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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

201 
Es fragt sich nun, könnte nicht auch der Staat sich die Verfügungsgewalt 
über jene Gegenstände sichern, welche heute so wirksam sind? Der Städter 
bringt dem Bauern Tabak? Wer gibt dem Städter in Österreich den Tabak? 
Der Staat ! Wer versetzt den Städter in die Möglichkeit, aufs Land fahren zu 
können? Der Staat, indem er die Bahnen für den technisch äußerst unvoll 
kommenen Rucksackverkehr zur Verfügung stellt, der ebenso wie das „An 
stellen“ ein Schandfleck für den Rationalismus dieses Zeitalters bleiben wird. 
Wer gibt Arbeitern, Beamten, zum Teil absichtlich, die Möglichkeit, die Höchst 
preise zu überschreiten? Der Staat und die Fabriken, welche der Staat durch hohe 
Preise dazu befähigt, indem den erwähnten Kreisen statt Naturalien erhöhte Ge 
hälter zugewiesen werden. Die Behörden drücken oft beide Augen zu, wenn 
Kohlengruben einen Teil der Kohle verwenden, um im Tauschhandel Lebensmittel 
zu beschaffen, wenn Petroleumgruben das gleidie tun. Ja, es kommt vor, daß 
sie Überschreitung von Höchstpreisen nahelegen, um Streiks zu verhindern. 
Wenn der Tauschhandel solche Wunder wirkt, weshalb nimmt ihn der Staat 
nicht in die Hand? Vor allem deshalb nicht, weil Vorurteile gegen ihn be 
stehen, insbesondere manche für die Valuta vieles befürchten. Es fragt sich, 
ob man im Interesse einer klaglosen Ernährung nicht auch die Valuta schädigen 
dürfe ; vor allem aber zeigt sich, wie wir unten andeuten werden, daß diese 
Sorge an sich unberechtigt ist. Es bleibt vor allem die Scheu vor dem Un 
gewohnten, dem Neuen bestehen. Man läßt nicht gerne die alteingewurzelte 
Anschauung fahren, daß die Geldordnung unter allen Umständen das voll 
kommenste Werkzeug der Wirtschaft sei. 
Heute findet der Tauschhandel, insbesondere in der Nähe der Großstädte, 
in völlig ungeregelter Weise statt. Die Bewohner von Wien stürzen sich mit 
Tabak, Zucker, Leinwand, Schmuck usw. auf die Bauernschaft und überbieten 
einander, ohne systematisch die Mehrerzeugung anzuregen. Der Staat könnte 
mit der gleichen Menge Tabak, Zucker, Leinwand usw. durch systematisches 
Vorgehen einerseits größere Mengen Lebensmittel aufbringen, anderseits aber, 
und das ist sehr wichtig, durch Schaffung geeigneter Naturalprämien die 
Mehrproduktion anregen. Der Staat könnte z. B. Tabakprämien 
schaffen, den Mehrerlös an Lebensmitteln zu Naturalprämien für Bergarbeiter 
verwenden, den Mehrertrag an Kohle in Verbindung mit einem Überschuß an 
Lebensmitteln zu Prämien für Städter, welche Wolle, Messing, Leinwand usw. 
abliefern oder gewisse staatswichtige Arbeiten, etwa bei der Lebensmittelver 
teilung usw., auf sich nehmen. Es müßte systematisch festgestellt werden, wo 
überall geeignet angewendete Naturalprämien ungeweckte Kräfte be 
leben könnten. Menschen, welche für Geld kaum zu einer Arbeitsleistung 
zu haben sind, können für Naturalien leicht zu einer solchen veranlaßt werden. 
Der gesamte Sammeldienst könnte mit weit geringerem Personenaufwande durch 
geführt werden, wenn Seife, Kohle usw. als Prämien dienten, was ja gelegent 
lich mit Erfolg geschehen ist ; so wurde z. B. für die Ablieferung von Gerber 
rinde Leder gezahlt und ähnliches mehr. Der Bauer müßte auf diese Weise 
Industrieartikel, wie Stricke, Wagenschmiere, Kleider usw. erhalten, was über 
dies seine Produktionsfähigkeit förderte, der Städter vor allem Lebensmittel, 
was ebenfalls seine Leistungsfähigkeit steigert. 
Diese Art Maßnahmen, welche durch allgemeine Steigerung der Leistungen 
die Gesamtversorgung bessern, die Verteilung gleichmäßiger gestalten könnten, 
würden vor allem deshalb besser als Strafen sein, weil sie die verhaßteste 
Form des Zwanges vermeiden. Wer keine Butter abliefert, bekommt eben 
keinen Tabak, kein Leder, keine Textilprämie, im übrigen ist er in seinem Tun, 
wenn nicht grobe Verstöße vorliegen, unberührt. Die Strafdrohung dagegen 
führt zu Untersuchungen, Verfolgungen, Bedrückungen aller Art. Der Ausfall 
der Prämie ist selbst schon die Strafe, sie ereilt den Täter unfehlbar. Die 
Strafe für Schleichhandel dagegen ist unsicher, wer ihr entgeht, hat seinen 
Vorteil gesichert. Überdies darf man nicht übersehen, daß der Drang zum 
Schleichhandel wesentlich verringert wird, wenn man auf ehrlichem Wege eine, 
wenn auch vielleicht etwas kleinere, Menge Kohle, Tabak, Butter usw. er 
langen kann. Die Behörde hat dann übrigens die Macht über Rohstoffe mög 
lichst lange in ihrer Hand, die sie heute oft leichtsinnig weggibt, ohne eine
	        

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Moratorien Und Andere Sonderregelungen Des Zahlungsverkehrs Im Auslande. [Liebheit & Thiesen], 1914.
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