. Juni 1868 das österreichische Staats⸗ 
zrundgesetz vom 21. Dezember 1867, welches das Konkordat von 185 zum Teil beseitigt 
hatten, feierlich verdammte, oder durch die Enzyklika Quod nunquam vom 5. Februar 1875 
die preußischen Maigesetze kurzweg für ungültig erklärte, oder gar am 8. Dezember 1864 als 
Anhang zur Enzyklika Quanta cura einen Syllabus complectens praecipuos nostrae aetatis 
2rrores veröffentlichte, der in 81 (übrigens schon bei auderer Gelegenheit ausgesprochenen) 
Sätzen so ziemlich alle Errungenschaften unserer Zeit, darunter Hauptgrundsätze 
des geltenden Staatsrechts, anathematisierte. Diese Alte erhielten gerade nur so 
veit Bedeutung, als maͤn es für nötig fand, sich für oder wider sie zu erregen; 
draktisch haben sie weder das Verhältnis von Kirche und Staat noch auch das Kirchen⸗ 
recht selbst irgendwie beeinflußt. Dagegen vollzog sich, zunächst in aller Stille, ein 
olgenschwerer Umschwung in anderer Richtung. Seit Beginn ves Jahrhunderts wurde 
)as Schwergewicht der kirchlichen Macht langsam, aber sicher in das spirituelle Gebiet 
zinübergerückt, ein Prozeß, der sich beschleunigte, als die Kirche — nicht durch eigenes 
Verdienst, sondern im Gegenteil sehr wider ihren Willen — des letzten temporellen Ballasts 
in Gestalt des ihr Ansehen schwer schädigenden Kirchenstaates stuͤckweise entledigt wurde, 
bis das Temporale an 20. September 1870 von der Landkarte verschwand. Die 
mmer wiederholten Proteste dagegen (z. B. Enzyklika Respicientes vom 1. November 
870) vermögen nicht Uber den Gewinn hinwegzutauschen, welchen die Kurie mit größtem 
Geschick aus dieser Enttemporalisierung zu giehen verstand. Man lernte eben nach und 
nach doch einsehen, daß es heutzutage einer potestas direta und eines oie diroetum 
nicht mehr bedürfe, um ein gewichtiges Wort in katholischem Sinn mitzusprechen, da ja 
der konstitutionelle Rechtsstaat in Gestalt der Gewissens⸗ und Kultusfreiheit, des Ver—⸗ 
ammlungs-, Vereins— und parlamentarischen Wahlrechts selbst die Mittel zur Verfügung 
tellt — und wenn er sich nicht selbst aufheben will, zur Verfügung stellen muß —, die 
es jeder, also auch der katholischen Weltanschauung ermöglichen, sich politisch zur Geltung 
zu bringen. Und anderfeins bertanne un nicht. daß nunmehr eine Zeit gekommen sei, 
die für geistige Macht ein vollc Verständnis befitzt; lehrte doch die Geschichte der Neuzeit 
mit ihren Staatgumwälzungen beredt, wie auch äußere Machtmittel heutzutage gerade 
nur so weit reichen als der Glaube an ihren Träger. Diese geistige Macht galt es zu 
Die völlige staatsgesetzliche Beseitigung ersolgte am 7. Mai 1874
	        

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Encyklopädie Der Rechtswissenschaft. Duncker & Humblot [u.a.], 1904.
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