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Die Entwicklung der Weißgerberei

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Bibliographic data

fullscreen: Die Entwicklung der Weißgerberei

Monograph

Identifikator:
883887894
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-6560
Document type:
Monograph
Author:
Ebert, Georg
Title:
Die Entwicklung der Weißgerberei
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
A. Deichert'sche Verlagsbuchhandlung
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XL, 408 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
2.Teil. Die Produktionsprinzipien
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Entwicklung der Weißgerberei
  • Title page
  • Contents
  • 1.Teil. Die Rohstoffe
  • 2.Teil. Die Produktionsprinzipien
  • 3.Teil. Die ökonomische Gestaltung der Weißgerberei
  • 4.Teil. Die topographischen und hygienischen Verhältnisse der Weißgerberei
  • 5.Teil. Der Markt

Full text

107 
gebraucht" 1 ). Wir sehen also aus diesen Zitaten, auf deren fast über 
einstimmenden Wortlaut trotz so großer dazwischenliegender Zeiträume 
ausdrücklich hingewiesen sei, vor allen Dingen, daß sich die Ansichten 
seit Galen, welcher auch wieder nur alte überkommene Anschauungen 
zusammengefaßt hatte, bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts nicht 
geändert haben; wir erkennen also auch für den Fall der Gerberei die 
ungeheuere Kontinuität der Ideen, die Fortexistenz des Prinzips, welches 
nur einmal gezeugt wird und von hier aus sich weiter entwickelt. Der 
Zusammenhang zwischen Alaun und den vegetabilischen Gerbstoffen wird 
hier erst nach einigen tausend Jahren klar formuliert, und wir erkennen 
an diesem einzigen Beispiel den ganzen gleichbleibenden anthropozentrischen 
Standpunkt der Zeit, wir sehen, wie die jeweilige Weltanschauung das 
ganze Denken bis in die kleinsten Fasern durchdringt: der Mensch ist das 
Maß aller Dinge, die Stoffe sind nur um des Menschen willen vorhanden, 
und die Begabung des Menschen gestattet ihm, alle Eigenschaften der 
Stoffe zu erkennen. Daher ist die Wirkung eines Stoffes auf den 
menschlichen Geschmack nicht nur ein Maßstab für die Heilwirkung auf 
den menschlichen Körper, sondern auf die geschaffene Welt überhaupt; 
der Geschmack des Alauns und der Lohe ziehen die menschliche Zunge 
zusammen, daher sind sie von ähnlicher Beschaffenheit; deshalb ziehen 
sie auch die tierische Haut beim Gerben zusammen. Man sieht, es ist eine 
Verwechslung einer physiologischen Reaktion mit einem chemischen Vor 
gang, nur möglich unter dem Eindruck des anthropozentrischen Stand 
punktes, und wir können daher diese Gerbetheorie die anthropozentrisch 
physiologische nennen. Sie ist entstanden auf Grund physiologisch 
medizinischer Erwägungen, und man hat sie ohne Zögern auf technische 
Verhältnisse übertragen. Das wird, wie wir gesehen haben, zuerst klar 
ausgesprochen bei Becher: Der Gerbstoff zieht die Haut zusammen und 
deshalb wird das Leder dick. 
Diese Theorie war nun also klar und deutlich ausgesprochen, und 
man begann nun, dieselbe entsprechend dem immer noch deduktiven 
Charakter jener Zeit rein deduktiv zu verfolgen. 1744 hat bereits 
Gleditsch, Botaniker der Kgl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 
unter dem Druck des Eichenloheproblems, von welchem wir eingangs 
gehört haben, eine Systematik der Pflanzen unter dem speziellen Ge 
sichtspunkte ihrer gerberischen Verwertbarkeit aufgestellt, und dabei teilte 
er, da wir nach den damaligen Ansichten die Gerberei also in folgende 
zwei Kategorieen scheiden müssen: 
1. Die Gerbung mit scharf zusammenziehend schmeckenden Stoffen: 
Loh- und Alaungerbung, 
’) Schauplatz 1767, Bd. II, S. 27.
	        

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Die Entwicklung Der Weißgerberei. A. Deichert’sche Verlagsbuchhandlung, 1913.
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