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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

2* 
IQ 
teresse des Staates und daher schließlich in ihrem eigenen läge, so nützt ihm 
diese Einsicht nichts, weil sein isoliertes Vorgehen in dieser Hinsicht nur 
seinen Schaden herbeiführt. Ganze Organisationen können hingegen der Politik 
in erheblichem Maße dienen. Wenn große Unternehmungen geeint staats 
feindlich Vorgehen, ist es auch bedeutend leichter, gegen sie Maßnahmen zu 
ergreifen, weil man weiß, an wen man sich zu halten hat. 
Eine überaus wichtige Frage ist in Kriegszeiten die des Imports, 
insbesondere die des Lebensmittelimports. Bei jeder Kriegsgefahr bildet dieser 
Punkt den Gegenstand lebhaftesten Interesses. Die Zurückdrängung der Land 
wirtschaft durch die Industrie hat die Lebensmitteleinfuhr überaus bedeutsam 
gemacht. Wenn wir die durch die letzten Verwicklungen für Österreich-Ungarn 
und Deutschland geschaffene Situation voraussetzen, ist die Zufuhr auf Schiffen 
nur über die Häfen der Ost- und Nordsee, sowie der Adria möglich. 
Selbst wenn es den beiden Flotten gelingen sollte, die Häfen von einer eigent 
lichen Blockade frei zu halten, so sind sie wohl kaum in der Lage, 
die beiden schmalen Zufahrtsstraßen, den Ärmelkanal und 
die Straße von Otranto, dauernd zu sichern. Im Gegensatz 
dazu ist z. B. Frankreich weit schwerer von der Zufuhr abzuschneiden. Was 
den Import über neutrale Staaten anlangt, so kommt für Österreich-Ungarn die 
Zufuhr über die Schweiz wegen der einigermaßen gesicherten Neutralität dieses 
Landes in erster Reihe in Betracht; die Zufuhr über Italien, Serbien und Ru 
mänien, eventuell einmal, nach ausgebauter Bahnverbindung, über die Türkei, 
ist schon, je nach der politischen Lage, weit weniger sicher. Für Deutschland 
sind Belgien, die Niederlande, Luxemburg und die Schweiz in erster Reihe zu 
nennen. Die Frage, wie weit die Neutralität gewahrt wird, 
ist eine cHf ene. Daß England und Deutschland mindestens ernsthaft erwägen, 
die Neutralität der Niederlande gegebenenfalls zu mißachten, ist bekannt, aber 
auch die Schweiz ist keineswegs vor einem Neutralitätsbruch sicher. Frankreich 
hat diesbezügliche Feldzugspläne ausgearbeitet, um längs des Jura das Rheinknie 
zu erreichen, während von deutscher Seite die entsprechenden Gegenmaßregeln 
an der Schweizer Grenze in der Form von Forts geschaffen wurden. Die 
Schweiz selbst ist sich über ihr Verhalten noch nicht klar, da einerseits von 
mancher Seite das Aufgeben der Vorlande beim Einmarsch der Franzosen für 
notwendig erachtet wird, da die Schweizer Armee nur die Berge zu halten in der 
Lage sei, während von anderer Seite unbedingtes Festhalten der Grenze gefordert 
wird.^*) Aber «auch ohne eigentliches Durchbrechen der 
Neutralität ist eine Absperrung der Zufuhr denkbar, wenn 
nämlich den neutralen Staaten nur der für sie nötige Im 
port zugestanden, jeder Überschuß hingegen zurückgehal 
ten wird. Es wird dann von den importierenden Staaten ab- 
hängen, ob sie sich eine solche Einschränkung gefallen 
lassen. Als die Nordstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg die Häfen des 
Südens blockierten, mußte sich Europa aus anderen Ländern mit Baumwolle 
oder Surrogaten versorgenWesentlich ist dabei selbstverständlich die Lage 
des Kriegsschauplatzes, so hat z. B. der Russisch-Japanische Krieg den Handel 
nur wenig direkt berührt. Vielumstritten ist die Frage, wie weit sich einzelne 
Staaten, z. B. Deutschland oder Österreich-Ungarn, die eine mehr zentrale Lage 
haben, im Kriegsfall versorgein können, wenn die Zufuhr tatsächlich abgeschnitten 
werden sollte. Während die einen geradezu eine Aushunge 
rung für möglich erachten, glauben andere, Staaten, die, 
w i e die genannten, noch keine vollen Industriestaaten 
sind, würden im Notfall durch geeignete Maßnahmen eine 
Mehrproduktion an Getreide, Kartoffeln usw. erreichen 
können, indem alles, was zur Nahrung verwendbar ist, zu 
anderen Zwecken nicht verbraucht werden darf, auch 
könne Vieh in größerer Menge geschlachtet werden. 
54) Vgl. darüber „Der Bund“. 4 /5. April 1906, S. 2. 
55) C. v. H ock, a. a. O. S. 513.
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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