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Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

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Bibliographic data

fullscreen: Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

Multivolume work

Identifikator:
1896404200
Document type:
Multivolume work
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1896404294
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236881
Document type:
Volume
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Volume count:
Bd. 2
Place of publication:
Leipzig [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904
Scope:
1184 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
IV. Öffentliches Recht
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft
  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)
  • Title page
  • Contents
  • II. Zivilrecht (Fortsetzung)
  • III. Strafrecht
  • IV. Öffentliches Recht
  • Namen- und Sachregister

Full text

390 IV. ffentliches Recht. 
Ordnung auch der kirchlichen Angelegenheiten sorgen; ihnen wollte — um es kanonistisch 
auszudrücken — Luther das geistliche Schwert wenigsiens in dominium utile oder aäa 
ministorium, zur Ausübung im Dienst der Kirche, übertragen wissen. Aber sie sollten 
hierfür stets den Rat der Theologen, wenn auch nicht mit rechtlicher Verbindlichkeit, an⸗ 
hören und möglichst befolgen (dominierender Einfluß der Wittenberger Theologen, maiores 
Wittenborgensis genannt). Und vor allem in Sachen der Lehre und der Sakraments- 
derwaltung sollten nur die geistlichen Organe zuständig sein, ein Vorbehalt, der allerdings 
von den Regierungen oft genug nicht beachtet worden ist. Mit alledem arbeitete Luther 
nit auf das landesherrliche Kirchenregiment hin, das ohnedies der Zeitrichtung entsprach 
ind immer mehr als notwendig sich erwies mitsamt seinen Luther sonst wenig sympathischen 
Juristen. Im weiteren Verfolg einer schon in der Schrift: „An den christlichen Adel“ aus⸗ 
zgesprochenen Aufforderung ersuchte er Ende 1526 den Kurfürsten Johann von Sachsen, 
da päpstlicher und geistlicher Zwang und Ordnung aus sei“, und alle Klöster und Stifter 
dem Kurfürsten als dem „obersten Haupt“ in die Hände gefallen, in aller Form um Vornahme 
iner Kirchen? und Schulvisitation. Damit begannen die sächsischen Kirchenvisitationen, 
ür deren erste schon 1527 eine kurfürstliche Instruktion ausgegeben wurde, die nament⸗ 
lich die Reform von Pfarr- und Schuldienst, das kirchliche Vermögen und die Aufficht 
zum Gegenstand hatte. 
v. Scheurl, Luthers Lehre von der kirchlichen Gewalt, in s. S. kr. A.; Dieckhoff, Luthers 
Lehre von der kirchlichen Gewalt, 18663 Sohm, Kr. ĩ 8 3436; Beß, Luther und das landes— 
herrliche Kirchenregiment, 1894; Brieger, Die kirchliche Gewalt der Obrigkeit nach der Anschauung 
Luthers, Z. Th. K. II, 1882; Brandeaburg, Zur Entstehung des landesherrlichen Kirchenregimentes 
m albertinischen Sachsen, H. B. IV, 1901; Sorenz, Luthers Einfluß auf die Enlwicklung des ebange⸗ 
lischen Kirchenregiments, 1891; Katzer, Die Kircheninspektionen der sächfischen e eese 
eie in Z.f. Kg. XXIII. 1902: Burkhardt, Geschichte der sächfifchen Kirchen⸗ und Schulvisita⸗ 
ionen. 1879 
3. Superintendenten und Konsistorien. Für die Aufsicht über die 
Beistlichen wurden aus der Mitte derselben Superattendenten (superintendens hergebrachte 
Übersetzung von riouonoç) bestellt (erster 1026 in Stralsund), denen auch, in schwierigen 
Fällen im Verein mit den Amtmännern, den Ortspfarrern und Gelehrten, die Ehesachen 
iberlassen waren, während bei besonderer Wichtigkeit der Kurfürst selbst zu entscheiden 
hatte. Die Superattendenten standen unter den Visitatoren, für die Melanchthon 1528 
ꝛin eigentliches Visitationsbuch „Unterricht der Visitatoren“ verfaßte. Bald begegnen die 
Visitationen (vier für die vier Kreise) als ordentliche Einrichtung des kursächsischen Kirchen— 
wesens. Aber auf die Dauer genügten diese nichtstaͤndigen Behörden nicht. Namentlich für 
die Eherechtspflege bedurfte man ständiger Behörden; denn die Überlafsung der Ehefachen 
an die einzelnen Superattendenten erwies sich auf die Dauer als untunlich. Also wurde 
zunächst „jum Anfang“ 1539 in Wittenberg ein Konsistorium eröffnet, für das 1542 ein 
nie zum Gesetz erhobener, tatsächlich aber befolgter Entwurf einer Konsistorialordnung 
entstand. Das Konsistorium, dessen Mitglieder zwei Theologen (Justus Jonas und 
Johann Agricola) und zwei Doktoren der Rechte (Kilian Goldstein und Basilius Monner) 
als juristische Sachverständige (nicht als Laienvertetung!), vom Kurfürsten ernannt 
wurden, war zunächst eine landesherrliche Behörde für die Kirche als besonderes Arbeits⸗ 
gebiet der landesherrlichen Verwaltiung, wenn es auch historisch an Stelle der weggefallenen 
bischöflichen Gerichtsbehörde (Eonsistorium) trat und darum den Zeitgenossen als kirchliche 
Amts stelle galt. Nachdem sodann der von Herzog Moritz für das albertinische Sachsen 
zemachte Versuch, die bischöfliche Organisation beizubehalten, gescheitert war, erfolgte 1650 
zuch in Leipzig die Errichtung eines Konsistoriums, indes General-, Partikular- und 
Lokalvisitationen an Ort uͤnd Stelle nebst Visitationssenden am Wohnort des Visitators 
6ynodi) weiter abgehalten wurden Endlich gab Kurfürst August der sächsischen Kirche 
die endgültige, auch im erneftinischen Sachfen rezipierte Organisation, indem er 1580 über 
den Spezial⸗)Superintendenten Generalsuperintendenten für das ganze Land bestellte 
ein Wittenberger schon seit 1633, daneben ein Leipziger) und von dendrei Konsistorien 
zu Wittenberg, Leipzig und Meißen daß letztere unter gleichzeitiger Verlegung nach Dresden 
den beiden anderen als Oberkonsistöriun überordnete. Bei ihm sollten sich auch die
	        

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Encyklopädie Der Rechtswissenschaft. Duncker & Humblot [u.a.], 1904.
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