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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

55 
Es gibt Bergwerke, die in Friedenszeiten anszunützen nicht rentabel ist Es 
gibt, wie wir schon erwähnten, Land, das für Ackerbau und Viehzucht in 
Friedenszeiten nicht Verwendung findet. vienzucnr m 
Auf die Warenreserven, insbesondere auf die Lebensmittelreserven 
werde ich noch zurückzukommen haben. Sie werden in Friedenszeiten im alle-e- 
meinen sukzessive aufgebraucht. Nur Waffenreserven und ein Teil der Sanitñs- 
reserven gehen in Friedenszeiten langsam zugrunde und müssen erneuert werden. 
Von ganz anderer Bedeutung sind die Geldreserven. Soweit es sich 
um Inlandgeldreserven handelt, sind sie von geringer Bedeutung, da es ein Ver 
waltungsproblem ist, ob man die Kriegsmittel im Inlande durch Kauf oder durch 
Requisition beschafft. Es ist auch denkbar, daiß die Geld- und Kreditordnung 
im Kriegsfälle überhaupt suspendiert werden müß. Die Aus la ndsge Id res erven 
repräsentieren Forderungskräfte an das Ausland, ihre Verwertung hängt wesentlich 
von der politischen Situation ab. Auch diesen Reserventypus werden wir ein 
gehend zu besprechen haben. 
Die Ausführung über die ungenügende Ausnützung der produktiven Kräfte 
könnte leicht den Eindruck hervorrufen, daß alle Reserven solcher ungenügender 
Ausnützung ihren Ursprung verdanken. Dies ist nun nicht der Fall. Keine gesell 
schaftliche Organisation kann alle Reserven ausschalten. Für jeden Menschen, 
der in der gesellschaftlichen Ordnung eine bestimmte Stellung einnimmt, muß 
z. B. immer der Nachfolger bereit sein, der ihn ersetzen kann, wenn er ausscheiden 
sollte. Dieser Nachfolger wird, solange er warten muß, eine Stellung innehaben, 
die seinen Fähigkeiten nicht voll entspricht. Ähnliches sehen wir auf Schritt und; 
Tritt. Wir sehen auch bei einer nur flüchtigen Erörterung des Reservenproblems, 
daß wir nur durch Berücksichtigung sehr allgemeiner Gesichtspunkte zu einiger 
maßen brauchbarer Urteilsbasis gelangen können. 
4. Arten der kriegswirtschaftlichen Bedarfsdeckung. 
Gehen wir nun zur Güterbeschaffung für den Kriegsfall über. Es handelt 
sich sowohl um die Bereitstellung der Kriegsmittel im engeren Sinne, als auch 
um die Beschaffung von Nahrung und sonstigen Bedarfsartikeln für die Armee 
und Zivilbevölkerung. Diese Beschaffung kann entweder im Rahmen der Qeld- 
und Kreditordnung in kommerzieller Weise erfolgen, oder aber mit Hilfe ent 
sprechender Verwaltungsmaßnahmen; im Falle eines Krieges 
ist mit erheblichen Eingriffen der Staatsgewalt zu rechnen. 
Wie weit solche Eingriffe für die weitere Entwicklung des bürgerlichen Lebens 
von Vorteil oder Nachteil sein können, haben wir hier nicht näher zu erörtern. 
Ob man die Güterbeschaffung durch Geld vorzieht oder die Beschaffung 
auf dem Verwaltungswege, ist nicht nur eine Frage des fiskalischen Inter 
esses, sondern auch eine von grundsätzlicher sozialer Bedeutung. Gesell 
schaftliche Gesichtspunkte spielen heute bei der Güterversorgung eine größere 
Rolle, als vor etwa einem Menschenalter. Diese Tendenz macht sich auch auf 
kommerziellem Gebiete geltend, und wir können sowohl im Geld-, als auch im 
Kreditwesen erhebliche Eingriffe der Regierungen beobachten. Auf dem Gebiete 
der Heeres Wirtschaft wird man sich einerseits in militärischen Kreisen immer 
stärker der Wichtigkeit kommerzieller Betriebsformen bewußt und trachtet darnach, 
interne Einrichtungen dem modernen Geschäftsleben entsprechend umzugestalten; 
man sucht aber auch mit den Banken und sonstigen Instituten unmittelbarer, als 
dies früher üblich war, in Kontakt zu treten, um so die Interessen der Armee 
besser wahren zu können. Anderseits wird heute der fiskalische Gesichtspunkt, 
der zum Teil mit jenem des Kaufmanns zusammenfällt, in Maßnahmen der Heeres 
verwaltung und mit ihr in Verbindung stehender Behörden nicht mehr so aus 
schließlich wie früher eingenommen; sozialpolitische Momente treten häufig 
hervor, insbesondere bei der Beschaffung von Naturalien und bei der Beschaffung 
von Artikeln, die vom Kleingewerbe geliefert werden können. Die Förderung 
der Landwirtschaft ist ebenso ein Ziel des Staatsganzen, wie die Förderung der 
Armee, die selbst ein Mittel zur Durchsetzung staatlicher Zwecke darstellt. Es 
kann daher ganz gut Vorkommen, daß man den Bedarf für die Armee so deckt.
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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