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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

56 
daß die Landwirtschaft dabei möglichst gewinnt. Es kann das Staalsganze ge 
winnen, selbst wenn die Armee möglicherweise teurer einkaufen sollte als sonst. 
Die Rentabilität an einer einzelnen Stelle des Gesellschaftskörpers tritt für viele 
Politiker gegenüber jener des Gesamtwohles in den Hintergrund. 
Wir sehen derartiges häufig im Staatsleben. Denken wir uns ein Eisen 
bahnsystem. Eine wichtige Verbindungslinie soll vom Staat gebaut werden. 
Es zeigt sich, daß dieselbe unrentabel ist, d. h. die aufgewendeten Geldsummen 
werden durch die Einnahmen nicht entsprechend verzinst. Trotzdem kann diese 
Linie für das Eisenbahnsystem im ganzen rentabel sein, weil die Gesamteinnahmen 
aller Strecken zusammen durch die Schaffung dieser Verbindungslinie steigen. 
Die Linie kann aber auch möglicherweise dazu beitragen, die Einnahmen des 
Staates zu steigern, ohne die Einnahmen des Eisenbahnsystems zu erhöhen. 
Es wäre ja möglich, daß durch die Schaffung dieser Linie zwar die Frachtein 
nahmen nicht entsprechend wachsen, aber dennoch die an den Eisenbahnen 
liegenden Industrien derart blühen, daß sich vermehrte Steuerergebnisse zeigen, 
die zwar nicht vom Eisenbahnministerium, wohl aber vom Finanzministerium 
ausgewiesen werden. Aber es sind noch immer wenigstens Mehreinnahmen des 
Staates, welche die Verbindungsbahn erzeugt. Es kann aber der Fall ver 
kommen, daß Politiker die Schaffung dieser Linie begrüßen, selbst wenn durch 
dieselbe die Staatseinnahmen überhaupt nicht zunehmen, sondern nur 
der Volkswohlstand, das Glück und das Wohlbefinden der Bürger 
steigen. 
Wenn wir das allgemeine Wohl als ein Ziel staatlicher Maßnahmen an 
nehmen, können wir nicht ohne weiteres einer Formulierung zustimmen, die 
wir in einem sonst sehr lesenswerten und anregenden Aufsatz Reeders an treffen. 
„Es obliegt der militärischen Verpflegswirtschaft im Frieden die fiskalische Auf 
gabe, bei allen Maßnahmen dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit volle Geltung 
zu verschaffen. Also die Aufgabe, gute aber wohlfeile Ware anzukaufen und 
den gesamten Betrieb unter dem Gesichtspunkte möglichster Ersparnis an Wirt 
schaftsspesen aller Art zu organisieren, zu leiten, durchzuführen.“ Es kann sich 
ja auf Grund allgemeiner Erwägungen als zweckmäßig erweisen, daß man die 
Armee als einen selbständigen Körper auffaßt, der gewissermaßen als gewöhnlicher 
Kaufmann auftritt. Es kann so unter Umständen das Gesamtwohl am meisten 
gewinnen. Es ist aber auch möglich, daß nur die Berücksichtigung allgemein 
staatlicher Gesichtspunkte diesen Erfolg sicherstellt. Ob das eine oder andere 
anzustreben ist, kann nicht von vornherein entschieden werden, 
es erfordert diese Entscheidung grundsätzliche Erwägungen von Fall zu Fall. 
Allgemeine Gesichtspunkte kommen auch in Frage, wenn das Prinzip der 
Zentralisation oder Dezentralisation erörtert wird. Auch in diesem Falle reichen 
rein fiskalische Erwägungen keineswegs aus. Die Vorteile und Nachteile beider 
Organisationstypen treten besonders im Kriegsfall zutage. Diejenigen, welche 
im Kriegsfälle eine größere Zentralisation wünschen, werden auch im Friedensfall 
für die Schaffung von Zentralisationskaders eintreten, während jene, die im Kriege 
die Dezentralisation für nötig erachten, auch im Frieden analoge Maßnahmen 
zu befürworten pflegen. 
Schon in Friedenszeiten werden die rein fiskalischen Tendenzen 
durch andere zurückgedrängt; noch stärker dürfte das in 
Kriegszeiten der Fall sein. Die militärischen Ziele pflegen dann 
alle anderen in den Hintergrund zu schieben, wenn auch die leitenden Politiker 
immer bemüht sein dürften, die Ziele der Gesamtheit im Auge zu behalten. Es 
gelingt freilich nie ganz, die Fülle der Probleme immer auf die obersten Ziele 
hin zu orientieren, vieles geschieht durch die Bestrebungen einzelner Organe, die 
zwar durch ihre Struktur der Gesamtheit angepaßt sind, aber in den 
einzelnen Aktionen oft ein unabhängiges Dasein besitzen. 
Die Frage, wann die Beschaffung der Güter durch Geld, wann jene durch 
Verwaltungsmaßnahmen im Interesse des Staates vorzuziehen ist, wann Mischungen 
beider, kann nicht allgemein beantwortet werden. Die Beschaffung auf 
kommerziellem Wege hat immer den Vorteil voraus, daß sie 
der Tradition entspricht und damit den zahllosen Einrich 
tungen Und Gewohnheiten, die sich im Laufe von Jahrhun-
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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