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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

202 
entsprechende Gegenleistung zu fordern. Die Prämie ist übrigens für die 
moderne Betriebsorganisation innerhalb der Fabrik charakteristisch. Es wäre 
eine bedeutsame Aufgabe, die dort gesammelten Erfahrungen dazu zu ver 
wenden, ein geeignetes Naturalprämiensystem mit wirksamen Staf 
felungen auszuarbeiten. 
Die Durchführung der oben angedeuteten Pläne bedarf einer weitgehenden 
Berücksichtigung lokaler Verhältnisse und ist auch nur innerhalb gewisser 
Grenzen durchführbar. Wenn man in großem Stil den staatlichen Tauschhandel 
einführt, der in Verbindung mit der Naturalverpflegung der Arbeiter 
und Beamten viele Kreise befriedigen dürfte, dann kann man gegen den rest 
lichen Schleichhandel als einer Sonderbetätigung Einzelner, die sich nicht 
allgemeiner Förderung erfreut, erfolgreich mit exemplarischen Strafen Vor 
gehen. Der vielleicht für den Einzelnen weniger ergiebige Tauschverkehr 
mit der Regierung hätte den Vorteil, daß das Risiko des Schleichhandels weg 
fiele, sowie seine großen Aufwendungen an Mühe und Geld. Nach den bisherigen 
Erfahrungen wäre es wohl zweckmäßig, falls dies möglich ist, die e i n - 
gelebten Händler innerhalb der staatlichen Organisation zu verwenden ; 
zum Teil deshalb, um sie nicht zum Schleichhandel zu zwingen. Ob man 
freilich überhaupt dem Staat solche Macht anvertrauen und die Lebensordnung 
in der angedeuteten Richtung umgestalten will, ist eine andere Frage. 
Die Einführung von Naturaltauschorganisationen in gewissem Umfang 
bedeutet, daß die Menschen in vielen Fällen wieder alle Kräfte anspannen 
werden, die Bauern ebenso wie die Kohlenarbeiter, weil erwünschter Lohn 
winkt. Es wird vielleicht jene zermürbende Hoffnungslosigkeit vielfach ihr 
Ende finden, welche heute die meisten erfüllt, wenn sie sehen, daß vernünftig 
angewendete Arbeit ihnen nicht die erwünschten Gegenstände ins Haus bringt, 
wohl aber die sinnlose Kraftverschwendung, welche dem Rucksackverkehr, 
dem Kaffeehaushandel, dem Herumspüren und Herumschnüffeln bei Bekannten, 
dem Anstellen innewohnt. Es würde wieder ein größerer organisatorischer 
Zug in unser Leben kommen und jener Kleinkram aus dem Dasein verschwinden, 
der heute so vielen zum Ekel wird. Das, was Österreich zu bieten vermag, 
solle es klar und einfach ins Haus liefern, und in wahrhaft durchdachter 
Arbeitsteilung mit der Herbeischaffung Beamte und Angestellte betrauen, 
nicht müde Mütter und unmündige Kinder, die ihre Zeit verschwenden. Werden 
diese Lähmungen beseitigt, die einander immer mehr steigern, dann würden 
wir in der nächsten Zukunft nur jene Entbehrungen zu ertragen 
haben, welche unvermeidlich sind. Lernen wir die Technik der Lebens 
mittelversorgung ebenso ausbilden, wie wir die Technik der Betriebsorganisa 
tion beherrschen lernen ! 
Die Auszahlung der Prämie erfolgt wohl zunächst am besten in der 
Weise, daß für eine bestimmte Menge abgelieferter Waren oder geleisteter 
Arbeit einerseits Geld ausbezahlt, anderseits das Recht erteilt wird, für einen 
erheblichen Teil dieses Geldes eine bestimmte Ware oder bestimmte Waren 
zu kaufen, sei es, daß dies gleich oder in einem späteren Zeitpunkt geschieht. 
Es kann auch die Form gewählt werden, daß die Naturalprämie unmittelbar 
ausgefolgt wird, ohne daß überhaupt eine Geldzahlung oder auch nur eine 
Geldverrechnung dazwischen tritt. In vielen Fällen wird es sich empfehlen, 
die Prämie zu staffeln. Für die erste Getreidemenge, welche über eine be 
stimmte Menge abgeliefert wird, erhalte der Bauer eine kleinere Natural 
prämie neben der Geldprämie, als etwa für die nächste und übernächste. Wie 
weit man für Großgrundbesitzer und Kleingrundbesitzer verschiedene Prämien 
sätze anwenden, wie weit man überhaupt über eine sehr grobe Organisation 
hinaus feinere Unterschiede machen will, hängt von der Personenzahl ab, 
welche man für eine solche Organisation zur Verfügung stellt. Es genügt 
aber meist, wenn die gröbsten Ungerechtigkeiten vermieden werden. Schließ 
lich sind wir ja Ungerechtigkeiten zur Genüge gewöhnt. Die Frage, wie 
weit ganze Gemeinden, wie weit Einzelpersonen Prämien erhalten sollen, wird 
verschieden beantwortet werden können. Bei der Verteilung der Prämien 
muß wohl dem Empfänger eine gewisse Wahl gelassen werden, soll nicht 
ein unerwünschter nachträglicher Tauschhandel die Folge sein, welcher viele
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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