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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

177 
durch die Art der Preisbildung, durch die Zölle usw. Es liegt aut der Hand, 
daß sich derlei in abstraktschematischer Form ausführen läßt. 
Auch bisher wurden solche Rechnungen versucht, aber meist nur, um für 
bestimmte Reformprojekte Propaganda zu machen, so von Theodor 
Hertzka, Josef Popper-Lynkeus, Franz Oppenheimer u. A. 
Während diese Autoren konkrete Naturalrechnungen entwarfen, um nachzu-. 
weisen, wieviel Boden, Rohstoffe und ^Arbeitsstunden nötig wären, eine bestimmte 
Menschenmenge zu ernähren, haben andere Autoren diese Betrachtung nur im 
allgemeinen angestellt und zu zeigen versucht, welcher Unterschied zwischen 
der technisch möglichen Befriedigung und der in der Marktordnung möglichen 
bestehe, wie Sismondi, Henry George, Wilhelm Neurath, Ru 
dolf Golds cheid u. A. m. Es bleibt nun noch übrig, diese gelegentlich 
skizzierte Naturalrechnung auszugestalten und ihr eine selbständige Stellung 
im Rahmen der theoretischen Nationalökonomie zu geben. 
Die Darstellungen würden etwa folgenden Charakter annehmen. Es sei 
eine gewisse Menge Rohstoffe, Menschenkräfte usw. gegeben. Welche Menge 
von Produkten kann man so erzeugen, wie kann man sie verteilen, wenn be-< 
stimmte Bedingungen vorliegen ? Zunächst kann man diese Frage rein technisch 
behandeln, dann aber auch die Organisation der Wirtschaft mit in Rechnung 
stellen. Es wird ja durcFi gewisse Organisationsformen 
die absolute Menge, welche erzeugt wird, sich ändern, 
durch andere wieder die Verteilung. Was man für gut, was man 
für schlecht hält, ist dabei ganz gleichgültig. Die Naturalrechnung ist eine 
durchaus objektive Angelegenheit. Nun kann man dann Zusehen, wie irgendein 
Typus der Geldwirtschaft als eine der vielen möglichen Ordnungen die Pro 
duktion und Konsumtion beeinflußt. Der Geldkalkul kann z. B. eine Zunahme 
der Einkommen ergeben, während die Realeinkommen gesunken sind, er ist für 
die Naturalrechnung an sich ganz gleichgültig, vielmehr nur eine Organi 
sationsform. Diese Betrachtungsweise gibt begreiflicherweise die Basis für 
einen sehr freien Standpunkt ab, nichtsdestoweniger finden wir ihn in aller 
Schärfe verhältnismäßig selten durchgeführt. Selbst bei vielen Sozialisten, die 
doch die Dissonanz zwischen Geldkalkul und Realeinkommen hervorheben, spielt 
die geldtheoretische Grundlage ihrer Argumentationen eine merkwürdig starke 
Rolle. Es zeigt sich dies besonders, wenn man ihre Darlegungen im einzelnen 
verfolgt. So fehlt z. B. bei Marx, der doch diese Dissonanz oft genug in Bausch 
und ^gen hervorhebt, eine theoretisch durchgebildete Naturafrechnung. 
Die Wichtigkeit der unabhängigen Naturalrechnung, die sich auf umfassen 
den Produktions - und Konsumtionsstatistiken aufbaut, ist heute 
praktisch fast allgemein zugestanden. Aber noch mehr ist geschehen, man 
hat nicht nur die Naturalrechnung in den Vordergrund geschoben, man hat auch 
die Naturalwirtschaft auf Kosten der Geld Wirtschaft begünstigt. 
Das kam schrittweise und wie von selbst. Wir stehen heute in einer stark na 
turalwirtschaftlichen Ordnung drin, ohne daß es zu wirklichen Umstürzen ge 
kommen wäre, wie ja auch oft im politischen Leben alte Formen äußerlich er 
halten bleiben, während der Inhalt schon große Wandlungen durchgemacht hat. 
An sich hat ja der Naturalkalkul mit der Naturalwirtschaft nicht mehr zu tun als 
mit der Geldwirtschaft. Wir können die Geldwirtschaft dem Naturalkalkul 
unterwerfen, wir können auch die Naturalwirtschaft dem Naturalkalkul unter 
werfen. Es ist z. B. sehr gut möglich, daß wir irgendeinen Geldwirtschaftstypus 
untersuchen und feststellen, daß er bei gleicher Anfangssituation in bezug auf 
Menschenkräfte, Rohstoffe usw. innerhalb einer bestimmten Produktionsperiode 
ein höheres Realeinkommen liefert, als etwa ein bestimmter NaturalwirtschaftS" 
typus. Die Naturalrechnung ist eine Rechnungsart, die Natural 
wirtschaft eine gesellschaftliche Einrichtung. 
Die Naturalrechnung wurde aber infolge des Krieges häufiger und syste 
matischer als sonst angewendet und scheint eben vielen gezeigt zu haben, daß 
die Geldwirtschaft, wie sie vor dem Kriege bestand, nicht den Anforderungen 
entspreche, die man im Kriege seitens der am Siege interessierten Kreise an sie 
zu stellen für gut fand. Man merkte zu deutlich, daß der Krieg mit Munition 
und Verpflegung, aber nicht mit Geld geführt werde. Und während vor dem 
12
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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