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Die Entwicklung der Weißgerberei

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Bibliographic data

fullscreen: Die Entwicklung der Weißgerberei

Monograph

Identifikator:
883887894
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-6560
Document type:
Monograph
Author:
Ebert, Georg
Title:
Die Entwicklung der Weißgerberei
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
A. Deichert'sche Verlagsbuchhandlung
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XL, 408 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
3.Teil. Die ökonomische Gestaltung der Weißgerberei
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Entwicklung der Weißgerberei
  • Title page
  • Contents
  • 1.Teil. Die Rohstoffe
  • 2.Teil. Die Produktionsprinzipien
  • 3.Teil. Die ökonomische Gestaltung der Weißgerberei
  • 4.Teil. Die topographischen und hygienischen Verhältnisse der Weißgerberei
  • 5.Teil. Der Markt

Full text

318 
Veranlassung gegeben, aus Abfällen wieder ganzes Leder zu machen x ), 
sogar das natürliche Leder durch künstliche Lederstoffe zu ersetzen^), 
letzteres freilich Versuche, welche bis jetzt ein brauchbares Resultat nicht 
gezeitigt haben. 
Ein außerordentlich wichtiges Moment, welches in diesem Zu 
sammenhange erwähnt werden muß, stellt das Problem der Leder- 
entfettung dar. Es enthalten nämlich alle Schafhäute in der Rücken 
linie und am Halse eine geringe Fetteinlagerung, welche manchmal so 
stark wird, daß sich das Schaffell zum Weißgerben überhaupt nicht 
mehr eignet; solche Schaffelle werden dann braun gemacht, besitzen aber auch 
dann noch an den Stellen starker Fetteinlagerung eine dunklere Färbung 
und einen unangenehm fettigen Griff, sie sehen aus, als ob sie große 
Fettflecke hätten. Solche stark fetthaltige Schaffelle waren durch das 
ganze Mittelalter bis in die neueste Zeit eine Quelle endlosen Ärgers 
und nie endender Auseinandersetzungen. Ein Zusatzdekret zur Nürn 
berger Jrher-Ordnung von 1608 besagt, daß die Weißgerber Macht 
haben sollen, die Felle, welche zu ihrem Handwerk nicht tauglich sind, 
den Rotgerbern oder anderen, welche sie verarbeiten können, „wie von 
alters gebreuchlich" zu verkaufen 3 ). Da andere Gewerbe keine Ver 
wendung für diese Schaffelle hatten, befanden sich die Weißgerber den 
Rotgerbern gegenüber in einer Zwangslage, und diese führte auf Grund 
der Ausnutzung der Lage durch die Rotgerber regelmäßig dazu, daß 
die Weißgerber diese zum Weißgerben ungeeignete Ware selbst mit Lohe 
braun gerbten, was natürlich als Gewerbsübergriff von den miß 
günstigen Rotgerbern stets gerügt wurde. Noch 1818 Z, sogar noch 
1842 5 ), wurden Weißgerber wegen solcher Übergriffe zur Rede gesetzt, 
und sie gaben unumwunden zu, braunes Schafleder gegerbt zu haben, 
weil man beim Einkauf nicht jedes Fell durchsehen kann, und weil sich 
dann diese zum Weißgerben ungeeigneten sog. Speckhälse darunter be 
finden, welche ihnen von den Rotgerbern nicht abgenommen werden. 
Die Lösung dieses Problems der Lederentfettung ist eine Errungen 
schaft erst der letzten 10—15 Jahre. Vornehmlich in England ver 
suchte man zuerst durch warme hydraulische Pressung der von Wolle 
befreiten nassen Häute die Entfettung zu bewerkstelligen; da man jedoch 
auf diese Weise nicht alles Fett zu beseitigen imstande war, ging man 
in den großen Etablissements von Argentinien auf die Fettextraktion 
mit Benzin und Methylalkohol über 3 ); zuerst im Anschluß an große 
Gerbereien, dann als selbständige Lohn-Lederentfettungsbetriebe ent- 
-) Keeß 1829, Bd. I, S. 67, 68, 69; Almanach 1802, S. 649. 
-) Keeß 1829, Bd. I, S. 67 f. ») Nürnberg 1539, Okt. 1608. 
0 Rothenburg 1818, 1818. °) Rothenburg 1818, 1842. 
o) Allgemeine Gerberzeitung 1904, Nr. 6, @. 2.
	        

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Die Entwicklung Der Weißgerberei. A. Deichert’sche Verlagsbuchhandlung, 1913.
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