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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

164 
selbst wieder auf sehr verschiedene Ursachen zurückgeht, zum Teil darauf*, 
daß der Krieg zahlreiche technische Hilfsmittel, insbesondere Verkehrsmittel 
schuf, welche später weiten Kreisen zur Verfügung stehen werden (Automobile,. 
Seilbahnen usw.), ebenso Fabriksanlagen zur Herstellung technischer Hilfs 
mittel, zum Teil aber darauf, daß er die technischen Kenntnisse weit ver 
breitete und die technischen Bedürfnisse erhöhte ; haben doch viele Bauern 
jetzt zum ersten Male die Vorteile der Technik kennen gelernt. 
Was aber die Sorge vor Überschuß an Arbeitskräften anlangt, die mit 
dem Hinweis auf den Rohstoffmangel sofort nach Friedensschluß begründet 
wird, so muß darauf hingewiesen werden, daß man die Möglichkeit hat, Ar 
beiten ausführen zu lassen, welche wenig fremde Rohstoffe benötigen, wie 
Kanalbauten, Wiederherstellungsarbeiten usw. 
Die Ausgestaltung der Verbände dürfte zu einer weitgehenden Aus 
schaltung des Zwischenhandels führen, dessen ursprüngliche Funk 
tion, Produzenten und Konsumenten aufzuspüren und miteinander zu verbinden, 
schon seit langem wesentlich verringert war. Während des Krieges begann 
man allgemein den Vorwurf zu erheben, es werde Kettenhandel getrieben, 
d. h., eine überflüssige Zwischenstufe zwischen Produzenten und Konsumenten 
eingeschoben. Und nun murrt man in weiten Kreisen darüber, daß überflüssige 
Geschäftsleute von der Gesamtheit erhalten werden müßten. Man hört nicht 
mehr das alte Schlagwort, daß die Konkurrenz die Ware verbillige, sondern 
das neue, je mehr Geschäftsleute neben- oder hintereinander am Absatz eines 
Artikels beteiligt seien, desto teurer würde er verkauft. Man weist darauf hin, 
wie Haus neben Haus Geschäftsleute der gleichen Branche ihre Waren ab 
geben, wie der Käufer die Wohnungsmiete und den standesgemäßen Unterhalt 
jedes dieser Verkäufer zahlen muß, obgleich ein Bruchteil der so beschäftigten 
Personen ausreichen würde, die Verteilung zu ermöglichen. Die Übergangs 
wirtschaft vermag nun die Überführung solcher überflüssiger Zwischenhändler 
in wirtschaftlich bedeutsamere Tätigkeiten reibungsloser als die Verkehrswirt 
schaft durchzuführen, welche dies oft nur durch Vernichtung zahlloser Existenzen 
konnte. Es ist charakteristisch, daß gerade viele Handelshochschullehrer für den 
„sozialen Handel“ eintreten, für einen Handel, der eigentlich mehr ein Ver 
teilungsapparat ist. Daß aber der Handel dazu in erheblichem Ausmaß 
ausgestaltet werden dürfte, dafür sprechen gar viele Anzeichen. 
Die Verwaltungswirtschaft, wie sie der Krieg zum Teil bereits durchge 
setzt hat, wie sie die Übergangswirtschaft noch weiter ausbauen dürfte, er 
möglicht aber noch viel weiter gehende Eingriffe. Sie kann ohne übermäßige Um 
wälzungen einen wesentlichen Einfluß auf die Naturaleinkommen Aller ausüben. 
Die vom Einzelnen konsumierten Naturalien im weitesten Umfang, ob er sie 
nun gekauft hat oder nicht, wollen wir als Naturaleinkommen bezeichnen. 
Bisher fehlte in der geldwirtschaftlich orientierten wirtschaftswissenschaftlichen 
Begriffswelt dafür ein eigener Name. Man kannte nur ein Realeinkommen als 
den Inbegriff der Dinge, welche man für sein Geldeinkommen kaufte, und ein 
Naturaleinkommen als den Inbegriff der Dinge, welche man konsumierte, ohne 
sie für Geld gekauft zu haben. Die Schichtung der Naturaleinkommen kann 
in der freien Verkehrswirtschaft nur unter grundsätzlichen Veränderungen der 
ganzen Struktur einer Gesellschaft verändert werden. Die Verwaltungswirtschaft 
kann dies durch allgemeine Anwendung der Preisstaffelung nach dem 
Einkommen tun, wenn sie nämlich die Verfügung trifft, daß die Käufer mit 
niedrigerem Einkornmen für dieselbe Ware einen niedrigeren Preis zahlen, als 
Käufer mit einem höheren Einkommen. Diese Preisstaffelung hat nun im Kriege 
in vielen Städten erhebliche Anwendung gefunden, auch wurde schon auf ge 
nossenschaftlicher Basis gelegentlich eine Staffelung der Mieten nach Kinder 
zahl und Einkommen versucht. Die Preisstaffelung hat den Vorteil großer 
Elastizität ; man kann weitgehende Veränderungen der Naturaleinkommen durch 
führen, ohne daß die Geldgewinne der Verkäufer sich ändern müßten. In 
Friedenszeiten wurde gelegentlich die Preisstaffelung von Unternehmern auch 
angewendet, um ihren Reingewinn zu erhöhen, jetzt hat sie vor allem ein 
kommenspolitische Bedeutung. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß das Prin 
zip der Preisstaffelung sich noch weiter verbreiten wird, insbesondere auch
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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