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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

darauf Hinweisen, daß mir in Serbien zur Zeit der Mobilisierung die erhebliche 
Zahl von Brautpaarbildern in den Schaufenstern der Photographen auffiel, welche 
Männer in Uniform aufwiesen. Es dürften viele in den Krieg gezogen sein, 
nachdem sie vorher ihre Frauen befruchtet hatten. Ein solches Verhalten 
wäre gerade bei den Serben nicht unverständlich, wenigstens konnte ich aus 
Gesprächen mit Serben die Tatsache entnehmen, daß sie die Fortpflanzung 
vielfach für eine nationale Pflicht ansehen. Wir sehen denn auch häufig nach 
Kriegen eine statistisch erfaßbare Zunahme der Geburtlichkeit, so z. B. nach 
dem Kriege von 1870/71. Während vorher die Geburtlichkeit unter 40 pro 
Mille war, betrug sie nach dem Kriege über 40 pro Mille. Alle Momente, 
welche diese Steigerung Hervorrufen, kennen wir aber heute noch nicht, jeden 
falls ist es wichtig, diesen Zusammenhang im Auge zu behalten. 
Das Geburtenproblem ist heute überhaupt noch recht ungeklärt. Während 
man auf der einen Seite über Übervölkerung klagt und Hunderttausende in 
die Fremde ziehen läßt, jammert man gleichzeitig über Geburtenrückgang, 
der übrigens im allgemeinen durch einen erheblichen Sterblichkeitsrückgang 
kompensiert wird. Letzterer geht auf verschiedene Momente zurück, unter 
anderem auch auf Fortschritte der Hygiene und der Medizin. 
Die Ursachen des heute zu beobachtenden Geburtenrückganges, der vor 
allem in den Städten auftritt, aber auch auf dem Land anzutreffen ist, sind 
mannigfacher Art. Zum Teil dürfte auch eine Abnahme der Zeugungs 
fähigkeit in manchen Gesellschaftsklassen eine gewisse Rolle spielen, vor 
allem aber die absichtliche Verhinderung der Befruchtung durch 
bestimmte Methoden des Geschlechtsverkehrs oder durch Präventivmittel. Auf 
dem Lande spielt besonders die Abtreibung eine erhebliche Rolle, die 
aber auch in den Städten etwas sehr Häufiges ist. Von großer Bedeutung 
sind die Geschlechtskrankheiten, welche die Fortpflanzung schwer schädigen. 
Im allgemeinen sind die wohlhabenderen und rationeller lebenden Kreise 
am meisten geneigt, durch geeignete Maßnahmen die Kinderzahl einzuschränken, 
um so den Lebensstandard der Kinder aufrechterhalten zu kö;nnen. Die Eini- 
kommen des Mittelstandes, insbesondere der Beamtenschaft, sind so niedrig, 
daß eine Familie schwer mehr als drei Kinder aufziehen kann, wenn die Aus 
bildung der Kinder nicht Zurückbleiben soll. Die ärmeren Kreise leben vielfach 
dumpf dahin, bekommen viele Kinder und lassen sie massenhaft dahinsterben. 
Neben diesen bisher erwähnten Reserven gibt es auch Reserven an 
Erfindungen, die im Kriege Verwendung finden können. Es gibt eine 
Menge von Erfindungen, die im Frieden nicht verwendet werden, weil sie 
keinen ausreichenden Gewinn bringen. Wir sehen z. B. die Hebelmaschinen 
wenig in Benützung. Ein großer Teil der Transporte von Kisten, Möbeln, 
Steinen usw. wird mit Muskelkraft vorgenommen. Wenn man die Fülle von 
Erfindungen mit Technik, die Häufigkeit der Verwendung 
mit Technizität bezeichnet, so mxiß man sagen, daß in unserem Zeitalter 
die Technik zwar sehr weit fortgeschritten ist, nicht aber die Technizität. 
Die Alten hatten zwar weniger Erfindungen, sie nützten dieselben aber alle 
aus. Wenn im Kriegsfall die Zahl der Arbeitskräfte abnimmt und bestimmte 
Importartikel verschwinden, kann es leicht zur Verwendung schon bekannter 
Erfindungen kommen, die bisher nicht in Gebrauch genommen wurden. 
Aber auch die Erfindungskraft selbst wird in Kriegszeiten durch, 
die Not oft geschärft. So wurde z. B. die Rübenzuckerfabrikation während 
der Kontinentalsperre eingeführt. Napoleon der Erste setzte Preise für die 
Erfindung neuer Maschinen aus. Und es wurde denn auch eine Reihe von 
Erfindungen gemacht und ausgenützt. Man kennt zwar die Größe dieser 
Reserve an Erfindungskraft nicht, aber man muß sie auch in Rechnung stellen. 
Die Erfindungsreserve kann man aus den Patentpublikationen zum Teil ent 
nehmen, und es wäre im ünteresse der Kriegsbereitschaft gelegen, im Vor 
hinein festzustellen, welche Erfindungen im Falle einer Absperrung des Landes 
vom Weltverkehr verwendet werden könnten. Es gibt viele Maschinen, aber 
dennoch in brauchbarer Qualität, die Surrogate für wichtige Importartikel zu 
erzeugen vermöchten. 
Zu den bisherigen Reserven kommen noch die Rohstoffreserven..
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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