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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

18 
die er erforderte, ein Segen für alle künftigen Generationen geworden ist. Ein 
Friede aber, der eine zur Entwicklung einer Manufakturkraft berufene Nation 
wieder in den bloßen Agrikulturstand zurück wirft, wird ihr zum Fluch und ist 
ihr ohne allen Vergleich schädlicher als der Krieg“.^») Der Krieg kann aber 
nicht nur dazu dienen, einen Staat aus der Abhängigkeit von einem anderen 
zu befreien, sondern auch dazu, dieselbe zu erzeugen, oft nur zum Vorteil des, 
Siegers, zuweilen auch zum Vorteil des Besiegten. So ist z. B. die Besetzung 
Bosniens für dieses Land wohl als ein Vorteil zu bezeichnen. Häufig handelt 
es sich darum, ein Absatzgebiet oder ein Produktionsgebiet zu erwerben, was z. B. 
im amerikanischen Bürgerkrieg eine nicht unerhebliche Rolle spielte.^i) 
Gerade die erwähnten Beispiele zeigen aber, daß es 
nicht der Krieg als solcher ist, welcher die Entwicklung 
ermöglicht. Dies kann dazu anregen, nach Mitteln und 
Wegen zu suchen, um die gleiche Wirkung bei Vermeidung 
von all dem Jammer und Schmerz zu erzielen, der notwendig 
mit dem Kriege verbunden ist. 
Ebenso wie die Regierung unter bestimmten Umständen die Lebens 
mittelpreise bestimmen dürfte, kann sie aber auch Maßregeln ergreifen, 
um die Preise der Kohle oder solche von Industrieartikeln 
zu regulieren, das gleiche kann sie auch mit dem Leihpreise des Geldes tun. 
Sie kann entweder auf Grund gesetzlicher Bestimmungen oder im Notfall 
auch ohne dieselben gewaltsam eingreifen. Vielfach genügt es aber bereits, 
wenn sie mit den großen Kartellen, Bankhäusern usw. in Verhandlungen tritt, 
an ihren Patriotismus appelliert und diesen Appell unter Umständen durch 
Versprechungen und Drohungen unterstützt. Die großen Organisa 
tionen erweisen sich iu solchen Fällen als sehr zweck- 
m ä ß i g.52) Vom Standpunkt der augenblicklichen Rentabilität aus kann der 
Kaufmann an staatsfeindlichen Geschäften sehr interessiert sein M) und ebenso 
z. B. an Preiserhöhungen. Selbst wenn der einzelne Kaufmann einsieht, daß 
ein bestimmtes Vorgehen der Kaufmannschaft und der Industriellen im In- 
50) England wollte die amerikanische Industrie grundsätzlich nicht auf- 
kommen lassen und verbot die Errichtung von Industrien, die Eisen weiter 
verarbeiteten (steel furnaces and slit-mills). Vgl. A. S m i t h, a. a. O. B. IV, c. 7. 
London 1868, S. 239. Es 'muß betont werden, daß dies merkantilistische Prin 
zipien waren und Adam Smith ein derartiges Vorgehen als Freihändler perhor- 
reszierte. Wenn er auch dazu neigt, die Schädlichkeit des Verbotes zu unter 
schätzen, so sagt er doch: „To prohibit a great people, however, from making 
all that they can of every part of their own produce, or from employing their 
stock and industry in the way that they judge most advantageous to themselves, 
is a manifest violation of the most sacred rights of mankind.“ 
51) Die Frage des gesicherten Absatzgebietes wird in der Politik vielfach 
berührt. So wird von ungarischer Seite Österreich nicht selten vorgeworfen, 
es habe sich dem deutschen Zollverein nicht angeschlossen und so die Entwicklung 
des Deutschen Reiches ermöglicht, weil es, die Konkurrenz fürchtend, sich 
Ungarn als dauerndes Absatzgebiet sichern wollte. Vgl. Ludwig Läng (Handels 
minister im Ministerium Szell), Hundert Jahre Zollpolitik. Übersetzt von A. 
Rosen. Wien und Leipzig 1906, S. 133. 
52) Vgl. Völcker, a. a. O. S. 91. 
55) Vgl. die sarkastische Schilderung von F. List, a. a. O. S. 219. Es 
ist eine schwierige Frage, wie weit es z. B. zweckmäßig ist, die eigene Industrie 
knapp vor Beginn des Krieges zu verhindern, den Feind mit Bedarfsartikeln 
zu versorgen. Wenn der Feind, im Fall wir ihm die Mäntel, Flaschen usw. 
nicht liefern, dieselben sicher anderswoher bezieht und wir an den betreffenden 
Artikeln genug besitzen, so würde ein Ausfuhrverbot für diese Gegenstände nur 
den Erfolg haben, daß der Feind ebenso gut ausgerüstet sein wird, wie ohne 
das Verbot, unsere Industrie aber um die Einnahme ärmer. Bedenklich wird 
der Export dann, wenn er Gegenstände betrifft, die man selbst für den Kriegs 
fall benötigt, z. B. Pferde.
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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