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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

14 
Soldaten in der Industrie könnte heute zu Schwierigkeiten führen. Auch der 
Hinweis auf die großen Geldausgaben zu Kriegszwecken ist an sich nicht aus 
reichend, weil man erst zeigen müßte, daß bei Bestehenbleiben der sonstigen 
Ordnung die Summe, die sonst den Kriegsrüstungen zufließt, dann den Schulen 
und Krankenhäusern zuflösse. Diese Erwägungen gehen davon aus, daß eine 
bestimmte Menge wirtschaftlicher Kräfte und ebenso eine bestimmte Menge 
Geld gegeben ist, die wir nun entweder in der einen oder anderen Weise 
verwenden können, während in Wirklichkeit die Dinge weit komplizierter liegen, 
Zu denen, welche diesem Problem ihr Augenmerk zuwendeten, gehört 
Henry George, der einige Zusammenhänge zwischen Krieg und Wirtschaft 
richtig erkannte.36) Er sagt von Amerika: „Nichts zeigt vielleicht klarer die 
beständig vor sich gehende enorme Verschwendung von produktiven Kräften 
als der Umstand, daß die blühendsten Zeiten, welche dieses Land in allen Ge 
schäftszweigen erlebt hat, die Zeiten des Bürgerkrieges waren, als wir große 
Flotten und Armeen unterhielten und Millionen unserer industriellen Bevölkerung 
genug zu tun hatten, um dieselben mit Gütern zur unproduktiven Konsumtion 
oder zu leichtsinniger Vernichtung zu versehen. Es ist vergebens, von einer 
eingebildeten Blüte dieser gedeihlichen Zeiten zu reden. Die Massen des 
Volkes lebten besser, kleideten sich besser, fanden es leichter, ihren Lebens 
unterhalt zu gewinnen, und hatten mehr Überfluß und Vergnügen als in ge 
wöhnlichen Zeiten. Im Norden war mehr tatsächlicher, sichtbarer Reichtum 
am Schlüsse des Krieges vorhanden, als beim Beginn desselben . . . Unsere 
Armeen und Flotten wurden unterhalten, der enorme unproduktive und zer 
störende Gebrauch von Gütern wurde ermöglicht durch die Arbeit und das 
Kapital, die damals und hier produktiv beschäftigt waren. Und dadurch, daß 
die vom Kriege veranlaßte Nachfrage produktive Kräfte in Tätigkeit setzte, 
wurden die enormen Verluste des Krieges nicht allein wiederersetzt, sondern 
der Norden wurde auch reicher. Die Arbeitsvergeudung beim Hin- und Her 
marschieren, beim Graben von Laufgräben, Aufwerfen von Schanzen und 
Fechten von Schlachten, die Vergeudung von Gütern, die durch unsere Armeen 
und Flotten verbraucht oder vernichtet wurden, war nicht so groß, als die 
beständig vor sich gehende Vergeudung unbeschäftigter Arbeit und stillstehender 
oder nur teilweise benützter Maschinen. Es ist klar, daß diese enorme 
Verschwendung produktiver Kraft nicht den Fehlern in 
den Naturgesetzen, sondern den sozialen Mißgestaltungen 
zuzuschreiben ist, welche der Arbeit den Zugang zu den 
natürlichen Arbeitsgelegenheiten verweigern. . . . Die Läh 
mung, welche zu allen Zeiten produktive Kräfte verschwendet und in allen 
Zeiten industriellen Druckes mehr Verluste herbeiführt, als ein großer Krieg, 
entspringt aus der Schwierigkeit, welcher diejenigen, die gern durch ihre 
Arbeit ihre Bedürfnisse befriedigen würden, in diesem Bestreben begegnen....“ 
Dieser Versuch H. Georges, die anläßlich der Überproduktionskrisen zutage 
tretenden Erscheinungen bei der Untersuchung der Wirkungen des Krieges auf 
den Reichtum zu verwenden, ist seither nur selten wiederholt worden,^^) wie 
denn überhaupt die genaue Analyse der einschlägigen Tatbestände viel zu 
wünschen übrig läßt. 
Die Ursachen der steigenden Rentabilität, die zuweilen während des Krieges 
und kurz nach demselben bemerkbar wird, ist oft in folgenden Umständen zu 
suchen; Alle Bedarfsartikel für dje Kriegführung steigen erheblich im Preise, 
dazu gehören auch die Lebensmittel. Dies sichert einer Reihe von Unternehmungen 
vermehrte Einnahmen. Die im Kriegsfall notwendige Einberufung der Bürger 
zur Armee bewirkt zuweilen einen erheblichen Arbeitermangel und bei gleich 
zeitiger Produktionssteigerung in gewissen Industrien eine Erhöhung der Löhne. 
H. George, Soziale Probleme, deutsch von Stöpel. Berlin 1885, 
S. 70 f. 
3^) Ähnlich Wilhelm Neurath in den nachgelassenen, nicht veröffent 
lichten Manuskripten. Dezember 1894, unter dem Titel „Aufhebung von Hemm 
nissen der Produktion. Krieg macht reich.“
	        

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Probleme Der Wirtschaftsgeschichte. Mohr, 1926.
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