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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

80 
bauern, andererseits den Reiskonsumenten helfen. Wenn der Reispreis sinken 
wollte und die Reisbauern in Gefahr kamen, kaufte die Regierung so lange Reis an, 
bis sie den Preis genügend gehoben hatte, und lagerte die Frucht in Speichern 
ein, die teils für einzelne Provinzen, teils für das ganze Reich bestimmt waren. 
Stiegen die Preise sehr an, so wurde Reis aus den Reichs-Reispreis-Ausgleichungs- 
speichern wieder abgegeben. 
Eine solche Preisausgleichung ist natürlich nur dann möglich, wenn gute 
mit schlechten Ernten in mäßigen Zwischenräumen abwechseln. Eine ähnliche 
Einrichtung bestand um die 'Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris. Um den Brot 
preis konstant zu erhalten, wurde eine Zwangskasse für die Bäcker errichtet. 
Wenn der Mehlpreis niedrig war, mußten die Bäckjer einen Teil des Gewinnes 
in die Kasse abführen. Dafür erhielten sie wieder einen Zuschuß aus der Kasse, 
wenn der Mehlpreis hoch war und sie dennoch das Brot zum alten Preis abgeben 
mußten. 
Die Regierung des brasilianischen Staates S. Paolo hat in der jüngsten Zeit 
die Kaffeepreise im Interesse der Produzenten beeinflußt, indem sie große Kaffee 
massen emlagerte und dann nach und nach verkaufte. Wir sehen, daß es in¡ 
all diesen Fällen darauf ankam, Rücklagen zu schaffen, im ersten und dritteln 
Fall aus Naturalien, im zweiten aus Geld bestehend. Was man so beim Reis 
oder Kaffeepreise tun kanp, vermag man natürlich auch beim Goldpreise zu tun. 
Für den internationalen Zahlungsverkehr ist die Konstanz des Goldpreises in 
österreichischen oder ungarischen Kronen von erheblicher Wichtigkeit. Wenn 
nämlich der Preis des Kilogramms Gold konstant ist, dann ist auch der Preis 
konstant, den die österreichisch-ungarische Bank für deutsche Mark, französische 
Franken und andere Goldmünzen zahlt. In 2790 Mark ist ebenso ein Kilogramnx 
Feingold enthalten, wie in 3280 Kronen österreichischer oder ungarischer Gold 
münzen. Besitzt jemand 2790 Mark in Gold, die nicht abgenützt sind, so weiß 
er, daß er für dieselben 3278 Kronen bei der österreichisch-ungarischen Bank 
in Noten oder 3274 Kronen bei der Münze in Gold erhält. Die Tatsache der 
freien Ausprägung von Gold sichert also der deutschen Mark 'in Gold einen, 
bestimmten Preis in Kronen, solange die diesbezüglichen gesetzlichen Bestim 
mungen gelten. Diese Preiskonstanz ist nicht etwas der Goldmaterie Eigentüm 
liches, sondern ein Produkt der Gesetzgebung, ln derselben Weise^ wie öster- 
reichrUngarn deutsche Goldmünzen als Gold ankauft, kauft nun Deutschland 
österreichische und ungarische Goldmünzen an. 
Praktisch stellt sich die Sache aber ein wenig anders; wenn ein Deutscher 
in Österreich-Ungarn eine Zahlung im Betrage von 3278 Kronen zu leisten hat, 
genügt es nicht, wenn er 2790 Mark in Gold besitzt. Dieser Betrag würde 
ihm die 3278 Kronen erst dann verschaffen, wenn er sich bei einem Gold kaufenden 
Schalter der österreichisch-ungarischen Bank befände. Nun lebt er aber in Berlin. 
Er müßte daher das Gold in ein Kistchen packen, müßte die Versandspesen in 
Rechnung stellen, ebenso die eventuelle Versicherungsprämie und, da der Transport 
auch einige Zeit dauert, den inzwischen erlittenen Zinsenverlust. Dabei hätte 
er darauf zu achten, daß die Goldmark nicht abgenützt sind. Denn während im 
nationalen Verkehr auch abgenützte Goldmark — sie verhalten sich dann ähnlich 
wie Zeichengeld — gelten, gelten im internationalen Verkehr nur solche für voll, 
die keinen Gewichtsverlust aufweisen. In Wirklichkeit wird aber der größere Teil 
der Zahlungen zwischen Österreich-Ungarn und Deutschland mit Hilfe von Devisen 
beglichen. Der Deutsche kauft in Berlin eine auf Wien lautende Devise, d. h. 
einen in Wien zahlbaren Wechsel. Diese Devise kann verschieden im Preise 
stehen. Kommt sie höher als der effektive Goldversand, dann würde man diesen 
vorziehen, d. h. solange die Deutschen genug Goldmark in der Hand haben, die 
sie verschicken können^ kann der Devisenkurs nicht über jenen Punkt hinaus- 
steigen, der durch die Versandkosten und die Einlösungskosten des Goldes in 
Österreich-Ungarn gegeben erscheint. Man nennt diesen Punkt den oberen Gold 
punkt für den Goldexport. In gleicher Weise existiert ein Punkt, wo es dem 
Österreicher oder Ungarn, der genügend Gold in der Hand hat, zweckmäßig er 
scheint, Gold nach Deutschland zu importieren, statt deutsche Devisen zu kaufen ; 
das ist dann der untere Goldpunkt für den Goldimport nach Deutschland. Das 
heißt, dadurch, daß zwei Länder Gold und damit auch Goldmünzen ankaufen, ist
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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